Brugg
Das Stadtzentrum wird ein Experimentierfeld

140 Schüler der Primarschule Stapfer und der Sekundarschule sorgen Anfang Juni für mehrere «Stadtereignisse».

Claudia Meier
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ZVG/Stadtereignisse

Die Idee der drei Kunstschaffenden Andrea Gsell (Brugg), Nica Giuliani (Basel) und Lilian Beidler (London/Bern) den öffentlichen Raum in Brugg mit künstlerischen Interventionen zu bespielen, stiess bei Schulleiterin Barbara Iten von der Primarschule Stapfer sofort auf offene Ohren. «Das Projekt tönt spannend und ansprechend. Es ist stufenübergreifend und wirkt vernetzend», sagte Iten an der Informationsveranstaltung am Mittwoch.

Man stelle sich die Situation an einem Samstagnachmittag auf dem Eisi vor: Vom Kirchenturm her schlägt es 15 Uhr. Sechs Schüler und Schülerinnen stimmen in die Klänge der Kirchenglocken mit ein. Sobald der letzte Schlag verhallt ist, übernehmen die Jugendlichen mit «passionierter Stimme» die Klänge. Mit solchen oder ähnlichen Aktionen wollen die Teilnehmer Anfang Juni einen Nachmittag lang inspirieren und auch irritieren.

Eine ganze Woche Arbeit werden die 140 beteiligten Schüler der Primarschule Stapfer und der Sekundarschule Brugg als Vorbereitung auf die «Stadtereignisse» – so heisst das Pilotprojekt – investieren. Vom 25. April bis zum 3. Juni führen die drei Künstlerinnen mit den sieben Klassen Workshops zum Thema «Interventionen im öffentlichen Raum» durch. Während zweier Tagen erhalten die Kinder und Jugendlichen eine Einführung in die Themenbereiche «Städtebau», «öffentlich – privat», «Kunst im öffentlichen Raum» sowie «Temporäre Kunstformen» und werden dabei anhand von Übungen selbst zu Akteuren. An zwei weiteren Halbtagen bereiten die Schüler eine eigene gezielte Intervention an einer von ihnen ausgewählten, für sie spannenden oder wichtigen Stelle im öffentlichen Stadtraum von Brugg vor. Der Höhepunkt des Projekts findet am Samstagnachmittag, 4. Juni, von 14 bis 17 Uhr statt. Mit rund 20 Interventionen bespielen die Teilnehmer den öffentlichen Raum im Stadtzentrum, in der Altstadt, beim Eisi, vor dem Neumarkt und rund um den Campus. Möglichst viele Bewohner und Passanten sollen mit diesen Aktionen in Berührung kommen.

Brugg hat die ideale Grösse

Verläuft das Pilotprojekt erfolgreich, sollen die «Stadtereignisse» auf andere Klassen, Stufen und Orte der Deutschschweiz übertragen werden. Warum findet der Testlauf in Brugg statt? Künstlerin Andrea Gsell erklärte: «Ich bin in Brugg geboren und wohne hier. Die Stadt hat eine ideale Grösse und die Achse von der Altstadt bis zum Campus eignet sich gut für dieses Pilotprojekt.» Der öffentliche Raum biete ein enormes Lernpotenzial für Kinder und Jugendliche, fuhr die 42-Jährige fort. Teilfinanziert wird das Projekt über «Kultur macht Schule», ein Programm der Fachstelle Kulturvermittlung vom kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport. Zudem beteiligen sich mehrere Stiftungen und Sponsoren am Vorhaben.

«Zufälliges soll möglich sein»

Indem die Schüler selbst aktiv in den öffentlichen Raum eingreifen und experimentieren, werden sie sich ihrem eigenen Handlungsspielraum bewusster, waren sich die Verantwortlichen einig. Mit den Aktionen werde zudem das Bewusstsein geschärft, dass man als Bewohner das Stadtleben mitbeeinflussen kann, so Andrea Gsell.

Für den 4. Juni wird es ein vages Programm geben. Das Stadtzentrum wird aber nicht permanent während dreier Stunden bespielt. «Es soll Platz haben für Zufälliges», betonte Gsell. Denkbar sind auch Situationen, in denen für Passanten nicht auf Anhieb klar ist, ob es sich um eine künstlerische Intervention handelt.

Stadtammann Daniel Moser zeigte sich erfreut über das Vorhaben und sagte: «Es ist ein Experiment, an dem wir alle beteiligt sind und das die ganze Stadt – und nicht nur die Altstadt – belebt.» Für Moser ist klar, wenn die «Stadtereignisse» verbunden mit den beiden Aktionen «Harasslete» und der «Usestuehlete» Anklang finden, sollte es nicht bei einer einmaligen Veranstaltung bleiben.