Schreinerkunst

Das Villigerbuffet kehrt heim: Das Prachtstück kommt vom Stadtmuseum Brugg ins Spital Leuggern

Weil das Brugger Stadtmuseum umgebaut wird, wird das Möbel, das um das Jahr 1750 datiert, nach Leuggern gebracht. Von dort kommt es ursprünglich.

Gilbert Hügli, Leiter Technischer Dienst im Spital Leuggern, traut seinen Augen nicht, als er am Dienstag nach dem Mittag das Erdgeschoss des Stadtmuseums Brugg betritt. «Das ist ja ganz gewaltig», sagt er. «Ein Prachtstück! Wie das wohl neu ausgesehen hat?»

Neben ihm stehen Schreiner Josef Vögeli und ein Mitarbeiter. Das Trio ist aus dem Zurzibiet in die Prophetenstadt gekommen, um das übergrosse Möbel abzuholen, das die Brugger Ortsbürger dem Spital Leuggern schenken wegen des bevorstehenden Museumsumbaus.

Fast 57 Jahre lang stand das dreiteilige Holzbuffet im Ausstellungsraum links von der grossen Glasvitrine – also zwischen Kanonen, Gewehren und Truhen. Das sogenannte Villigerbuffet hatte Fräulein Sophie Schwarz vom Restaurant Hirschen in Villigen den Bruggern im September 1963 zur Eröffnung des Museums geschenkt.

Damals hatte man noch den ganzen Bezirk Brugg in der Sammlungskultur eingeschlossen, sagt Susanne Mangold von der Aarauer Firma Sauerländer–Mangold. Das bekannte Büro für Geschichte hat im Auftrag der Ortsbürgergemeinde Brugg die neue Dauerausstellung für das umgebaute Stadtmuseum projektiert sowie alle Angaben zur Sammlung auf den aktuellen Stand gebracht.

Derzeit kümmert sich Susanne Mangold um die Zwischenlagerung der Museumsschätze, bevor dann die Bauarbeiten losgehen.

Schreinerhandwerk von höchster Qualität

Zurück zum Villigerbuffet: Der Schrank, der aus der Zeit um das Jahr 1750 datiert, ist in einem erstaunlich guten Zustand. Schreiner Josef Vögeli fährt mit der rechten Hand über das Holz und sagt begeistert: «Das ist Schreinerhandwerk von höchster Qualität. So etwas kann heutzutage kaum noch einer herstellen.»

Türen und Seitenwände sind leicht gewölbt. Das oberste der drei Elemente ist innen bemalt. Es zeigt Sonne, Mond und Sterne. Das Möbel hat nur wenige Löcher und ist zuunterst leicht beschädigt.
Auffallend ist das freistehende Wappen zuoberst.

Dieses zeigt einen schwarzen Pflock (Lünse zum Wagenrad) mit Öse am unteren Ende, umgeben von einer schwarzen Kette mit acht Zacken und angehängtem Malteserkreuz. Dabei handelt es sich um das Wappen des letzten Komturs von Leuggern Ignaz Ringg von Baldenstein (1721–1807). Auf der Rückseite der Wappenkartusche befindet sich der Verso «Wappen der Familie Rink von Baldenstein».

Zuerst ein Zwischenhalt in der Kirche Leuggern

Ignaz Balthasar Willibald Ringg von Baldenstein war ungefähr 1750/60 Komtur in Leuggern, später Johanniterobermeister und Reichsfürst. Das Wappen gehört laut dem Faktenblatt des Stadtmuseums Brugg zum Rokoko-Eckkasten im Tanzboden des alten «Hirschen» und zeigt seine Herkunft von Leuggern an. Warum das Buffet in den «Hirschen» kam, ist nicht klar.

Das Villigerbuffet wird zuerst in der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Leuggern aufgestellt. Laut Brigitte Süess, Präsidentin der Kommission für das Stadtmuseum, freut sich Pfarrer Stefan Essig sehr auf das Buffet, denn in der Kirche Leuggern sind ähnliche Wandmalereien zu finden wie im Innern des Villigerbuffets. Sobald im Spital Leuggern die Bauarbeiten fertig sind, soll das prächtige Buffet dort schön zur Geltung gebracht werden.

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