Dieser aufgequollene Tierkadaver mit wenig Fellresten, der seit Anfang Woche beim Kraftwerk Villnachern zwischen Schwemmholz und Abfall im Wasser treibt, bietet keinen schönen Anblick. Es könnte ein toter Biber sein, möglicherweise ohne Kopf. Eine Frau aus dem Dorf, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, ist ziemlich aufgebracht. Das tote Tier befinde sich schon seit Tagen im Unterwasserkanal. Sie habe mit Kraftwerk-Mitarbeitern gesprochen und diese gebeten, den Kadaver aus dem Wasser zu holen. Die habe das leider nicht interessiert, erzählt die Frau. Dabei habe das doch auch mit Ethik zu tun, dass man die Natur nicht einfach verachte.

Warum reagiert die Kraftwerkbetreiberin Axpo nicht, wenn sie von Passanten auf tote Tiere aufmerksam gemacht wird? Mediensprecher Tobias Kistner sagt auf Nachfrage dieser Zeitung: «Die Axpo reagiert sehr wohl und versucht in einem solchen Fall, das tote Tier aus dem Wasser zu holen.» Anschliessend würden die Tiere zur Kadaverentsorgungsstelle Brugg gebracht.

Der Axpo-Sprecher hält fest, dass beim Kraftwerk Villnachern sehr selten tote Tiere gefunden werden, maximal dreimal pro Jahr. Dabei könne es sich um Biber handeln, aber auch um grössere Tiere wie Ziegen oder Rehe. Es liege in der Natur der Sache, dass tote Tiere in den Flüssen sind. «Durch automatisierte Rechenreinigungsmaschinen können die Kadaver nicht immer umgehend gesichtet werden. Darum kann es vorkommen, dass sie zunächst im Wasser verbleiben und erst mit zeitlicher Verzögerung herausgeholt werden», fährt Kistner fort. Aufgrund des Brückentags nach Auffahrt kann der Sprecher aktuell «keine gesicherten Angaben über den Verbleib des toten Tiers machen».

Doch nicht alle Tiere, die beim Kraftwerk Villnachern beobachtet werden, sind tot. Vor einiger Zeit hatte die Frau eine lebendige Wasserschildkröte entdeckt, die sich nicht aus eigenem Antrieb befreien konnte. Auch da habe die Axpo kein Verständnis gezeigt. «Das stimmt nicht», sagt der Axpo-Sprecher, «die Schildkröte wurde beim Absenkversuch im Herbst 2018 beim Wehr entdeckt und in einer spektakulären Aktion im Beisein des Kantons gerettet.»