«Warum tun Sie sich das an», fragte Peter Belart Roland Frauchiger (EVP), Yvonne Feri (SP), Martina Sigg (FDP) und Robert Obrist (Grüne). Belart moderierte das von der SP Schenkenbergertal zu den bevorstehenden Nationalratswahlen initiierte Podiumsgespräch im Schenkenbergerhof Thalheim.

«Meine Belastung ist heute schon relativ hoch», sagte Nationalrätin Yvonne Feri (Wettingen): «Nach acht Jahren weiss ich, wie das funktioniert.» Sollte sie zur Regierungsrätin gewählt werden, würde sie alle anderen Ämter abgeben.

«Politik ist mein wichtigstes Hobby», sagte Martina Sigg (Schinznach), grosse Abstriche bei den anderen Hobbys seien also nicht nötig. «Nicht nur die Städte, sondern auch das Land muss in Bern vertreten sein», begründete Roland Frauchiger, Gemeindeammann Thalheim, seine Kandidatur.

Für alle die es nicht wussten, gab er noch eine kurze Geografielektion: «Thalheim liegt oben im Schenkenbergertal und nicht hinten.» Robert Obrist (Schinznach), der sich für sehr viele Gebiete und besonders Landwirtschaft und Finanzen interessiert, will nach Bern: «Weil dort sehr viel entschieden wird.»

«Auenschutz ist eine Sache der Bevölkerung»

Damit war die Eintretensdebatte des Podiums abgehakt. Rund 50 Personen hatte Peter Ehrismann dazu begrüssen dürfen. Mit der Frage: «Braucht es ein schwedisches Schulmädchen, um dieses Thema bewusst zu machen», leitete Belart zum Thema Biodiversität und Umwelt über.

Sigg sagte, die Biodiversität sei für die FDP schon immer ein Thema gewesen. «Der Auenschutzpark ist unsere Idee.» Mit den Aussagen der letzten Monate habe die Partei nicht die Meinung geändert, sondern etwas nachgeholt. «Der Auenschutz ist eine Sache der Bevölkerung und nicht nur der FDP», entgegnete Obrist.

Frauchiger machte sich für einen schonenden Umgang mit der Natur stark, schränkte aber ein: «Ein grosser Verfechter dieser Themen bin ich nicht, ich bin ein politisierender Ingenieur.» Er wies auf das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaftsertrag und Naturpark hin.

Für Feri braucht der Naturschutz radikale und unpopuläre Massnahmen. «Hier ist der Aargau weit voraus», sagte sie mit Verweis auf das kantonale Projekt Labiola. «Im Frühjahr, mit dem neuen Parlament, werde der Bund die neue Landwirtschaftspolitik formulieren.» Labiola sollte Vorbild sein. Alle müssten umdenken, um die Biodiversität zu fördern.

Das bedeute auch, dass Bioprodukte Standard werden müssen: «Nicht mehr Bio muss speziell angeschrieben werden, sondern die andere Ware.» Für Sigg ist das eine gute Idee.

Obrist wies auf die Tatsache hin, dass alle Leute Massnahmen befürworten, aber oft nicht so handelten: «Alle fordern Eigenverantwortung, aber ohne Verbote wird es nicht gehen.» Es brauche auch, so Obrist, «konsequent geschützte Gebiete».

Frauchiger sieht das Problem des Chemieeinsatzes nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch bei Privatpersonen in deren Gärten.

«Wir haben die Kosten nicht im Griff, es gibt sehr viele Akteure, die für sich schauen», antwortete Feri. Mit der Frage nach den Kosten im Gesundheitswesen hatte Belart das zweite Thema angesprochen.

Feris Hoffnung liegt bei den neuen Nationalratsmitgliedern, denn: «Heute sitzen in der Gesundheitskommission zu viele Personen der Versicherer.» Einen Kostentreiber sieht sie auch in der Pflege der älteren Leute, die einen immer grösseren Bevölkerungsteil ausmachen.

Frauchiger appelliert an die Eigenverantwortung und möchte die Leute motivieren, «nicht immer sofort zum Arzt zu gehen». Weiter sieht er in der heutigen Gesellschaft einen «schwierigen Umgang mit dem Lebensende. Aber dies ist ein schwieriges Thema».

Als Mittel zur Kostensenkung möchte Feri die Apotheken als kleine medizinische Zentren stärken. Ein Vorschlag, den Sigg gerne aufnahm.