Brugg

Dem Altstadt-Lädeli «Zum Goldenen Zauber» droht das Aus

Loredana Caponata vor ihrem Laden "Zum Goldenen Zauber".

Loredana Caponata vor ihrem Laden "Zum Goldenen Zauber".

Der Ausverkauf ist die letzte Chance, um das bekannte Vintage-Ladenlokal in der Altstadt zu retten - oder vielleicht auch der Anfang vom Ende. Der pastellfarbene Traum von Loredana Caponatas (37) scheint geplatzt.

Loredana Caponata hat sich vor fünf Jahren mit dem «Goldenen Zauber» einen Traum in mint und rosa verwirklicht. In ihrem Laden in der Altstadt fühlt man sich zurückversetzt in die 50er-Jahre. Sie verkauft Möbel, Deko, Küchenzubehör und serviert Kaffee und Kuchen, liebevoll angerichtet auf einem Tablett. Vintage und Pin-Up-Kleider – das ist die Welt der 37-jährigen Italienerin. Und es ist eine Welt, die unterzugehen droht. Denn: «Ich kann die Rechnungen nicht mehr bezahlen», gibt Loredana Caponata zu.

Drei Wochen nach Geburt wieder im Laden
Etwa seit September laufe der Laden nicht mehr richtig. «Es gibt Tage, da schliesse ich die Kasse mit 4 Franken 80 ab», erklärt sie. «Und so kann es nicht weitergehen.» Damit sie die offenen Rechnungen bezahlen kann, läuft derzeit der Ausverkauf im «Goldenen Zauber». 20 Prozent Rabatt gibt es auf alles. Für Loredana Caponata ist das die letzte Chance, um ihr Lädeli zu retten – oder vielleicht auch der Anfang vom Ende. «Wenn der Ausverkauf gut läuft und ich am Ende merke, dass es finanziell drin liegt, dann wird der Laden auf jeden Fall offen bleiben», sagt die frischgebackene Mutter.

Im Januar ist Töchterchen Matilda zur Welt gekommen. Drei Wochen später stand Loredana Caponata bereits wieder im Laden, weil sie es sich nicht leisten konnte, länger von der Arbeit fernzubleiben. Sie betont aber: «Die wirtschaftliche Situation hat nichts mit der Geburt meiner Tochter zu tun.» Dankbar ist sie all den Kunden, die ihr auch in dieser schweren Zeit die Stange halten und sie unterstützen. Sie erzählt vom kleinen Alban, einem 10-Jährigen, der regelmässig zu ihr in den Laden kommt. Oder von 90-jährigen Männern und Frauen, die gerne zu ihr ins Kafi kommen.


Unterstützung von Stammkunden
Gerade jetzt, in dieser schwierigen Zeit, kann Loredana Caponata auf ihre Stammkunden zählen. Als am Freitag in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Brugg wenn...» bekannt wurde, wie schlecht es um den «Goldenen Zauber» steht, strömten die Leute in das kleine Lokal um Kaffee zu trinken. Das sei einerseits schön, sagt Loredana Caponata. Andererseits mache es sie auch traurig, dass ein Lädeli immer zuerst vor dem Aus stehen muss, damit die Leute dann doch noch kommen. Jetzt, wo alles 20 Prozent günstiger ist, kommen die Leute gerne. «Es muss immer zuerst etwas sterben, damit die Menschen merken, was ihnen fehlt», sagt die Ladenbesitzerin.
Im alten Kinderwagen beginnt die kleine Tochter leise zu weinen. Zwischen dem Kaffee Servieren und Bedienen füttert Loredana Caponata ihr Kind. Vom Schaukelstuhl aus erzählt sie, was sie sich für die Brugger Altstadt und die Lädeli wünscht, dass diese überleben können. «Es muss endlich etwas gemacht werden, damit diese Altstadt wieder aufwacht», enerviert sie sich. «Es muss möglich sein, dass man draussen Bistrotische aufstellen kann. Das bringt Leben in die Stadt.»

Sie glaubt an das Potenzial der Brugger Altstadt

Sie wünsche sich auch, dass es Vorschriften gibt, wie die Altstadthäuser gepflegt sei müssen. «Wenn alles schön aussieht und gepflegt daher kommt, dann flanieren die Leute auch gerne durch die Strassen», ist sie überzeugt. Dann sagt sie: «Die Touristen kommen doch in die Schweiz wegen der Berge und wegen unserer schönen Altstädte.» Sie betont aber immer wieder, dass sie an das Potenzial der Brugger Altstadt glaubt.
Sowieso hat sie die Freude und Leidenschaft dafür, was sie macht, nicht verloren. «Irgendwie geht es weiter», sagt sie. Nur eines kommt für sie nicht in Frage: ein Onlineshop. «Ich habe mir schon früher darüber Gedanken gemacht», sagt sie. «Aber ich habe mich dagegen entschieden, weil ich gerne den Kontakt zu meinen Kunden pflege.»

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