Zwischen der Aufeldstrasse und der Militärstrasse in Brugg – gleich bei der Vogelsangbrücke – gedeiht zurzeit Reis. Die 12 000 Quadratmeter grosse Fläche ist ein Nassreis-Forschungsprojekt des Villiger Gemüsebauers Max Schwarz AG und von Agroscope, Kompetenzzentrum des Bunds für landwirtschaftliche Forschung. Beteiligt sind auch die IG Nassreis und die Berner Fachhochschule.

Agroscope betreut nun zum dritten Mal in Folge ein solches Projekt. Das erste Mal wurde in Grenchen SO Nassreis angebaut, 2018 in Schwadernau BE bei Hans Mühlheim. Und nun zum ersten Mal überhaupt im Kanton Aargau. Das Feld in Brugg ist zudem die bis anhin grösste Fläche.

Hintergrund: Der Klimawandel konfrontiert die Landwirte mit erschwerten Produktionsbedingungen. «In Zukunft ist vermehrt mit Starkniederschlägen und Trockenperioden zu rechnen», heisst es in einem Bericht von Agroscope.

«Mal hat es zu viel, mal zu wenig Wasser, und beides führt zu Ertragsausfällen.» Der Nassanbau von Reis sei für Landwirte in geeignetem Gebiet eine vielversprechende Alternative, sagt Thomas Walter von Agroscope.

Die Fläche vor Ort wird auf natürliche Weise immer wieder überflutet.

  

Nassreisanbau fördert die Biodiversität

Geeignet für den Nassreisanbau ist auch die eingangs erwähnte Fläche in Brugg. Diese wird auf natürliche Weise hin und wieder überschwemmt. Ein weiterer Vorteil: Der Boden ist an dieser Stelle sehr dicht, die sogenannte Lehmlinse ist wenig durchlässig – optimal für den Reisanbau. «Dichter Boden ist massgebend für den Reisanbau», betont Thomas Walter. Zudem ist der Standort gut gelegen, kann mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen erreicht werden.

Das Forschungsprojekt soll aber nicht nur aufzeigen, wie wirtschaftlich der Reisanbau als Nischenprodukt für Schweizer Bauern sein kann, sondern auch die Biodiversität fördern. «Die temporäre Flutung hat das Potenzial zur Verbesserung der Treibhausgasbilanz von Böden und es können sich stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten ansiedeln», heisst es in einem Bericht. Die Grundidee: Biodiversität verbinden mit ökonomischer Produktion.

Das überschwemmte Gebiet ist interessant für Tierarten, die es sonst in unserer Region nicht mehr gibt.

    

Tatsächlich konnten schon verschiedene, auf Feuchtflächen angewiesene Tiere auf dem Reisfeld beobachtet werden: Flussuferläufer, Kiebitze, Grünfrösche und ihre Kaulquappen sowie verschiedene Libellenarten, darunter zum Beispiel die Kleine Königslibelle. Auch Bachstelzen wurden vermehrt gesichtet. An der überfluteten Fläche erfreuten sich ebenfalls zwei Dutzend Stockenten, die freudig die Schlammröhrenwürmer und Zuckmückenlarven aus dem Boden grübelten – und dabei das Reisfeld ziemlich ramponierten und den Setzlingen zusetzten.

Aus diesem Grund wurde vorübergehend eine Sonaranlage installiert, welche die Enten vom Reisfeld fernhalten sollte. Das habe gut funktioniert, sagt Walter. Zu rechnen sei auch mit mehr Stechmücken, allerdings werden diese von den Libellen und ihren Larven sogleich vertilgt.

Das Projekt sei bis jetzt vielversprechend, sagt Thomas Walter. «Es gibt aber viele offene Fragen. Zudem passieren in der Pionierphase noch Fehler, das darf aber durchaus sein.» Er ist überzeugt, dass das Potenzial für Nassanbau von Reis in der Schweiz gross ist. Am Anfang dürfte Reis aus einheimischer Produktion trotzdem noch ein Nischenprodukt sein.

Hier konnten schon verschiedene, auf Feuchtflächen angewiesene Tiere auf dem Reisfeld beobachtet werden: Flussuferläufer, Kiebitze, Grünfrösche und ihre Kaulquappen sowie verschiedene Libellenarten, darunter zum Beispiel die Kleine Königslibelle.

    

Wer jetzt moniert, dass Nassanbau von Reis viel Wasser benötigt, dem kann gesagt werden: «Andere Kulturen brauchen auch sehr viel Wasser», erklärt Walter. «Zudem wird Nassreis an Orten angepflanzt, wo Wasser bereits vorhanden ist. Es ist weiter auch nicht schlimm, kleine Mengen an Wasser beispielsweise aus der Aare zu nehmen.» Die Rückmeldungen auf das Nassreisprojekt in Brugg seien gut, sagt Walter. «Die Leute haben Freude, sind begeistert und stellen interessiert Fragen.»

Ein Risottoreis, der auch im Tessin angebaut wird

Der geerntete Reis soll über den Gastronomiebereich Schwarz Primeurs en gros verkauft werden. «Zuerst möchten wir aber genügend ernten», sagt Toni Suter, Bereichsleiter Gemüseanbau bei der Max Schwarz AG. «Im Detailhandel suchen wir dann nach passenden Möglichkeiten.» Beim Reis in Brugg handelt es sich um die Sorte Loto, ein Risottoreis aus Norditalien, der auch im Tessin angebaut wird. Toni Suter hofft, dass pro Hektare 5000 kg geerntet werden können. Heruntergerechnet entspricht dies einem halben Kilogramm Reis pro Quadratmeter.

Obwohl die üblichen Unkräuter das geflutete Feld nicht lieben und entsprechend keine Mühe bereiten, ist die Pflege des Felds dennoch aufwendig. «Die Hühnerhirse scheint das Geflutete zu mögen und wird nun aufwendig von Hand ausgerissen», sagt Toni Suter.

Für die Max Schwarz AG ist der Anbau von Reis eine Alternative zu bekanntem Getreide. Denn der Reis gedeihe auf weniger geeigneten oder sogar nassen Böden und erfülle gleichzeitig viele Aspekte der Biodiversität. Das Feld in Brugg ist nicht der erste Reistest der Max Schwarz AG. «Wir testen im Aargau bereits seit 2011 Reis», erklärt Toni Suter. «Nachdem das Trockenverfahren mit den bekannten Sorten keine stabilen Ergebnisse brachte, prüfen wir nun auch das Nassverfahren.»