Windisch
Das Schneewittchen ist in der Gegenwart gelandet

21 Bezlerinnen und 1 Bezler haben «Sophias Story» geschrieben – am Samstag ist Premiere im Chapfschulhaus in Windisch. Der Lehrerin und Regisseurin bescherte die Arbeit mit den Jungen sichtlich Vergnügen.

Elisabeth Feller
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Regisseurin Michelle Bachmann (Mitte) gibt den Akteurinnen letzte Regieanweisungen. EF.

Regisseurin Michelle Bachmann (Mitte) gibt den Akteurinnen letzte Regieanweisungen. EF.

Die Türe zur Aula des Chapfschulhauses steht halb offen – einladend genug, um einzutreten und sich am gedämpften Stimmengewirr zu orientieren. Da sind sie auch schon – jene 22 Zweit- und Viertbezlerinnen und -bezler, die nachmittags in der Aula proben. Einmal mehr und wiederum begleitet von Michelle Bachmanns kritischer Anteilnahme.

Die Englischlehrerin hat mit der Gruppe im Freifach Theater eine Aufführung von A bis Z erarbeitet. Konkret: «Sophias Story» – so der Stücktitel – ist als Gemeinschaftsarbeit von 21 Schülerinnen und einem Schüler entstanden: «Es ist eine Adaption des bekannten ‹Schneewittchen›-Stoffes, die in der Gegenwart situiert ist.

Die böse Königin ist in unserem Stück eine böse Freundin», sagt Michelle Bachmann. Begonnen hat das Theater-Abenteuer im letzten Oktober. Nach intensiven Gesprächen haben sich die Theaterbegeisterten auf Stoff und Anzahl der Szenen geeinigt. Michelle Bachmann freut sich über den «demokratischen Prozess», denn damit sei ein wichtiges Ziel erreicht worden: «Schülerinnen und Schüler haben gelernt, etwas auszudiskutieren, was zu einer guten Diskussionskultur geführt hat.» Zudem: «Wer ein solches Projekt durchziehen will, muss lernen, vor ein Publikum hinzustehen und sich zu exponieren, und das», betont Michelle Bachmann, «fördert wiederum das Gemeinschaftsgefühl.»

«Er hat mich verlassen»

Man merkt: Der Lehrerin und Regisseurin beschert die Theaterarbeit mit den jungen, hoch motivierten Menschen sichtlich Vergnügen. Sie lacht, als die Besucherin einen besonderen Umstand erwähnt: 21 Schauspielerinnen steht bloss Schauspieler gegenüber? Kommt es deshalb zu Rollenkonflikten? Keine Spur. Die Mädchen spielen auch Männerrollen, und das sehr überzeugend, wie der Augenschein bei einer Probe beweist.

Links von der Bühne sitzen zwei, die als Erzählerinnen fungieren; oben vertraut sich eine junge Frau gerade ihrer Freundin an. «Du, er hat mich verlassen», sagt sie und weint. «Er ist es nicht wert», tröstet die andere. Später erscheint «er»: Er, ein junger Mann (eine Akteurin) mit kecker Mütze – er, Schwarm der Klasse, der «gefährliche Partys» feiert, wie die zwei einer neuen Schulkollegin mit hämischem Unterton offenbaren und nachdoppeln: «Du solltest da nicht hingehen.» Aber die Neue lässt sich von der Miesmacherei nicht anstecken – sie findet den Kollegen sympathisch. Michelle Bachmann unterbricht, geht zur Bühne, erklärt, was mit mehr Tempo gespielt werden muss. Dann gehts weiter. Um welche Szene handelt es sich? Die Besucherin rätselt. Die Steinchen fügen sich bei der Probe noch nicht zum Mosaik. Aber es zeichnet sich ab, dass Freundschaft, Ablehnung, Mitmachen und Unterdrückung «grosse» Themen sind in «Sophias Story».

Sophias Story: Aufführungen in der Aula des Chapfschulhauses Windisch, 2. April um 20 Uhr, 3. April um 16 Uhr.