Den Fasnächtlern blutet das Herz

Wegen Corona-Virus: In Brugg und Windisch sind Umzüge, Kindermaskenball und Guggen-Open-Air gestrichen.

Michael Hunziker
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Schwerer Gang vor die Medien: Thomas «Steini» Steinhauer vom Brugger Fasnacht OK informiert über die Absage des Umzugs.

Schwerer Gang vor die Medien: Thomas «Steini» Steinhauer vom Brugger Fasnacht OK informiert über die Absage des Umzugs.

Bild: mhu

Die Fasnacht hat so schön stimmungsvoll begonnen in Brugg und Windisch am Donnerstagabend: mit Guggenmusiken, Schnitzelbänken und Apéro. Alles war bereit für ein buntes, vielseitiges Programm, alles freute sich auf fröhliche, ausgelassene Stunden.

Am Morgen darauf folgt die grosse Ernüchterung: Der Bund gibt bekannt, dass grosse Anlässe ab­gesagt werden müssen. Vermieden werden soll mit dieser Massnahme eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus. Gestrichen sind der Fasnachtsumzug in Brugg vom morgigen Sonntag genauso wie der Kindermaskenball heute Samstagnachmittag im Salzhaus.

Thomas «Steini» Steinhauer vom OK Fasnacht hat die undankbare Aufgabe, über die Absage zu informieren. Sicht- und hörbar niedergeschlagen tritt er vor die Medien beim Storchenturm am Freitagnachmittag. Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Anordnung des Bundes zwar nicht verstehen kann, nie mit einem solchen Entscheid gerechnet hätte. Aber: «Wir müssen wohl oder übel akzeptieren, wie es ist.»

Leid tun ihnen in erster Linie sämtliche Beteiligte

Betroffen von der Absage seien in erster Linie die Beteiligten: Wagenbauer, Guggenmusiken, Beizen- oder Standbetreiber, kurz alle, die mit grosser Freude und Einsatz, mit unzähligen Arbeitsstunden zu einem guten Gelingen beitragen wollten.

Dieser Aussage stimmt Bruggs Stadtammann Barbara Horlacher zu: «Es tut mir vor allem leid für all diejenigen, die sich auf die Fasnacht gefreut haben, die viel Herzblut in die Vorbereitungen des Anlasses gesteckt haben.» Auch wenn kein Grund bestehe für eine übermässige Angst: Für die Anordnungen von Bund und Kanton äussert sie Verständnis. «Wir halten uns an die Vorgaben, setzen die Vorsichtsmassnahmen um und beobachten die Situation laufend.» Der Stadtrat, fügt sie an, stehe dabei im Austausch mit der Regionalpolizei (Repol) Brugg sowie mit den Veranstaltern.

Vielleicht kaufen einige jetzt erst recht eine Plakette

Nicht nur Zeit, sondern auch Geld hat das OK Fasnacht bereits in den Grossanlass investiert. Wie viele Arbeitsstunden es waren, wie hoch der finanzielle Schaden sein wird, kann Thomas «Steini» Steinhauer noch nicht sagen. Sicher werde der Verein auf gewissen Kosten sitzen bleiben. Denn versichert sei ein solcher Fall, «der noch gar nie aufgetreten ist», nicht. Zum Glück seien in den vergangenen Jahren Rückstellungen getätigt worden, um ein finanzielles Polster zu haben. Vielleicht gebe es Personen, hofft Steinhauer, die jetzt erst recht noch in einer Vorverkaufsstelle eine Plakette erwerben, um einen kleinen Beitrag zu leisten an die entstandenen Unkosten – und um ein spezielles Andenken zu haben an dieses einmalige Ereignis: an einen Fasnachtsumzug, der nie stattgefunden hat.

Trotz gedrückter Stimmung: Steinhauer ist froh, dass er auf die Unterstützung seiner Fasnachtskollegen zählen darf. Anwesend sind am Medientermin Bruno Schuler und Ramona Waser. «Wichtig ist in der ersten Phase, dass wir alle informieren können, niemanden vergessen», sagt Steinhauer. Die unzähligen Reaktionen zeigen ihm, dass die Absage der Fasnacht hüben und drüben bedauert wird. Sein Telefon klingelt ununterbrochen. «Ich habe wahrscheinlich das ganze Jahr nie so viele Anrufe wie heute.»

Den Frust wollen sie in die Arbeit stecken

Ein Alternativdatum für die Brugger Fasnacht ist kein Thema, antwortet Steinhauer auf die entsprechende Frage. Einerseits könne die Unsicherheit wegen des Corona-Virus längere Zeit bestehen bleiben, andererseits wäre ein Umzug ein paar Wochen später nicht mehr das Gleiche. «Zudem ist uns die Lust im Moment ziemlich vergangen. Freude kommt so keine auf», stellt Steinhauer fest. «Wir müssen das Ganze erst einmal setzen lassen, aufräumen, den Frust in die Arbeit stecken. Dann sind die Gedanken vielleicht auch wieder frei, um den Blick in die Zukunft zu richten.» Allen Personen, die vom Corona-Virus betroffen sind, wünscht Steinhauer gute Besserung und gute Gesundheit.

Gestrichen sind übrigens weiter der Fasnachtsausklang in der Värslischmitte im Brugger Salzhaus vom Sonntag sowie der Fasnachtsumzug in Riniken vom 8. März. Auch die Gemeinde Windisch teilt am Freitagmittag mit, dass aufgrund der aktuellsten Empfehlungen von Bund und Kanton im Zusammenhang mit dem Corona-Virus der Kinderfasnachtsumzug Windisch sowie alle weiteren geplanten Fasnachtsfestivitäten an diesem Wochenende in Windisch abgesagt werden. Darunter fiel das Guggen-Open-Air auf dem Campusplatz am Freitag.