Birr

Das Projekt Sportstätte geht in Verlängerung

Die Visualisierung zeigt die geplante neue Sportstätte. Untergebracht werden in dieser zwei Garderoben sowie ein Vereinslokal. ZVG/J. + D. SCHATZMANN AG

Die Visualisierung zeigt die geplante neue Sportstätte. Untergebracht werden in dieser zwei Garderoben sowie ein Vereinslokal. ZVG/J. + D. SCHATZMANN AG

Ein überparteiliches Komitee will gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung das Referendum ergreifen.

Noch kann sich der FC Birr nicht zurücklehnen, noch ist der Schlusspfiff nicht erfolgt beim Projekt einer neuen Sportstätte. Ein überparteiliches Komitee hat entschieden, das Referendum gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung zu ergreifen. Diese hat am Freitag den Kredit von 710 000 Franken für den Neubau nach einer intensiven Debatte angenommen.

Das Komitee unter der Leitung von Roger-René Müller ist nach eigenen Angaben politisch breit abgestützt. In einer Medienmitteilung hält es fest, dass es nicht gegen sportliche Aktivitäten ist. Es stört sich aber vor allem «an den Finanzierungsmodalitäten und den Auswirkungen auf die schon heute schwierige finanzielle Situation der Gemeinde». Es sei nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, diese Investition zu tätigen. Denn die Finanzlage von Birr, führt das Komitee aus, sei wegen ausgebliebener Aktiensteuern unter enormem Druck. «Steuererhöhungen sind bereits angekündigt.»

Zufallsmehr und Mogelpackung

Der Entscheid der Gemeindeversammlung müsse überdies als Zufallsmehr betrachtet werden, fährt das Komitee fort. 60 Stimmberechtigte waren für den Kredit, «vornehmlich Mitglieder des FC Birr – aus logischen Gründen». 55 Anwesende stimmten dagegen.

Nicht zuletzt bezeichnet das Komitee die Vorlage als eine «Mogelpackung», denn: «Einerseits spricht der FC Birr in einem Flugblatt von einer Last von 360 000 Franken für die Steuerzahler, andererseits wurde aber ein Verpflichtungskredit von 710 000 Franken gesprochen.» Dies bedeute, dass wie im Jahr 2009, als der Souverän 1,2 Mio. Franken für den Bau der Fussballplätze bewilligte, die Stimmbürger an der Nase herumgeführt würden. Damals habe eine massive Kreditüberschreitung zulasten der Einwohnergemeinde resultiert, stellt das Komitee fest.

30 Tage zum Sammeln

Gemäss Gemeindegesetz und Gemeindeordnung ist der Fall klar, sagt Gemeindeschreiber Alexander Klauz: Ein Fünftel der Stimmberechtigten kann innert 30 Tagen das Referendum verlangen. Konkret besteht die Möglichkeit, bis zum 13. Juli die aktuell nötigen 383 Unterschriften zu sammeln.

Völlig überrascht sind die Verantwortlichen des FC Birr nicht über die Ankündigung, dass das Referendum ergriffen werden soll. Entsprechende Stimmen seien bereits im Vorfeld zu hören gewesen, sagt Giovanni Carta, Vorstandsmitglied und Projektleiter Sportstätte. Trotzdem sei natürlich, nach der Freude am Freitag, eine gewisse Enttäuschung zu spüren. «Es wurde sehr viel Zeit und Herzblut in das Projekt investiert. Wir werden nun mit der SVP Birr das Gespräch suchen.»

Die Vereine profitieren

Dass der FC Birr auf die neue Sportstätte angewiesen ist, steht für Carta ausser Frage. Die bestehenden engen Platzverhältnisse in der Sporthalle lassen, hält er fest, nur vorübergehend eine Nutzung durch den FC Birr zu. Auch sei die Sportstätte notwendig, um die steigende Anzahl Mitglieder aufnehmen zu können. «Dazu dient dieser Neubau ebenfalls den wachsenden Bedürfnissen weiterer Vereine, wie beispielsweise des Turnvereins, des Beach Soccer Clubs oder des Damenturnvereins», betont der Projektleiter.

Die Unterbringung verschiedener Vereine in einem gemeinsamen Gebäude, fügt er an, werde Synergien ermöglichen. «Das Gebäudekonzept begünstigt eine engere Zusammenarbeit. So werden die Räume nach Nutzungszeit aufgeteilt und nicht einem bestimmten Verein zugewiesen.» Kurz: «Dank dem neuen Gebäude können Bedingungen geschaffen werden, die dem Bedarf der mitwirkenden Vereine in quantitativer und qualitativer Hinsicht gerecht werden», fasst Carta zusammen.

Die Projektgruppe und der Vorstand wollen nun abwarten, ob das Referendum tatsächlich zustande kommt. Sollte dies der Fall sein, hofft Carta, dass das Stimmvolk den Vereinen und der Jugend die Sportstätte gönnt und in die Zukunft investiert. Weder könne die Rede sein von einem «Zufallsmehr» noch handle es sich um eine «Mogelpackung», hebt der Projektleiter hervor. Auch werde mit falschen Fakten argumentiert. Tatsache sei, dass das Projekt Sportstätte die Gemeinde selbst 360 000 Franken koste. Würden die zu erwartenden Sponsorengelder gänzlich ausbleiben, wären es maximal 422 000 Franken, legt Carta dar.

Informationsanlass Am Montag, 20. Juni, 19 Uhr, führt das Referendumskomitee eine öffentliche Veranstaltung in der «Linde» in Birr durch.

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