In der ganzen Diskussion um die Fusion von Brugg und Schinznach-Bad ist immer wieder die Feuerwehr ein Thema. Die Fragen, die auftauchen, lauten: Wie kann denn die Einsatzzeit gewährleistet werden? Oder wie können genügend Feuerwehrleute aus Schinznach-Bad rekrutiert werden? Einer, der das erklären kann, ist der Brugger Feuerwehrkommandant Florian Isenring.

Er selber wohnt erst seit Kurzem in Brugg, war vorher wohnhaft in Riniken. Im Rahmen der Fusion der Feuerwehren Riniken und Brugg stiess er zum Korps der Feuerwehr Brugg. «Entsprechend kann ich die Situation absolut neutral anschauen. Das Einzige, was für mich zählt, sind die Fakten», sagt er. Und eines ist ihm besonders wichtig: «Es darf nicht sein, dass die Feuerwehr-Frage die Abstimmung über die Fusion entscheidet.» Zu wichtig seien andere Themen.

Investitionen in Schinznach-Bad bei Fusion:

Investitionen Kosten in Franken
Ausrüstungen für 20 Personen 65 000.–
Fahrzeuge, TLF2/PTF2 525 000.–
Infrastrukturen Standort, IT 30 000.–
Total Kosten Schinznach-Bad 620 000.–

Einen Standort mehr

Auf die Frage, wie sich eine allfällige Fusion von Brugg und Schinznach-Bad auf die Feuerwehr Brugg auswirken würde, antwortet Florian Isenring: «Wir hätten dann einen Standort mehr zu betreuen. In Schinznach-Bad werden zwei Fahrzeuge stationiert sein. Zudem müssen wir schauen, woher wir die Leute nehmen, die dort vor Ort einrücken. Organisatorisch wird es sicher schwieriger, dennoch ist es machbar.»

Er verstehe es als Auftrag, für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen, und diesen müsse die Feuerwehr mit den verfügbaren Mitteln erfüllen. Der aktuelle Sollbestand der Feuerwehr Brugg beträgt 110 AdF (Angehörige der Feuerwehr). Mit 113 Mitgliedern ist dieser zurzeit erfüllt. Bei einer Fusion mit Schinznach-Bad bleibt der Sollbestand gemäss heutigem Informationsstand gleich. «Wir betreiben einen grossen Aufwand, um Mitglieder anzuwerben», sagt Florian Isenring. «Einfacher ist es in den letzten Jahren sicher nicht geworden.» Klar ist auch, dass er mit den 14 Feuerwehrleuten aus Schinznach-Bad, die zurzeit der Feuerwehr Schenkenbergertal angehören, das Gespräch suchen wird, sollte es zu einer Fusion kommen. «Wir würden natürlich versuchen, diese Feuerwehrleute bei uns zu integrieren.» Ebenfalls steht er in engem Kontakt mit dem Feuerwehrkommandanten des Schenkenbergertals.

Ein Thema sind in der Fusionsdiskussion auch die Einsatzzeiten. Die Vorgabe: Innerhalb von 10 Minuten nach der Alarmierung müssen 10 Feuerwehrangehörige beim Schadensplatz eingetroffen sein. Aufgeteilt werden diese 10 Minuten in 4 Minuten Einrückzeit und ca. 6 Minuten Fahrzeit. Mit Testfahrten hat die Feuerwehr Brugg gemeinsam mit der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV) den Ernstfall in Schinznach-Bad simuliert. Fazit: Vom Magazin am Stahlrain bis nach Schinznach-Bad sind die erforderten Vorgaben nicht zu erfüllen. Entsprechend braucht es in Schinznach-Bad weiterhin den bestehenden Magazinstandort sowie zwei Fahrzeuge. Zudem sei geplant, dass Feuerwehrangehörige aus dem Brugger Westquartier bei einem Ernstfall in Schinznach-Bad nicht im Magazin in Brugg einrücken, sondern in jenem in Schinznach-Bad. «Entsprechend bin ich überzeugt, dass es uns gelingen wird, diese Aufgabe zu lösen», sagt Isenring.

Keine hundertprozentige Garantie

Eine hundertprozentige Garantie, dass ständig genügend Leute verfügbar sind, kann aber auch der Brugger Kommandant nicht geben. Das habe aber nichts mit der Fusion zu tun. «Die Feuerwehr funktioniert im Milizsystem. Wie viele da mitmachen wollen und jederzeit einsatzbereit sind, kann niemand beeinflussen.» Vom Einsatzgebiet her lässt sich gemäss Isenring Schinznach-Bad gut mit Riniken vergleichen. «Auch in Riniken können die geforderten Einsatzzeiten momentan nicht erreicht werden. Da bleiben wir von der Feuerwehr Brugg dran.»

Neue Ideen sind gefragt

Um der Knappheit an Leuten entgegenzuwirken, seien auch neue Ideen gefragt. «Es soll die Möglichkeit geben, am Arbeits- und am Wohnort Feuerwehrdienst zu leisten», findet Florian Isenring.

Geprüft hat die Fusionsarbeitsgruppe auch, ob allenfalls die Feuerwehr Schenkenbergertal Einsätze in Schinznach-Bad übernehmen könnte. Finanzielle, rechtliche und organisatorische Gründe sprechen aber ganz klar dagegen. «Die Alarmierung wäre schwieriger, die Adressangaben könnten zu Missverständnissen führen», erklärt Florian Isenring. «Zudem würde auch die nötige Administration den Rahmen sprengen.»

Fazit: Für die Brugger Feuerwehr würde die Fusion zwar einige organisatorische Umstellungen bedeuten. Allerdings sieht der Kommandant keine grösseren Schwierigkeiten. Zudem seien in Zukunft ohnehin noch Veränderungen bezüglich Feuerwehrstandorte in Brugg geplant, sagt Florian Isenring.

Weniger begeistert zeigt man sich im Schenkenbergertal über die geplante Fusion. Denn beim Ausscheiden von Schinznach-Bad ergibt sich bei der Feuerwehr im Tal keine Reduktion der Grössenklasse (aktuell 4a, was einem Sollbestand von 91 AdF entspricht, mit 98 Mitgliedern ist er erfüllt). Die Gesamtkosten für die Feuerwehr würden entsprechend unverändert bleiben. Diese müssten von den verbleibenden Gemeinden Schinznach und Veltheim getragen werden.