Wer die Region nicht kennt, assoziiert mit dem Begriff «Wasserschloss» ein Schloss im Wasser, ein Märchen oder sogar ein Krokodil. Diese Erfahrung machte Tanja Sibold im Rahmen einer Umfrage für ihre Diplomarbeit «Faszination Wasserschloss». Sibold liess sich an der Internationalen Schule für Touristik (IST) in Zürich zur eidg. dipl. Tourismusfachfrau HF ausbilden.

Zur Themenwahl kam sie eher per Zufall. «Tourismus ist ein breites Gebiet. Über das Angebot der Region Brugg wusste ich hingegen sehr wenig», erzählt die 23-Jährige, die in Rüfenach aufgewachsen ist. Privat liegt ihr das Wasserschloss seit vier Monaten sozusagen zu Füssen: Sibold lebt nämlich in einer modernen Wohnung auf dem Campus-Dach. «Das war ein relativ spontaner Entscheid. Ich könnte mir aber keinen besseren Wohnort vorstellen. Alles, was ich brauche, liegt hier so nahe.» In der Zwischenzeit hat sie auch bei einem Reiseanbieter eine Stelle im Flightcenter gefunden.

Einzige Aargauerin in der Klasse

An der IST in Zürich war Sibold die einzige Aargauerin in der Klasse. Eine Umfrage unter den 24 Mitstudenten zeigte, dass die Ausflugsziele in der Region Wasserschloss kaum bekannt sind. Per Online-Umfrage wollte Sibold 200 Personen zum touristischen Angebot befragen. Dieses Ziel war aber etwas hochgesteckt. Trotzdem: 157 Personen aus der Deutschschweiz beantworteten ihre Fragen.

Sie gliederte die Angebote in folgende Bereiche: Römische Geschichte, Habsburger Geschichte, Brugger Altstadt, Bahnpark und Baumschulbahn, Natur und Themenwege sowie Thermalbad Aquarena. «Das Interesse an unserer Region ist durchaus vorhanden. 77 Prozent der Befragten gaben an, dass sie gerne eines oder mehrere der Ausflugsziele besuchen würden», betont Sibold. «Die Bereiche Natur und Bahnpark sind am wenigsten bekannt. Das Aquarena hingegen kennen viele.»

In einem nächsten Schritt erstellte die Tourismusfachfrau eine Situationsanalyse von der Region Brugg als Ganzes. Mit dem Wasserschloss verfüge die Region über ein einmaliges Naturspektakel. Die gute Anbindung ans Verkehrsnetz ist laut Sibold eine weitere Stärke. Als Chance sieht sie, dass der Tagestourismus im Trend liegt.

Grosses Verbesserungspotenzial ortet Sibold vor allem bei der Vermarktung der Region als Ganzes. Es gehe darum, attraktive Packages anzubieten – zum Beispiel Kombinationen von Wanderungen mit einem Gastronomie-Angebot. «Wenn die Gäste nur zum Wandern kommen, wird noch keine Wertschöpfung generiert. Die Leistungsträger sollten besser zusammenarbeiten», betont Sibold.

Online-Marketing am wichtigsten

Die Erkenntnisse ihrer Diplomarbeit hat sie dem Verein Tourismus Region Brugg zur Verfügung gestellt (az vom 22. 1.) mit dem Wissen, dass es – mit knappen Ressourcen – kein einfaches Unterfangen ist, die Region für Touristen attraktiver zu machen.

Events wie der Nationale Wandertag im Jahr 2012 oder der slowUp werten die Gegend enorm auf, ist die 23-Jährige überzeugt. Und zur neuen Website der Region Brugg sagt sie: «Das Online-Marketing ist etwas vom wichtigsten. Es ist kostengünstig und für jedermann zugänglich.»

Ein Seilpark für junge Leute

Mit einem Seilpark, einem Ausbau von Flussfahrten-Angeboten und einer attraktiven Bike-Strecke würden vermutlich vermehrt junge Leute ihre Freizeit in der Region verbringen, so Sibold und denkt an den Campus. «Viele Studierende haben keine Ahnung, was die Region sonst noch bietet. Aus ihrem Alltag kennen sie nur die Schule, den Bahnhof und vielleicht noch die Migros.» Bei Sibold ist das anders: Sie ist hier aufgewachsen, absolvierte ihre KV-Lehre bei der Verwaltung der Stadt Brugg, besuchte die Berufsschule im Steiger und sammelte erste Berufserfahrung in der Region.

«Mit dem Wechsel in die Tourismusbranche habe ich das getan, was mich schon immer begeisterte», schwärmt die junge Frau. Im zweiten Jahr ihrer dreijährigen Ausbildung absolvierte sie ein Praktikum am Flughafen in Zürich. Danach arbeitete sie dort neben dem Studium im Stundenlohn. Nicht selten drückte sie nach der Frühschicht, die von 4.15 bis 7 Uhr dauerte, die Schulbank in Zürich. Jetzt freut sie sich über normale Arbeitszeiten.

Wer die quirlige, junge Frau trifft, nimmt ihr gerne ab, dass sie noch viele Ideen hat: «Vielleicht absolviere ich noch die Polizeischule oder so ähnlich. Wer weiss, was die Zukunft bringt.»