Herbschtrose

Das Theatervirus macht vor dem Alter nicht Halt

Mit «Köbelis Sunneschyn» tourt die Seniorentheatergruppe Herbschtrose durch den Aargau.

Montagmorgen, 8.30 Uhr, katholischer Pfarreisaal Windisch. Die Schauspieler sind vollzählig anwesend und für die Hauptprobe von «Köbelis Sunneschyn» bereits in ihr Rollengewand geschlüpft.

Die Stimmung ist entspannt, einzig die einjährige Hündin Zora ist total aus dem Häuschen und huscht zwischen Tisch und Stühlen umher. Ihr Frauchen weiss Abhilfe. Sie bekommt ein Leckerchen und lässt sich dazu ermuntern, mit Frauchen bei den Zuschauerstühlen Platz zu nehmen. Gerade rechtzeitig, denn auf der Bühne kommt Leben auf.

«Habt ihr all eure Utensilien bereitgelegt?», fragt Regisseur Kurt Wächter in die Runde. «Und – wenn ihr einen Hänger habt, einfach auf die Souffleuse hören oder improvisieren», gibt er den zehn Laienschauspielern als Tipp mit. Stilles Nicken signalisiert ihm, dass man höchst konzentriert und vollkommen bereit sei.

Dann betritt Köbeli Läderach, Schuhmacher und Geissenbauer, die Bühne, gefolgt von seinem Gehilfen Chrigel. Chrigel ist das Mädchen für alles, kocht, versorgt die Geissen und fungiert als persönlicher Coiffeur von Köbeli.

Und schon ists auch vorbei mit der Idylle. Köbeli meckert erst über den Haarschnitt, dann über Chrigels Kochkünste. «Jeden Tag gibts Kartoffelsuppe oder Gschwellti», sagt er. Das habe er satt. Auch sonst lässt er kein gutes Haar an seinem Gehilfen. «Und überhaupt, ich suche mir eine Frau», lässt er die Bombe platzen.

Noch am gleichen Tag wird ihr Besuch erwartet. Kein Wunder, lässt sich Chrigel nicht aus der Küche vertreiben, und kein Wunder, dass Wildise Marei, Köbelis Schwester, plötzlich auf der Matte steht. Sie sieht ihr Erbe und Chrigel seinen Job in Gefahr.

Wenn dann noch die Schnapsnase Sämeli und die Fernsehreporterin Manuela von Will auf der Bildfläche erscheinen, kommt Köbeli erst recht in Bedrängnis. An ein diskretes Tête-à-Tête ist nicht mehr zu denken. Das Lustspiel lebt nicht von süssen Liebesszenen, sondern sorgt mit amüsanten Wortgefechten für Lacher. Der Schluss ist unkonventionell und mit einem Happy End gewürzt.

«Vor 22 Jahren wurde die Seniorentheatergruppe Herbschtrose ins Leben gerufen», sagt Marlies Nauer, die seit elf Jahren mit von der Partie ist. Seither touren die Senioren, allesamt zwischen 65 und 80 Jahren, durch den ganzen Kanton, erfreuen mit ihren Theaterstücken die Menschen in Altersheimen.

Einzig drei Aufführungen sind an öffentlichen Schauplätzen. «Sie machen ihre Arbeit gut, der erste Teil der Hauptprobe ging gut über die Bühne», sagt Regisseur Kurt Wächter, der heuer zum zweiten Mal Regie führt.

Alles gehe etwas langsamer vonstatten mit einer Senioren-Theatergruppe, aber der Qualität tue dies keinen Abbruch. Er weiss, wovon er spricht. «Seit ich 15 Jahre alt bin, ist das Laientheater meine Welt.» Sagts und macht sich auf, um den zweiten Akt der Hauptprobe vom Zuschauerstuhl aus kritisch zu verfolgen, damit an der Premiere alles sitzt.

Premiere: 23. Oktober, 19.30 Uhr, kath. Kirchgemeindesaal Windisch; 4. November, 15 Uhr, Salzhaus Brugg.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1