Montagsporträt

Das Stäbli-Stübli macht sie zur temporären Bruggerin

Karoliina Elmer, hier im Aargauer Kunsthaus, wo jüngst eine Ausstellung mit Werken des Brugger Malers Adolf Stäbli eröffnet worden ist.

Karoliina Elmer, hier im Aargauer Kunsthaus, wo jüngst eine Ausstellung mit Werken des Brugger Malers Adolf Stäbli eröffnet worden ist.

Karoliina Elmer ist Gastkuratorin auf Zeit – sie widmet sich der Adolf-Stäbli-Sammlung. Ein Blick auf den mäandernden Lebensweg einer jungen Frau. «Erfahrungen sammeln», das könnte vielleicht ihr Lebensmotto sein.

Wer ist eine Bruggerin? Ganz klar: eine Frau, die in Brugg heimatberechtigt ist oder hier lebt. Was ist, wenn diese zwar der Stadt verbunden ist, das aber nur von Oktober 2014 bis Ende Mai 2015? Dann ist sie eine «temporäre Bruggerin». Den Begriff gibts nicht, doch er wird hier eigens eingeführt für Karoliina Elmer. Um ein Kopfschütteln gar nicht erst aufkommen zu lassen: Es handelt sich nicht um einen Verschrieb. Die zwei i verweisen auf finnische, der Name Elmer auf Glarner Wurzeln. Doch davon später.

Zunächst gehen wir auf Spurensuche und orten Karoliina Elmer im Aargauer Kunsthaus, wo jüngst eine Ausstellung mit Werken des Malers Adolf Stäbli eröffnet worden ist. Mit dabei: Gemälde aus dem Brugger Stäbli-Stübli. Dort ist die Kunsthistorikerin – mit einem Teilzeitpensum – als Gastkuratorin tätig: Sie konzentriert sich auf die Neuausstellung der Stäbli-Sammlung im Hinblick auf die laufende Renovation des Stüblis. Dessen Wiedereröffnung ist auf den 28. Mai anberaumt – unter derselben Bezeichnung? Karoliina Elmer lächelt: «Es ist eine Namensänderung beim Stadtrat Brugg beantragt.»

Derzeit ist die in Zürich lebende Kunsthistorikerin nicht oft in Brugg anzutreffen – das Stübli ist leer – aber das wird sich, je näher der Eröffnungstermin rückt, ändern. Entspringt das Brugger Engagement von Karoliina Elmer dem Zufall? Nein. Wer den mäandernden Lebensweg der zierlichen Frau verfolgt, wird ihr beipflichten: «Eines ergibt sich aus dem andern.»

Zu Fuss zum «Fressbalken»

Aufgewachsen ist sie im Zürcher Oberland; später lebt sie in den Kantonen Solothurn und Aargau. In Aarau besucht sie die Bezirks- und die Kantonsschule. Klassische Musik fesselt sie. Sie liebt das Klavier und liebäugelt mit einer Ausbildung am Konservatorium Zürich, doch es klappt nicht. Stattdessen wird sie Primarlehrerin und unterrichtet in Zeihen eine 4./5. Klasse. Das Arbeiten mit Kindern schätzt sie, doch sie merkt, dass sie nicht ein Leben lang unterrichten will. Da das Interesse an der Kunst gross ist, denkt sie zunächst an eine Ausbildung als Restauratorin: «Weil da nicht nur der Kopf, sondern auch die Hand gefordert ist.» Es kommt anders – sie studiert Kunstgeschichte an der Universität Zürich: «Eine bewusste Zweitausbildung», die sie 2005 mit 27 Jahren beginnt.

Karoliina Elmer nippt am Espresso, blickt von der Cafeteria des Aargauer Kunsthauses hinaus – zu den Schneeflocken, die Aaraus Dächer wie gepudert aussehen lassen. «Ja, ich habe mir den Luxus gegönnt, mich auszuklinken», sagt die Kunsthistorikerin, die während ihrer Studienjahre stets auch gearbeitet hat. «Anfänglich verschaffte ich mir einen Überblick über alle Epochen, doch dann konzentrierte ich mich auf die klassische Moderne und die Gegenwartskunst.» In ihrer Liz-Arbeit thematisiert sie die Architektur national bekannter Autobahnraststätten – darunter auch der so genannte «Fressbalken» in Würenlos. «Ich habe alle zu Fuss aufgesucht.» Wie bitte? Karoliina Elmer lächelt amüsiert: «Ja, das geht. Es gibt zu sämtlichen Raststätten Fusswege. Da ich kein Auto habe, habe ich einfach diese benutzt.»

Dieses «einfach» sticht heraus, aber schon glauben wir die Korrektur – «Eines ergibt sich aus dem andern» – zu hören. Zum Beispiel 2011, als sich die frischgebackene Kunsthistorikerin fragt: Was nun? Praktikum und Volontariat im Kunstmuseum Luzern, woran sich das Engagement am Aargauer Kunsthaus anschliesst. Als erstes assistiert sie der Aargauer Kunsthaus-Direktorin Madeleine Schuppli bei einem Robert-Walser-Vorhaben; heute ist Karoliina Elmer Projektleiterin Sammlung Online. «Wir wollen die Bilder unserer Sammlung ins Netz stellen», erläutert sie, «damit sich Interessierte informieren können.» Hält das potenzielle Besucher nicht von einem Gang ins Museum ab? «Diese Frage wird international breit diskutiert», betont Karoliina Elmer, «doch Bilder auf online können niemals das Original ersetzen. Wir glauben deshalb nicht, dass es deswegen weniger Besucher gibt.» Im Spätsommer werden erste Highlights des Aargauer Kunsthauses – etwa Gemälde von Amiet, Kirchner oder Hodler – aufgeschaltet.

Kunst ist ihr Leben

Dannzumal ist das Stäbli-Stübli bereits wieder offen und das Engagement der Gastkuratorin beendet. Noch ist es nicht soweit. Karoliina Elmer schätzt ihre Arbeit in Brugg, weil diese ihr Einblick gibt in einen ganz anderen Bereich. «Wie funktioniert ein kleines Museum? Wie sind die dortigen Strukturen?»

Prompt taucht es wieder auf, dieses «Erfahrungen sammeln» – vielleicht das Lebensmotto einer Frau, der «eine zweite Sprache geschenkt worden ist»: Finnisch. Ihre Mutter ist Finnin; Finnland ist Karoliina Elmers zweite Heimat, die sie jeweils im Sommer aufsucht. «Aber ich bin auch sehr gerne hier», fügt die junge Frau sogleich hinzu. Was immer sie sagt, eines scheint stets auf: Kunst ist ihr Leben und dazu zählt nach wie vor auch klassische Musik; darunter Romantiker wie Brahms, Mendelssohn und Schumann, deren Werke sie auf dem Klavier spielt. Also doch eine Pianistin.

Stäbli-Stübli Brugg Wiedereröffnung am 28. Mai; Stäbli-Ausstellung im Aargauer Kunsthaus in Aarau: bis 12. April.

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