«Das wird höchstens 60 Minuten dauern», sagte eine Besucherin. Doch es kam alles anders: Die Generalversammlung des Altersheimvereins Eigenamt, an der 43 Mitglieder teilnahmen, beanspruchte zwei Stunden.

Zusammengekommen waren die Mitglieder, weil sie über die Erweiterung der geschlossenen Demenzabteilung («Geschütztes Wohnen») im ersten Stock des Altersheims zu befinden hatten. Dort leben 16 demenzkranke Bewohner in 14 Zimmern ohne Auslauf. Das ist für Demenzkranke zu wenig, denn diese haben laut dem Arzt Andreas Häfeli «einen starken Bewegungsdrang». Aber weder der 52 Meter lange Korridor noch der kleine Aufenthaltsraum in der Demenzabteilung bieten ausreichend Platz für Bewegung oder Spaziergänge. Solche müssen heute woanders erfolgen und sind lediglich in Begleitung von Betreuenden möglich.

Die Arbeitsgruppe Wohnraumbeschaffung befasste sich seit einiger Zeit mit einer Erweiterung – auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung. Kantonale Statistiken zeigen nämlich, dass die Zahl demenzkranker Menschen stetig zunimmt. Es braucht also baldige Anpassungen an die bestehende Infrastruktur.

Wintergarten mit Rundlauf

Das Wettinger Büro Thalmann Steger Architekten arbeitete ein Vorprojekt aus. Dabei hatte es Vorgaben des Altersheimvereins zu berücksichtigen: Bessere Orientierungsmöglichkeiten, Schaffung von Bewegungsraum, Aufenthaltsräume für die Bewohner sowie neue Bodenbeläge. Die drei in vier Stufen gegliederten Varianten stellte Projektleiter Alain Hoeffleur vor.

Die erste (Minimal-)Variante sieht für die erste Stufe Folgendes vor: Eine neue Beleuchtung, neue Bodenbeläge und neue Wandoberflächen sowie die Erhöhung des bisherigen Geländers aus Sicherheitsgründen. Die Variante 2 sieht einen Rundlauf vor, der durch zwei aufgegebene Zimmer vom Gang auf den bestehenden (neu zu verglasenden) Balkon führt. Allerdings müsste bei dieser Variante die Fassade aus Brandschutzgründen erneuert werden, was sich in hohen Kosten niederschlägt.

Variante 3 will das Dach über der Küche begehbar machen. Hier soll ein 100 bis 120 Quadratmeter grosser Wintergarten mit Rundlauf angelegt werden, der – da beheizbar – das ganze Jahr zu benützen ist. Bei Spaziergängen wären die Bewohner der Demenzabteilung somit nicht länger auf Betreuende angewiesen. Die Baukosten (ohne Betriebskosten) schlagen für Variante 1 mit 325000 Franken; für Variante 2 mit 1,073 Millionen Franken und für Variante 3 mit 900700 Franken zu Buche. Finanziert werden soll die Erweiterung der Demenzabteilung aus dem Vereinsvermögen und durch Bankkredite – die Trägergemeinden sind nicht kostenpflichtig.

Ja zu Variante 3

Welcher Variante würden die Mitglieder den Vorzug geben? Bevor Vorstandspräsident Sven Egger zur Abstimmung schreiten konnte, stellte der Scherzer Gemeindeammann Hans Vogel im Auftrag der Trägergemeinden einen Ordnungsantrag (siehe Stichwort). Das Projekt Umbau sei zurückzuweisen und vom Vorstand zu überarbeiten: zuerst müsse eine umfassende Diskussion erfolgen. Es brauche zwingend einen formellen Antrag an die Trägergemeinden: «Darauf haben wir gewartet, doch er ist nie gekommen.»

Egger konterte: Der Vorstand habe immer wieder informiert, «aber wir haben nie ein Zeichen der Trägergemeinden bekommen, dass diese mit uns nicht einverstanden sind». Vogels Ordnungsantrag wurde mit 36 Neinstimmen (bei 4 Jastimmen und 3 Enthaltungen) abgelehnt; die Variante 3 wurde mit 35 Jastimmen angenommen (4 Neinstimmen, 4 Enthaltungen). Am Ende wurde ein Ordnungsantrag von Andreas Häfeli angenommen: An die Trägergemeinden soll ein formeller Antrag gestellt werden.