Pizza-Tour
Das Problem mit dem Codice Fiscale

Ohne Codice Fiscale geht in Italien gar nichts. Man braucht diese italienische Variante unserer AHV-Nummer für praktisch alle Verträge, selbst für den Kauf einer Prepaid-Sim-Karte. Dieses Thema hat uns heute im Tim-Shop Meran beschäftigt.

Martin Gysi
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Hier im Tim-Shop von Meran stellte sich die Gewissensfrage: Codice Fiscale oder nicht?

Hier im Tim-Shop von Meran stellte sich die Gewissensfrage: Codice Fiscale oder nicht?

Gysi

Ein Handy-Abo kann man in Italien nur dann lösen, wenn man einen Codice Fiscale und ein italienisches Bankkonto hat. Für eine Prepaid Karte braucht es «nur» den Steuercode. Da es fast einfacher ist, ein Kamel durch ein Nadelöhr zu bringen, denn als Ausländer in Italien ein Bankkonto eröffnen zu können, blieb für uns nur die Prepaid-Variante. Denn eine italienische AHV-Steuer-Nummer zu lösen, ist erstaunlicherweise überhaupt kein Problem. Über die Homepage der italienischen Gemeinden kann dies jedermann tun. Man gibt seine persönlichen Daten - Name, Vorname und Geburtstag ein, sowie seinen italienischen Wohnsitz. Italienischer Wohnsitz? Wir wählten Porto Cesareo, wo wir rund zwei Monate bleiben werden. Problem erledigt! Schon in der Schweiz. Das funktioniert einwandfrei.

Und die Folgen?
Als wir im Tim-Shop von Meran standen, bei uns wäre das der Swisscom-Mobile-Shop, und geduldig eine halbe Stunde warteten, bis unsere Nummer aufgerufen wurde, kamen mir plötzlich Zweifel. Welche Folgen könnte das haben, wenn man sich so mir nichts dir nichts als italienischer Steuerzahlungsberechtigter registriert? Angenommen, ein Mitarbeiter des Steueramts von Porto Cesareo stellt plötzlich erfreut fest, dass er einen zusätzlichen potenziellen Steuerzahler hat, findet diesen aber nicht. Er wendet sich an die Guardia di Finanza. Diese delegiert zwei Beamte ab, um dem Fall nachzugehen. Es dürfte nicht schwer sein, um festzustellen, dass es sich beim gesuchten Steuerschäfchen um einen gewissen Martin Gysi aus Lupfig handelt. Nun müsste man noch wissen, ob dieser ein für Porto Cesareo relevantes Einkommen hat.
Die tüchtigen Beamten finden nun weiter heraus, dass ein italienischstämmiger Secondo im Lupfiger Gemeinderat sitzt, und dass es sich dabei um einen ehemaligen Spitzenfussballschiedsrichter handelt. Die beiden versuchen nun, Nino mit zwei Tickets für den nächsten AC-Milan-Match zu ködern, was prompt in die Hosen geht. Nino informiert den Gemeindeammann und Grossrat Richi Plüss, dieser deponiert daselbst eine dringliche Interpelation. Damit ist die Causa auf der politischen Ebene und damit auch in den Medien. Simonetta Sommaruga gerät in Zugzwang und erlässt einen Haftbefehl gegen die zwei italienischen Steuerbeamten. Im Gegenzug erhebt der Corriere della Sera Anklage gegen Simonetta, worauf diese nicht mehr nach Italien reisen kann, ohne zu riskieren, verhaftet zu werden. Zumindest aus persönlicher Sicht wäre das doch eine wesentlich drakonischere Strafe, als nicht mehr nach Deutschland zu dürfen!
Will ich das wirklich riskieren? Doch einmal mehr siegt der Eigennutz über das Gemeinwohl und ich setze den Codice Fiscale ein, mit allen Konsequenzen die das haben kann.
Sorry Simonetta!

Nachzutragen wäre, dass wir die Sim-Karten bar bezahlen mussten, da im Tim-Shop leider nur italienische Kredit- und Maestrokarten akzeptiert werden können! Seit wann hat das Plastikgeld eine Nationalität?

Velo gefahren sind wir trotzdem noch. Bei Sonne und Regen auf dem genialen Etschtalradweg von Naturns über Meran nach Bozen: 56 km, 157 Höhenmeter - meistens ging es allerdings bergab.