Engagierte Diskussion um das Bossarthaus und die Bossartschüür in Windisch: Noch ist die altehrwürdige Liegenschaft an der Dorfstrasse nicht verkauft. Der Einwohnerrat hat das Geschäft an seiner Sitzung am Mittwochabend zurückgewiesen.

Bis Ende Jahr, lautet das Ziel, soll eine Trägerschaft gebildet werden aus interessierten Privatpersonen oder auch Ortsbürgern. Diese sichern mit Eigenleistungen und finanziellen Mitteln den Betrieb und den Unterhalt. Über den Verkauf wird der Einwohnerrat dann voraussichtlich diesen Herbst entscheiden.

Gemeindeammann Heidi Ammon und Gemeinderat Max Gasser wiesen auf den Sanierungsbedarf hin. In Anbetracht der angespannten finanziellen Lage der Gemeinde sei der Verkauf der Liegenschaft – zum Preis von mindestens 2,2 Mio. Franken – eine Möglichkeit, um die Erfolgsrechnung zu entlasten und die Verschuldungssituation zu verbessern. Für die kulturellen Anlässe, die der Kulturkreis in der Bossartschüür durchführt, gebe es alternative Standorte.

Nicht überzeugt von Botschaft

Reto Candinas (SP) stellte den Antrag auf Nichteintreten. Neben den finanziellen Aspekten seien auch die kulturellen und ideellen Fragen von Bedeutung. Kultur und Kulturförderung seien ein ganz wichtiges Standbein, stellte er fest und erwähnte das spezielle Ambiente.

Es spreche nichts für einen Verkauf, denn ein solcher ändere nichts an den grundsätzlichen, strukturellen Problemen der Gemeinde. Die Botschaft des Gemeinderats sei auf einer Drohkulisse aufgebaut und lasse viele Punkte offen.

Seine Parteikollegin Mirjam Aebischer äusserte sich erstaunt, dass kein Geld vorhanden sein soll für anstehende Investitionen, sei doch über Jahre der Mietzins eingegangen. Überdies, fügte sie an, gebe die Gemeinde mehr aus für den Campussaal.

«Die Kultur in der Bossartschüür ist genauso wichtig.» Philipp Umbricht (FDP) plädierte indes dafür, über das Geschäft zu diskutieren und einen Entscheid zu fällen. «Sonst hängen wir weiter in der Luft.» Knapp – mit 19 zu 17 Stimmen – beschloss der Einwohnerrat, auf das Geschäft einzutreten.

Barbara Scheidegger (CVP) stellte einen Rückweisungsantrag. Die Liegenschaft habe einen grossen Wert und sei ein Kulturgut. Es gelte, Ideen zu suchen, was machbar sei.

Gegen einen Schnellschuss

Auch Philipp Umbricht sprach sich für eine Rückweisung aus. Er sei zwar für einen Verkauf, denn sowohl der Wohnteil als auch der Kulturteil müssten unterhalten werden; dieses Geld habe die Gemeinde nicht und werde es wohl auch in Zukunft nicht haben.

Er sei allerdings nicht überzeugt von der Botschaft des Gemeinderats. Die Vorlage müsse sauber ausgearbeitet und durchgerechnet werden, «damit die Vorgaben klar sind».

Diesen Ausführungen schloss sich Marco Valetti (SVP) an. «Wir unterstützen den Gesamtverkauf.» Ob dieser aber ein halbes Jahr aufgeschoben werde, spiele keine Rolle. «Es ist nichts verloren.»

Zweifel hatte Valetti, ob die Suche nach einer Trägerschaft erfolgreich verlaufen wird. Diese Aussage bestritt Algimantas Gegeckas (CVP) nicht. Allerdings: «Wenn wir es nicht versuchen, dann werden wir es nie wissen.» Für ihn ging es um die Grundsatz- respektive Gretchenfrage: «Windisch, wie hältst du es mit der Kultur?»

Der Gemeinderat zog sich zu einer rund zwanzigminütigen Beratung zurück und präsentierte einen neuen Antrag: ein Verkauf an eine gemeinnützige Trägerschaft mit einer Frist bis Ende 2017. Unterstellt werde der Entscheid dem obligatorischen Referendum.

Dieser Vorschlag führte in der Folge zu einigen Fragen und Unsicherheiten. Vertreter von links und rechts warnten vor einem Schnellschuss. Der Rückweisungsantrag wurde schliesslich mit 31 zu 5 Stimmen angenommen.