Mit den Massnahmen am Kraftwerk an der Reuss in Windisch werde der Standort besser genutzt und die Produktion erhöht, sagt Axpo-Mediensprecher Tobias Kistner.

Der Hintergrund: Einzelne Bestandteile der Anlage in Unterwindisch sind in die Jahre gekommen. Die Propeller-Kaplanturbine der Maschinengruppe 3 hat Baujahr 1928. Auch die Kanaltore haben ihre Lebensdauer erreicht.

Kanal wird trockengelegt

Die Axpo Kleinwasserkraft AG beabsichtigt, die bestehende Maschinengruppe 3 durch eine effizientere Maschinengruppe zu ersetzen. Mit einer doppelt regulierten Kaplan-Turbine können gemäss Baugesuch vor allem die konzessionierte Wassermenge von 55 Kubikmetern pro Sekunde und das Gefälle besser ausgenutzt werden. Die Konzession läuft bis ins Jahr 2055.

Der Einbau der neuen Maschinengruppe hat laut Projektbeschrieb Anpassungen im Bereich der Einlaufkammer und des Saugrohrs zur Folge. Auch der Hallenkran im Maschinenhaus wird ersetzt. Der Oberwasserkanal muss während den Tätigkeiten trockengelegt werden. «Die Maschinengruppe 3 wird ein besseres Schluckvermögen aufweisen, sodass die konzessionierte Wassermenge nach Abschluss der Arbeiten voll genutzt werden kann», fasst Mediensprecher Kistner zusammen.

Mit dem Ersatz der heutigen Kanaltore können die statischen Anforderungen bei einem Hochwasser erfüllt werden. Die Tore dienen gemäss Baugesuch wie bisher in erster Linie dazu, den Wasserspiegel im Oberwasserkanal zu regulieren. Im Erscheinungsbild soll die Anlage mit den vier Kanaltoren möglichst wenig verändert werden. Der Kanal werde für den Ersatz über mehrere Monate abgeschottet und abgestellt, sagt Kistner. «Im Projekt integriert ist die Verbesserung des Schwallschutzes im Falle einer Schnellabschaltung der Maschinen, sodass die umliegenden Liegenschaften in Zukunft besser geschützt sein werden.» Will heissen: Vorgesehen ist, die Seitenmauern im Bereich zwischen Kanaltoren und Maschinenhaus zu erhöhen.

Temporär mehr Transporte

Weiter soll in die Kahnrampe auf der Gebenstorfer Seite eine Spülleitung eingebaut werden, um künftig Sandablagerungen zu verhindern. Nicht zuletzt wird Fremdmaterial aus dem Unterwasserkanal entfernt. Denn heute verursachen die Unebenheiten an der Sohle Fliessverluste und damit Produktionseinbussen. Für die Arbeiten zum Einsatz kommen wird voraussichtlich ein schwimmender Ponton, der mit einem Bagger und einer Mulde beladen wird.

Das Baugesuch liegt bis 21. Juli auf den Gemeindeverwaltungen in Windisch und Gebenstorf sowie beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt auf. Verläuft alles planmässig, können die Arbeiten diesen Oktober beginnen. Die Inbetriebnahme erfolgt im Sommer 2016. Die Investitionen betragen rund 4,7 Mio. Franken. Verbunden seien die Tätigkeiten mit zusätzlichem Lärm, sagt Kistner. Es werde temporär auch mehr Transporte geben. Allerdings halte sich die Anzahl in Grenzen, weil praktisch keine Erdarbeiten ausgeführt werden müssten.

Für Spinnerei gebaut

Die Ursprünge des Kraftwerks Windisch an der Reuss gehen ins Jahr 1827 zurück. Es wurde mit der Eröffnung der Spinnerei in Betrieb genommen. 1864/66 wurden die Wasserräder durch Turbinen ersetzt. Es folgten verschiedene Ausbauschritte, der Bau eines neuen Turbinenhauses 1918/19 sowie der Anbau des Maschinenhauses mit dem Einbau einer Propellerturbine 1927. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Eigentümerwechseln. Die Anlage verfügt über drei Turbinen. Die Stromproduktion beträgt 10 Mio. kWh pro Jahr, die Leistung 1500 kW.