Restauration
Das Soldatendenkmal im Villigerfeld ist gerettet

Zuerst werden die Bäume und Umgebung gepflegt – das restaurierte Mahnmal wird am Bettag übergeben.

Michael Hunziker
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Rolf Furter, der letzte Divisionskommandant-Stellvertreter, informiert über die bevorstehende Sanierung des Soldatendenkmals im Villigerfeld.

Rolf Furter, der letzte Divisionskommandant-Stellvertreter, informiert über die bevorstehende Sanierung des Soldatendenkmals im Villigerfeld.

Michael Hunziker

Die Witterung hat dem Soldatendenkmal im Villigerfeld unterhalb der Kirche Rein arg zugesetzt. Die Betonwand weist Risse und Hohlräume auf, die Farbe des Mauerbilds ist verblasst.

Zum Auftakt der anstehenden Sanierung haben sich gestern die Baumpflegespezialisten an den mächtigen Linden links und rechts des Mahnmals ans Werk gemacht. Gut gesichert mit Seilen und Karabinerhaken, stutzten sie in schwindelerregender Höhe die Äste zurück.

Die Strasse musste vorübergehend gesperrt, der Verkehr umgeleitet werden. Die beiden Bäume seien im besten Alter und grundsätzlich in einem guten Zustand, sagte Stefan Stierlin von der zuständigen Tilia Baumpflege AG aus Frick. «Sie sind eine schöne Aufwertung für diesen Platz.»

Truppendetachement wirkt mit

Neben dem Pflegeschnitt stehen jetzt weitere Umgebungsarbeiten an. Erledigt werden diese von den Genie-Schulen in Brugg unter der Leitung von Gartenbauer Sepp Schibli aus Fislisbach. Adrian Gerwer, stellvertretender Kommandant des Waffenplatzes Brugg, sprach von einem tollen Einsatz. Gespart werden könnten auf diese Weise nicht nur Gelder. «Wir profitieren auch, weil wir ganz im Sinne unserer Ausbildung so nahe beim Waffenplatz Brugg unser Können unter Beweis stellen dürfen.»

Im Sommer schliesslich, ist geplant, kümmern sich die Restauratoren um die Instandstellung des 11 mal 3 Meter grossen Wandbilds, das an den Einsatz und die Entbehrungen der Aktivdienst-Generation 1939–45 erinnert.

Das Mahnmal ist erhaltenswert, weil mit diesem die Gesamtleistung der Aktivdienst-Generation gewürdigt wird, sagt Rolf Furter
6 Bilder
Angefertigt wurde das Wandbild vom Artillerie-Gefreiten und Kunstmaler Ernst Leu aus Kölliken
Zuoberst in der Linde ist der Baumpflegespezialist an der Arbeit
Zuerst werden die Bäume und die Umgebung gepflegt, dann machen sich die Restauratoren ans Werk beim Soldatendenkmal im Villigerfeld
Rolf Furter ist der letzte Divisionskommandant-Stellvertreter
Die Äste der Linden werden zurückgestutzt

Das Mahnmal ist erhaltenswert, weil mit diesem die Gesamtleistung der Aktivdienst-Generation gewürdigt wird, sagt Rolf Furter

Michael Hunziker

Es braucht auch Spenden

Zur Rettung des Soldatendenkmals wurde ein Verein unter der Leitung von Divisionär aD Paul Müller gegründet. Ihm gehören Angehörige der 2003 aufgelösten Felddivision 5 an. Diese rund 60 Mitglieder setzen sich zusammen mit dem Kanton sowie den Trägergemeinden Brugg, Villigen, Rüfenach und Remigen dafür ein, dass die Gedenkstätte der Nachwelt erhalten bleibt. Zur Finanzierung sind Beiträge von Gemeinden und Swisslos-Fonds in Aussicht gestellt. Damit aber die Kosten für die Restaurierung und den künftigen Unterhalt – die Rede ist von einem fünfstelligen Betrag – gedeckt werden können, sind auch Spendengelder gefragt.

Das 1940 eingeweihte Denkmal markiert eine Zeitenwende, erklärte Rolf Furter, der letzte Divisionskommandant-Stellvertreter, an einer Medienorientierung. Es war das Jahr, in dem die Deutsche Wehrmacht in Frankreich einmarschierte. Die Soldaten der 5. Division bereiteten sich damals im Grenzgebiet auf den Abwehrkampf vor, bauten Festungen und sperrten den Durchgang ins zentrale Mittelland. Sie mussten erfahren, wie eine grosse Armee überrannt wurde; Zweifel an der eigenen Verteidigungsfähigkeit kamen auf.

General Guisan setzte die Réduit-Strategie um, verstärkte also die sogenannte Alpen-Festung. Die 5. Division verliess die grenznahe Verteidigungslinie in Richtung Innerschweiz. «Für die Soldaten, die monatelang die Schanzarbeit ausführten, war dies ein starker Einschnitt», hielt Furter fest. Bei ihrem Rückzug hinterliessen sie als Erinnerung das Soldatendenkmal. Das Wandbild fertigte der Artillerie-Gefreite und Kunstmaler Ernst Leu aus Kölliken an. Ende der Fünfzigerjahre frischte er es auf.

77 Jahre später ist die Übergabe

Das Mahnmal sei erhaltenswert, weil mit diesem die Gesamtleistung der Aktivdienst-Generation gewürdigt werde, sagte Furter weiter. Zu sehen sind neben den Soldaten im «Tenü blau», die mit dem Bau der Stellungen beschäftigt sind, im Hintergrund das Leben der Zivilbevölkerung: der Bauer beim Pflügen und die Mutter mit ihrem Kind. Sie alle dienten dem Land und sorgten dafür, dass es – auch in schwieriger Zeit – weiterexistieren konnte.

Eingeweiht wurde das Soldatendenkmal am Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag im Beisein von General Guisan und – trotz Dauerregen – rund 3000 Gästen. Geplant ist die Übergabe der restaurierten Gedenkstätte 77 Jahre später, am Bettag vom 17. September 2017.