Villigen
Das PSI baut seine Protonentherapie aus

Im kommenden Jahr nimmt die Behandlungsanlage Gantry 2 den klinischen Betrieb auf. Damit ist das PSI weltweit spitze.

Louis Probst
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«Unser Ziel ist es, neben der Forschung und Entwicklung der Technologie der Protonentherapie auch mehr Patienten den Zugang zu dieser Behandlungsform zu ermöglichen», erklärt Martin Jermann, Vizedirektor des PSI. Die Regierung des Kantons Aargau hatte dafür dem PSI im Jahre 2008 aus dem Lotteriefonds 20 Millionen Franken zugesprochen. «Neben Gantry 1 und der OPTIS-2-Anlage für die Behandlung von Augentumoren, soll auch die in Entwicklung stehende Gantry2 in Zukunft, neben der Forschung, möglichst intensiv für klinische Forschung und Patientenbehandlungen eingesetzt werden.»

Der Protonenbehandlung dürfte künftig noch grössere Bedeutung zukommen, erkranken doch gemäss PSI in der Schweiz jährlich rund 28000 Menschen an Krebs. «70 Prozent der an Krebs Erkrankten», so das PSI, «werden während ihrer Erkrankung eine Strahlentherapie brauchen. Denn bei nicht operierbaren Tumoren ist diese Behandlungsform oft die einzig mögliche.»

Jährlich 8000 bis 10000 Besuche

«In Zukunft, ab 2013, rechnen wir am PSI mit 450 bis 550 Patientenbehandlungen pro Jahr», sagt Martin Jermann. «Entsprechend werden das 8000 bis 10000 Patienten-Therapiebesuche pro Jahr sein. Im vergangenen Jahr waren rund 5000 Besuche zu verzeichnen. Um den steigenden Zahlen gerecht werden zu können, wird jetzt die klinische Infrastruktur mit der Gebäudeerweiterung und der zusätzlichen technischen Infrastruktur ausgebaut.»

Kernstück der Erweiterungen ist zweifellos die neue Gantry2. «Als Gantry wird das drehbare Gestell bezeichnet, in welchem die Strahlführung des Protonenstrahls – mit den viele Tonnen schweren Magneten – eingebaut ist», erklärt Martin Jermann. «Vorne am drehbaren Gestell ist der Bestrahlungskopf angebracht.

Durch das Drehen der rund 170 Tonnen schweren Gantry kann die Strahlrichtung auf den Patienten und den Tumor optimal gewählt und eingestellt werden.» Die neue Gantry 2, so Martin Jermann, werde zudem mit einem sehr schnellen Scanningverfahren arbeiten, was ein mehrmaliges schnelles Abscannen der Tumoren bei der Bestrahlung ermöglicht und die Homogenität der Dosis über das Tumorvolumen bei beweglichen Tumoren gewährleistet.

Weltweit fortschrittlichste Anlage

Noch steht allerdings diese Anlage für die Behandlung von Patienten nicht zur Verfügung. Martin Jermann: «Derzeit laufen technische Experimente. Im laufenden Jahr wird die Gantry2 aber für den späteren Patientenbetrieb vorbereitet.

In der ersten Hälfte 2012 wird dann voraussichtlich der klinische Betrieb an der Gantry2 aufgenommen. Es wird das fortschrittlichste Protonenbestrahlungsgerät weltweit sein. Die am PSI entwickelte, hoch präzise Scanning-technik wird mit der Gantry 2 dann auch für die Behandlung sich bewegender Tumoren – beispielsweise für die Bestrahlung von Lungenkarzinomen – einsetzbar. Die Möglichkeit, Protonen für die Bestrahlung von Primärtumoren einzusetzen, wird damit erweitert.»

In Planung ist zudem, zusammen mit der Universität Zürich und dem Universitätsspital Zürich, eine dritte Gantry. Dadurch könnte die klinische Forschung weiter verstärkt werden, und es könnten jährlich weitere rund 200 Patientinnen und Patienten behandelt werden. «Die Finanzierung ist aber noch unsicher», erklärt Martin Jermann.

Mit der Zunahme der Protonentherapien durch die Inbetriebnahme der Gantry 2 muss auch die bauliche Infrastruktur ausgebaut werden.

Neues Medizin- und Bürogebäude

Zurzeit liegt in Villigen denn auch das Baugesuch des PSI für ein neues Medizin- und Bürogebäude im Areal West auf. Das zweigeschossige Gebäude wird an einen bestehenden Trakt angebaut. Im Erdgeschoss wird das Gebäude – für das Erstellungskosten von 6 Millionen Franken angegeben werden – neben einem Empfang unter anderem auch einen Raum für Computertomographie aufweisen, deren Bilder für die Dosierung des Protonenstrahls benötigt werden. Im Obergeschoss sind Büros und Besprechungsräume vorgesehen.

Quelle: «Die Protonentherapie am PSI», Paul-Scherrer-Institut PSI, Villigen