Brugg

Das Streben nach Erfolg der Fussballerinnen – die zweite Saisonhälfte ist wegweisend

«Unsere Ziele sind Cupfinal und Aufstieg»: Im Training beim FC Brugg Frauen

«Unsere Ziele sind Cupfinal und Aufstieg»: Im Video erklären Captain Julia Bahnan (31) und Trainer Boas Joost (30), welches die Stärken des Teams und die Ziele sind.

Die Brugger Fussballerinnen kämpfen sich allmählich aus dem Schatten der männlichen Kollegen.

Bitterkalt ist es an diesem Februarabend im Brugger Stadion Au. Auf der blauen Leichtathletikbahn drehen trotzdem ein paar Sportler ihre Runden. Kurz vor 20 Uhr treffen auch die Fussballerinnen des FC Brugg ein. Konditionstraining steht auf dem Programm; nicht gerade die beliebteste Trainingseinheit bei den Frauen, wie Trainer Boas Joost, 30, augenzwinkernd sagt. Für das Foto aber dürfen die Frauen mit den Bällen ein erstes Warm-up machen, sehr zu deren Freude.

In der Winterpause gehört das Konditionstraining aber dazu, denn auf die 23 Frauen wartet die spannende, richtungsweisende zweite Saisonhälfte. Und für die müssen sie fit sein. Das wissen die Frauen und dennoch zählen sie die Anzahl Trainings, die sie noch durchstehen müssen, sagt Captain Julia Bahnan, 31, und lacht. Um das Optimum herauszuholen, haben sie sogar einen Athletiktrainer engagiert – auf eigene Kosten.

Der Aufstieg in die 2.Liga ist das erklärte Saisonziel

Das Damenteam des FC Brugg ging als Wintermeister in die Pause – mit drei Punkten Vorsprung auf die zweitplatzierten Gegnerinnen aus Fislisbach. Der Aufstieg in die überregionale 2.Liga ist das erklärte Saisonziel der Bruggerinnen. Dies, nachdem es letzte Saison knapp nicht gereicht hat. 20 Sekunden vor Schluss im drittletzten und entscheidenden Spiel gegen den Tabellenersten erhielten sie einen verheerenden Gegentreffer. Das Team konnte sich im Sommer 2018 mit Spielerinnen verstärken, unter anderem, weil sich das Damen-Team des FC Windisch aufgelöst hatte.

Letzte Saison überraschten die Bruggerinnen mit ihrem offensiven Auftreten – Trainer Boas Joost setzte auf nur drei Verteidigerinnen. Doch die Torausbeute war nicht zufriedenstellend. Das ist in dieser Saison anders: «Wir haben eine gute Verteidigung, einen starken Goalie aber auch schnelle Spielerinnen, die treffsicher sind», bringt es Joost auf den Punkt. Darauf führt er den Erfolg auf dem Feld zurück. Inzwischen lässt er im System 4-3-3 spielen.

Schwärmen über den guten Teamgeist: Boas Joost (ganz links), Julia Bahnan (vorne 5. v. l.) und Thierry Rebetez (ganz rechts).

Schwärmen über den guten Teamgeist: Boas Joost (ganz links), Julia Bahnan (vorne 5. v. l.) und Thierry Rebetez (ganz rechts).

«Wir sind ein Team»

Verteidigerin Julia Bahnan, die einst in der Nati B für den FC Baden spielte, ergänzt, dass auch der Teamgeist ein wichtiger Faktor ist für den Erfolg der Equipe. «Wir sind zusammengewachsen, unternehmen auch neben dem Platz viel miteinander», sagt sie. «Dazu gehören zum Beispiel das gemeinsame Essen nach einem Spiel oder auch Einladungen zum Geburtstag.» Auf dem Feld wirke sich das dann so aus, dass jede für jede kämpft und sprintet oder in die Bresche springt, wenn die eine mal nicht mehr kann.

Das bestätigt Joost: «Fussballerisch sind wir vielleicht nicht das beste Team in der Liga, aber wir sind ein Team.» Als Trainer versucht er, allen Spielerinnen gerecht zu werden. So lautet seine Devise, dass jede, die an einem Match dabei ist, zu einem Einsatz kommt. Auf die Rückrunde hin wird Joost zusätzlich unterstützt von Thierry Rebetez, der das Team im Sommer übernehmen wird.

Ein weiterer Höhepunkt wartet am 14.April um 20.15 Uhr auf die Bruggerinnen: Dann spielen sie im Halbfinal des Aargauer Cups zu Hause gegen die Rivalinnen aus der Liga vom FC Fislisbach. «Den Einzug in den Final würde ich fast höher bewerten als den Aufstieg», sagt Boas Joost. «Es geht darum, an einem Tag die volle Leistung abrufen zu können. Das ist auch für mich als Trainer eine Herausforderung.»

Nachwuchsarbeit ist für den Erfolg essenziell

Eine Herausforderung für das Team ist auch die finanzielle Situation. Material bekommen sie vom Klub zur Verfügung gestellt, die Spielerinnen berappen aber das Trainingslager oder eben den Athletiktrainer selber. Um sich das leisten zu können, haben sie unter anderem Einsätze am Stadtfest geleistet. Unterstützung vom Gönnerverein, der beispielsweise einen namhaften Betrag ans Trainingslager der Männer beisteuerte, haben sie bis jetzt nicht erhalten.

Der FC Brugg hat aber gemerkt, dass er vermehrt auf die Frauen setzen sollte. Im Sommer – ist geplant – werden Boas Joost und Julia Bahnan die Bereichsleitung Frauen übernehmen. Diesen Bereich gab es bis anhin noch nicht. Zudem soll mindestens noch ein Juniorinnen-Team gegründet werden, im besten Fall sogar ein zweites Frauen-Team. «Wir hoffen, dass wir durch unseren Erfolg auch mehr Aufmerksamkeit erhalten», sagt Julia Bahnan. Die Nachwuchsarbeit ist essenziell, damit der Erfolg, den die Bruggerinnen haben, nachhaltig ist.

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