Region Brugg
Datensicherheit, Überwachung und Privatsphäre werfen Fragen auf

Dürfen am Arbeitsplatz private E-Mails gelesen und das Verhalten überwacht werden? Am Wirtschaftsapéro mit Gewerbetreibendem wurden diese brisanten Themen von Rechtsanwälten, der Datenschutzbeauftragten und einem Bankfachmann besprochen

Edgar Zimmermann
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Rolf Wolfensberger von der NAB.

Rolf Wolfensberger von der NAB.

Edgar Zimmermann

Rund 120 Gewerbetreibende folgten der Einladung der NAB und der AIHK (Aarg. Industrie- und Handelskammer Region Brugg) ins Odeon. AIHK-Präsident Andreas Heinemann zeigte bei der Begrüssung am Beispiel Google auf, dass die neuen Technologien Nutzen bringen, aber auch Gefahren bergen. Auch privat wird man in seinem Verhalten immer stärker erfasst und ausgewertet, ohne dass Schutz, Kontrolle und Gesetze bestehen.

«Privatsphäre – ein überholter Wert» hiess auf dem Einladungsschreiben der Titel des ersten Vortrages, gehalten von Gunhilt Kersten, der Beauftragten für Öffentlichkeit und Datenschutz des Kantons. Das Fragezeichen hinter diesem Titel sei verloren gegangen, korrigierte sie einleitend. Denn die Privatsphäre sollte auch weiterhin möglichst umfassend gewährleistet sein. Datenbearbeitungen und -bekanntgaben müssten auf einer Rechtsgrundlage beruhen, zur Aufgabenerfüllung erforderlich sein oder mit Einwilligung der Betroffenen erfolgen. Bei der Videoüberwachung des öffentlichen Raums bestehe eine Bewilligungspflicht und ein Reglement. Erlaubt ist die Massnahme zur Verhinderung oder Ahndung von Delikten mit gewisser Schwere.

Rechtsanwältin Sarah Brunner.

Rechtsanwältin Sarah Brunner.

Edgar Zimmermann

Kontrolle zulässig?

Mit den Fragen zur Überwachung und Kontrolle am Arbeitsplatz befasste sich Sarah Brunner vom Rechtsanwalt-Büro Miotti_Humbel_Kersten, welches den Anlass mitorganisiert hat. Wohl ist die Kontrolle von Arbeitsergebnis, Einhaltung von Weisungen und Erfassung der Arbeitszeit zulässig.

Das Fragezeichen schränkt aber auch hier ein: Die Verhaltensüberwachung am Arbeitsplatz ist verboten. Die Internet- und E-Mail-Überwachung ist nur bei missbräuchlicher Nutzung und diesbezüglich konkreten Anhaltspunkten sowie bei Pflichtverletzungen erlaubt. Private E-Mails dürfen nicht gelesen werden.

Rechtsanwalt Luc Humbel.

Rechtsanwalt Luc Humbel.

Edgar Zimmermann

Rechtsanwalt Luc Humbel ging auf die Bearbeitung von Personendaten im Arbeitsverhältnis ein, so auf die rechtlichen Grundlagen, den Schutz der Persönlichkeit, auf Bewerbungsverfahren, Referenzauskünfte, Tests, Personaldossiers und Verletzung von Datenschutzvorschriften.

Und Raphael Borer stellte das NAB-Angebot E-Safe vor, welches den Schutz und die langfristige Aufbewahrung von wichtigen elektronischen Daten und Passwörtern, aber auch den einfachen Web-Zugriff ermöglicht. Rolf Wolfensberger, Leiter Firmenkunden Brugg, konnte im Schlusswort bereits auf den nächstjährigen Wirtschaftsapéro hinweisen, terminiert am 28. April 2015.