Thalheim
Das Thalner Pfarrhaus soll bewohnt bleiben

Pfarrer Stefan Huber will in Thalheim von der Residenzpflicht entbunden werden, weil seine Familie im Sommer wegzieht. Am Freitag, 12. Juni, stimmen die Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Thalheim darüber ab.

Claudia Meier
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Das 10-Zimmer-Pfarrhaus steht in Thalheim direkt am Dorfplatz. Wird der Pfarrer von der Residenzpflicht entbunden, soll das Haus vermietet werden.

Das 10-Zimmer-Pfarrhaus steht in Thalheim direkt am Dorfplatz. Wird der Pfarrer von der Residenzpflicht entbunden, soll das Haus vermietet werden.

Claudia Meier

Die Mitglieder der Reformierten Kirchgemeinde Thalheim haben es in der Hand: Sie stimmen an der Versammlung am Freitag, 12. Juni, darüber ab, ob die Residenzpflicht für Pfarrer Stefan Huber aufgehoben werden soll oder nicht. Indirekt geht es auch darum, ob der im letzten November wiedergewählte Pfarrer der Gemeinde im Schenkenbergertal in den nächsten Jahren erhalten bleiben wird.

Gemäss Kirchenordnung ist Huber mit seinem 80-Prozent-Arbeitspensum verpflichtet, im kirchgemeindeeigenen Pfarrhaus zu wohnen. Diese Residenzpflicht wird nun infrage gestellt, weil die Pfarrfamilie vor kurzem in Schönenwerd ein Haus gekauft hat. Gezügelt wird während den Sommerferien. Familie Huber ist es ein Anliegen, dass die beiden Kinder – 4 und 6 Jahre alt – die gesamte Schulzeit an einem Ort absolvieren und dort Freundschaften aufbauen können. Sie möchte längerfristig sesshaft werden, um allen ein stabiles soziales Umfeld zu ermöglichen.

Mit dieser Ankündigung haben die Hubers nicht nur die Kirchenpflege, sondern auch die Thalner überrascht. «Das ist nachvollziehbar und ich kann die Enttäuschung gut verstehen. Wir haben es uns beim Einzug vor drei Jahren auch anders vorgestellt. Ich musste in dieser Zeit allerdings die Erfahrung machen, dass mir die Trennung von Amt und Privatleben Mühe bereitet», betont Stefan Huber. «Unabhängig vom Abstimmungsresultat soll sich aber an meiner Amtsführung in Zukunft nichts ändern. Im Notfall wäre ich nachts auch von Schönenwerd aus innerhalb einer halben Stunde in Thalheim.»

Die Kirchenpflege zeigt Verständnis für das Anliegen der vierköpfigen Pfarrfamilie und empfiehlt der Kirchgemeinde, Huber von der Residenzpflicht zu entbinden. «Wir sind froh, wenn wir den Pfarrer behalten können. Er macht einen guten Job und ist beliebt», sagt Kirchenpflegepräsidentin Silvia Schneider-Roth. An einem Informationsabend wurde das Thema breit diskutiert. Die Meinungen gingen auseinander, so Schneider. Die Thalner hätten sich beispielsweise gefragt, ob der Pfarrfamilie die Qualität der Primarschule im Dorf nicht genüge. Das sei überhaupt nicht der Fall, betont Huber. Der Umzug sei keine Absage an Thalheim, sondern eine Zusage an die Familie. «Der Bevölkerung ist es wichtig, dass das 10-Zimmer-Pfarrhaus am Dorfplatz nicht leer steht», fasst die Präsidentin das Hauptanliegen der Kirchgemeinde zusammen, das nicht zuletzt aus finanziellen Gründen auch in ihrem Interesse ist.

Die Kirchenpflege will alles daransetzen, damit das Pfarrhaus bei Entbindung der Residenzpflicht weiter vermietet werden kann. Wie hoch die Miete wäre, kann Schneider noch nicht sagen. Nur so viel: «Die Mietkosten sollten sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, sodass sich auch eine Familie mit Kindern dieses Haus mit Garten leisten kann.» Einige Details wie der Zugang zu den Akten, die im Safe im Eingangsbereich der denkmalgeschützten Liegenschaft deponiert sind, und die Nutzung des Pfarrhausschopfes, wo jeweils Sitzungen und Bastelrunden abgehalten werden, müssten mit allfälligen neuen Mietern genau geklärt werden. Für das Büro des Pfarrers gilt es, einen neuen Standort zu finden.

Dass eine kombinierte Nutzung im Pfarrhaus funktionieren kann, zeigt das Beispiel in der Nachbargemeinde Zeihen. Das Pfarrhaus der Römisch-katholischen Kirchgemeinde wird seit rund drei Jahren an Dritte vermietet. Der Zugang zum Pfarreisekretariat und zum Archiv erfolgt über die gleiche Haustür.

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