Im Schutz der Dunkelheit haben sie sich jeweils auf den Weg gemacht, die Maibuebe in Birr. Mit aufwendig bemalten Spruchbändern, die sie neben dem Gemeindehaus befestigten, nahmen sie die Geschehnisse aus dem Gemeindeleben auf die Schippe.

Nicht sicher waren die Gegenstände, die nicht niet- und nagelfest und geordnet auf den Vorplätzen und in den Gärten im Dorf abgestellt waren.

Sie wurden mitgenommen, auf dem Gemeindehausplatz deponiert und zur Schau gestellt. Wer sich gegen den Abtransport von Hab und Gut wehren wollte, räumte rund um sein Haus auf und stellte Getränke sowie Esswaren bereit.

Wie bei der Jungbürgerfeier

Der Brauch am zweiten Samstag im Mai steht vor dem Aus. Als Grund nennt Gemeindeschreiber Alexander Klauz das mangelnde Interesse der jüngeren Generation an den Maibuebe, einer losen Vereinigung.

In den letzten Jahren seien keine neuen Mitglieder für die Aktivitäten gefunden worden. Aus Sicht der Gemeinde sei es zwar schade, dass eine Tradition wegfalle, sagt Klauz.

Aber: «Auch wenn wir diese Entwicklung bedauern, müssen wir sie zur Kenntnis nehmen.»

Die Situation ist laut dem Gemeindeschreiber vergleichbar mit derjenigen bei den Jungbürgerfeiern: Dieser Anlass wird ebenfalls wegen fehlender Nachfrage nicht mehr durchgeführt.

Trotzdem: Es liege nicht in der Macht und in den Händen einer Gemeinde und ihrer Behörde, diesem gesellschaftlichen Wandel etwas entgegenzusetzen.

Er selber, fügt Klauz an, habe den Maibuebe-Brauch vor seinem Stellenantritt in Birr nicht gekannt.

Er habe diesen als positiv erlebt und auch die Spruchbänder mit den Episoden und Anekdoten aus dem Dorfleben sehr geschätzt.

Auf die Ankündigung im aktuellen Gemeindebulletin, dass die Aktivitäten eingestellt werden, habe es bis jetzt aus der Bevölkerung noch keine Reaktionen gegeben.

Von Zeit zu Zeit Reklamationen

Im benachbarten Scherz schleichen die Maibuebe noch durchs Dorf. Sie hängen ihre gepfefferten, ironischen Gedichte über das Dorfgeschehen auf und sammeln im ganzen Dorf Gartenstühle, Velos oder Gartenzwerge, die sie beim Dorfbrunnen aufschichten. Die Sachen können am Sonntagmorgen von den Besitzern abgeholt werden.

Der Brauch existiere schon viele Jahre, scheine verankert und akzeptiert, sagt Gemeindeschreiberin Michèle Bächli.

Immer wieder könne es natürlich aber zu Reklamationen kommen wegen beschädigter oder verschwundener Gegenstände.

«Der Gemeinderat sucht daher von Zeit zu Zeit das Gespräch mit den Maibuben und versucht, diese insbesondere zum Sprücheschreiben und weniger zum Abtransport von Gegenständen zu motivieren.»