Campus in Brugg-Windisch

«Das Referendum schwächt den Kanton Aargau»

Der geplante Campus in Brugg-Windisch

Der geplante Campus in Brugg-Windisch

Das Campus-Referendum sorgt am Fachhochschul-Standort für Verärgerung. Dass der Initiant damit Erfolg haben könnte, glaubt aber niemand. Klar ist aber: Es wird zu Verzögerungen kommen und der Aargau wird als Hochschul-Standort geschwächt.

«Es dürfte dem Komitee – das offenbar auch versucht hat, Grossräte zu gewinnen – schwerfallen, die nötigen Unterschriften zusammenzubringen» und «meine Nervosität hält sich in Grenzen»: Diese Einschätzungen von Politikern aus der Region Brugg zum Referendum des Komitees «Nein zu Geldverschleuderung» gegen den Kredit von knapp 190 Millionen Franken für den Kauf der Räume für die FHNW im Campus Brugg-Windisch haben sich – leider muss man sagen – als irrig erwiesen. Heute will das Komitee in Aarau die Bogen mit 3500 Unterschriften der Staatskanzlei überreichen.

Offensichtlich ist es dem Komitee also doch gelungen, die Unterschriften zusammenzubringen. Auch ohne Grossräte. Es dürfte sich einmal mehr bewahrheitet haben, dass plumpe Schlagworte – «Sind Sie gegen Geldverschleuderung?» – zu verfangen pflegen. Das hatte ja schon, im 19. Jahrhundert, das Komitee der «19 Mannli» bewiesen. Und das hatte immerhin den Grossen Rat und die Regierung zu Fall gebracht.

Doch zurück in die Jetztzeit. Am Standort des Fachhochschulcampus ist man verständlicherweise über das Zustandekommen des Referendums gegen den Beschluss des Grossen Rates überhaupt nicht amüsiert.

«Keine ehrliche Argumentation»

«Ich kann FH-Direktor Jürg Christener nur beipflichten», erklärt Hanspeter Scheiwiler, Gemeindeammann von Windisch und Präsident der Stiftung Vision Mitte. «Das Referendum bewirkt einfach eine Verzögerung. Am meisten regt mich dabei aber auf, dass die Leadfunktion, die der Kanton Aargau bei der Fachhochschule Nordwestschweiz innehat, geschwächt wird.»

Ähnlich tönt es aus dem Brugger Stadthaus. «In erster Linie bin ich darüber enttäuscht, dass das Begehren zustande gekommen ist», stellt Vizeammann Martin Wehrli fest. «Es ist schade, dass der Bau dadurch verzögert wird. Das wird wahrscheinlich zur Folge haben, dass es teurer wird. Vor allem aber stört mich, dass nicht ehrlich argumentiert wird. Es geht dem Referendumskomitee ja gar nicht um die Frage Miete oder Kauf der Räume. Ich bin aber zuversichtlich, was den Ausgang einer möglichen Volksabstimmung betrifft. Wichtig ist, dass jetzt möglichst schnell eine Entscheidung fällt. Die Region und die Stadt Brugg stehen jedenfalls hundertprozentig hinter dem FH-Campus Brugg-Windisch. Die Stadt Brugg ist bereit, in einem Abstimmungskampf ihren Beitrag zu leisten und den Kanton zu unterstützen.» Schliesslich haben die Brugger Stimmbürgerinnen und Stimmbürger mit dem Ja zum Kauf des Campussaals auch ein Bekenntnis zum FH-Campus abgelegt.

Nur Verzögerungen sind möglich

Aber was bewirkt die Referendumsabstimmung, so sie denn kommen und im Sinne des Komitees ausgehen sollte – abgesehen von Verzögerungen –, wirklich? In dieser Abstimmung ginge es ja weder um das Projekt an sich noch um den Standort der FH oder der FH Pädagogik. Es ginge allein um die Frage «Kaufen oder Mieten?». Wird der Kauf abgelehnt, erhält der Beschluss des Grossen Rates aus dem Jahre 2007 wieder Gültigkeit. Das heisst, dass die Räume im Neubau in Brugg-Windisch gemietet werden.

Nachdem die Variante Miete aber nicht mehr weiterverfolgt worden war, müssten allenfalls die Modalitäten neu ausgehandelt werden. Die Frage des Standortes – der dem Referendumskomitee offensichtlich ein Dorn im Auge ist – stellt sich nicht. Die ist im Staatsvertrag zur FHNW bereits 2004 festgelegt worden. Gemäss diesem Vertrag zwischen den vier FHNW-Kantonen stellt der Kanton Aargau 24500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung – am Standort Brugg-Windisch. Nachdem der Staatsvertrag dem fakultativen Referendum unterstand, hätte man wegen des Standortes damals, 2004, aktiv werden müssen. Der Zug ist daher längst abgefahren. Nach Brugg- Windisch.

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