De Roesch und de Roche – das klingt nach zwei Brüdern, die eingefleischte Liedermacher sind. Das erste stimmt nicht, das zweite hingegen schon. Ivo E. Roesch und Simon de Roche treten seit vier Jahren als «derundder» mit Mundartliedern auf, die sie singen, erzählen und spielen.

Ivo E. Roesch, noch etwas atemlos vom Sprint ins Windischer Café Mikado, das Simon de Roche 2015 seit zehn Jahren geleitet haben wird, erzählt: «Unsere Zusammenarbeit begann ziemlich lustig.» Roesch rief de Roche vor einigen Jahren an: «Es geht um einen Auftritt in sechs Wochen. Machst du mit?» «Ja.»

Die beiden hatten noch nie zusammengespielt; zum Auftritt konnten sie nur zweimal proben, doch es klappte – und von da an kam eine Geschichte ins Rollen, die mit Sicherheit noch viele Fortsetzungen haben wird. Tatsache ist, dass die jungen, sympathischen Männer in manch anderen, völlig unterschiedlichen Musikformationen mitwirken – nicht verwunderlich, dass sie also die einschlägige Szene bestens kennen.

Das Zusammenspannen im Duo ist für Roesch und de Roche jedoch etwas Besonderes, das sie vertiefen wollen. Beide haben ihre beruflichen Pensen reduziert, um sich verstärkt der Musik zu widmen. Beinahe in letzter Minute hat Simon de Roche entdeckt, dass das Odeon eine Offene Bühne veranstaltet. Flugs schickte er die Anmeldung ab – nun werden die beiden erstmals dabei sein.

«Du, wir sind im letzten Showblock dran», wendet sich de Roche an Roesch. «Ist das nicht etwas spät? Jetzt werde ich langsam nervös.» Falls «derundder» gewinnt, lockt ein Auftritt mit Gage im Odeon; vorausgesetzt, das Duo kommt beim Publikum und bei der Jury an.

Ach ja, die Auftritte

De Roesch und de Roche seufzen leise auf. An Auftritten mangelt es ihnen – etwa im privaten Rahmen – zwar nicht, aber solche auf renommierten Kleinkunst- oder Kellerbühnen haben (noch) Seltenheitswert. «Es ist sehr, sehr schwierig da reinzukommen», betont de Roche, der von sich sagt: «Ich bin ein strukturierter Mensch» und – mit Blick auf Roesch – «er ist eher ein chaotischer.»

Reinkommen ist das Stichwort. Kann sich das Duo am Freitag im Rahmen der Offenen Bühne präsentieren, begegnet es Menschen, die möglicherweise entscheidend sein können für nachmalige Engagements.

Dass die beiden eine Viertelstunde Zeit haben, Ausschnitte aus ihrem Programm

«Ohrgrächti Lieder» zu präsentieren, finden Roesch und de Roche prima. «Da können wir einen Bogen schlagen; können uns auf das Publikum einlassen und dieses auf uns.» Sprechen die, übrigens leidenschaftlich gerne kochenden Liedermacher über ihr Programm, wird klar: Sie nehmen es Ernst. So sehr, dass sie das, was sie erarbeitet haben, immer wieder, gestern etwa, überprüfen lassen – von Roland Körner, ihrem «Guru», wie sie lachend anmerken. «Er ist Regisseur, sprudelt vor Ideen, ist unvoreingenommen und sieht sogleich, was rüberkommt und was nicht», sagt Simon de Roche und Ivo E. Roesch doppelt nach: «Die Auseinandersetzung mit unserem Programm ist uns ganz wichtig.»

Die Offene Bühne im Brugger Odeon mit 12 Mitwirkenden aus Kleinkunst, Musik, Literatur/Spoken Word; Freitag, 6. Juni, ab 18.30 Uhr; Eintritt frei.