Birr
Dem Kleiderkarussell fehlt das Geld für die Miete – mit Crowdfunding wollen sie das ändern

Vor einem Jahr ist das Kleiderkarussell – die Kleiderbörse für Bedürftige – umgezogen an die Wydestrasse 14. Mit einem Crowdfunding wollen die Verantwortlichen die Mietkosten decken.

Janine Müller
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Vor einem Jahr feierte das Kleiderkarussell an der Wydestrasse 14 in Birr den Einzug in die neuen Räumlichkeiten.

Vor einem Jahr feierte das Kleiderkarussell an der Wydestrasse 14 in Birr den Einzug in die neuen Räumlichkeiten.

Irene Hung-König

Seit Oktober 2015 gibt es den Treffpunkt Kleiderkarussell, die Kleiderbörse für Menschen in finanzieller Notlage. Initiiert wurde er von Sozialdiakonin Daniela Hausherr von der Reformierten Kirchgemeinde Birr. Vor einem Jahr ist das Kleiderkarussell vom Pfrundhaus in Lupfig an die Wydestrasse 14 in Birr gezogen.

Das erste Jahr ist gut angelaufen, die Kundenzahlen stiegen. Zurzeit sind 156 Bezugskarten im Umlauf, eine Karte kann aber von mehreren Personen benutzt werden. Insgesamt dürften rund 400 Personen vom Angebot profitieren. «Wir hatten mit dem Umzug zu Beginn einen grossen Aufwand, bis alles mal ideal angelaufen war», sagt Hausherr. «Armut ist mit Scham verbunden und die Leute brauchen Mut, bei uns vorbeizukommen.» Ebenso brauche es seine Zeit, bis die unterschiedlichen Ämter das Angebot wahrnehmen und die Flyer weitergeben. «Ich habe in der weiteren Umgebung viele angeschrieben, jedoch haben wir das Gefühl, dass die Zurückhaltung uns gegenüber noch gross ist», meint Hausherr.

Hohe Kosten nach dem Umzug

Von 2015 bis 2017 hat Fondia (Stiftung zur Förderung der Gemeindediakonie im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund) eine Anstossfinanzierung für das Kleiderkarussell gesprochen.

Als der Treffpunkt 2016 überraschend zu neuen Räumen kam, seien grosse Kosten auf das Projekt zugekommen, sagt Hausherr. Mit der Unterstützung der reformierten Kirche Birr und des katholischen Kirchenzentrums Paulus Birrfeld konnten die fehlenden Einnahmen im ersten Jahr gedeckt werden. «Die Raiffeisenbank Aare-Reuss sponserte uns zudem während eines halben Jahres den Lagerraum», ergänzt die Sozialdiakonin.

Das Problem: «Trotz unser stetig steigenden Kundenzahlen können wir mit den Einnahmen die Miete noch nicht vollständig erwirtschaften», sagt Hausherr. «Unsere Kundschaft kann für einen Franken Hosen, Pullover und für fünf Franken Jacken und Schuhe einkaufen. Wir wollen bewusst nur einen symbolischen Betrag verlangen. Daher braucht es einfach eine etwas grössere Kundschaft.» Um die Mietkosten von 600 Franken monatlich decken zu können, hat Hausherr darum ein Crowdfunding auf lokalhelden.ch lanciert. Mit dem gesammelten Geld sollen zudem weitere Anschaffungen getätigt werden. So fehlen zurzeit noch ein Schaukasten, eine Tafel am Haus, ein Staubsauger und ein Laptop, um die Adressen vor Ort digital verwalten zu können.

Sollte das Crowdfunding nicht erfolgreich sein, würden die Verantwortlichen sicher keine Anschaffungen tätigen. «Wir hoffen, dass wir die Miete im 2018 mit steigenden Kundenzahlen bezahlen können. Eine Reserve hilft uns, dass wir nicht beim momentanen Defizit gleich wieder ausziehen müssen», sagt Hausherr. Mit einem Stand am Adventsmarkt in Lupfig am 26. November macht das Team des Kleiderkarussells ebenfalls auf das Anliegen aufmerksam. Gespendet werden kann auf www.lokalhelden.ch/kleiderkarussell.