Brugg
Das portugiesische Restaurant «Grotto» verführt mit Leidenschaft

Mit dem portugiesischen Restaurant Grotto hat sich die ehemalige Lebensmittelingenieurin Brigit Gerber einen Lebenswunsch erfüllt – bei ihr bezahlen die Leute gerne etwas mehr.

Janine Müller
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Carlos Barradas de Ascenção und Brigit Gerber sind stolz darauf, Bruggs Restaurant Nummer 1 auf Tripadvisor zu sein.

Carlos Barradas de Ascenção und Brigit Gerber sind stolz darauf, Bruggs Restaurant Nummer 1 auf Tripadvisor zu sein.

Janine Müller

Was früher mal ein Traum war, ist heute für Brigit Gerber Wirklichkeit. Am 10. März feiert sie mit dem portugiesischen Restaurant Grotto das zehnjährige Bestehen. Den Wunsch, ein Restaurant zu führen, hatte die 58-Jährige schon früh. Bereits als sie an der ETH die Ausbildung zur Lebensmittelingenieurin machte, träumte sie von einem eigenen Lokal.

Ihr Vater sagte damals zu ihr: «Warum bezahle ich dir eigentlich ein teures Studium, wenn du doch sowieso wirten willst?» Nun, es dauerte dann doch fast 30 Jahre, bis Brigit Gerber dann Wirtin wurde.

Zuvor arbeitete sie als Lebensmittelingenieurin bei der Migros und bei Coop in Produktionsbetrieben. 1998 wurde sie selbstständig und wirkte als Beraterin von Lebensmittelproduzenten und -importeuren sowie als Fachdozentin für Produkte-Entwicklung, Backwaren, Qualität und Gesetzgebung an der Fachhochschule Zollikofen und am Inselspital Bern (Diätköche, Ernährungsberatung).

Erst im Alter von 40 Jahren entdeckte sie die Freude und Lust am Reisen. Macao, Brasilien, Madeira, die Kapverdischen Inseln. Auf den Kapverdischen Inseln traf sie auf Irma Huber, welche die Wanderferien als Reiseleiterin betreute.

Nach dem Wein das Restaurant

Rasch merkten die beiden Frauen, dass sie denselben Traum haben: ein eigenes Restaurant. Doch zuerst zog es Brigit Gerber und Irma Huber auf das portugiesische Festland. «Wir haben an einem Abend wohl ein Glas Wein über den Durst getrunken. Jedenfalls entschlossen wir uns, guten, portugiesischen Wein in die Schweiz zu importieren», sagt Brigit Gerber und muss schmunzeln.

Zurück in der Schweiz gründeten die beiden eine Firma, begannen mit dem Weinimport. 2004 lockte dann die Übernahme eines Restaurants in Brugg. Der Kaufvertrag wurde Ende 2004 unterschrieben, am 10. März 2005 war dann Eröffnung. «Ich wollte von Beginn an Besitzerin der Räumlichkeiten und des Restaurants sein, nicht nur Pächterin», sagt Brigit Gerber bestimmt.

Beiden Frauen war schnell klar, dass das «Grotto» portugiesische Küche anbieten soll. Eine Küche, die in der Schweizer Restaurant-Landschaft nicht gerade alltäglich ist. Eine Küche, die sie auf ihren Reisen kennen und lieben gelernt haben.

Krank sein? Liegt nicht drin!

Zuerst kochte Irma Hubers portugiesischer Partner, nach fünf Jahren übernahm Brigit Gerber das Restaurant alleine. Irma Huber sehnte sich nach dem Reisen, wollte wieder Reiseleiterin sein.

Lange suchte Brigit Gerber nach einem portugiesischen Koch. Carlos Barradas de Ascenção bewarb sich, einige Stunden später hatte er den Job als Koch im «Grotto». Der von der Blumeninsel Madeira stammende Koch musste sich selber aber an die portugiesische Küche gewöhnen. Am Anfang telefonierte er oft noch mit seiner Mutter, um Rezepte zu besprechen. Heute wirbelt er in der Küche, zur Seite steht ihm lediglich eine Assistenz, während Brigit Gerber für den Service zuständig ist. Krank werden? Das liegt fast nicht drin.

Carlos Barradas de Ascenção teilt die Freude an der portugiesischen Küche mit Brigit Gerber. Beide schwärmen von der Einfachheit der lusitanischen Gerichte, deren Charakter mit verschiedenen Gewürzen unterstrichen wird. Und beide legen sie grossen Wert auf die Qualität der Lebensmittel. Fleisch und Gemüse sind wenn irgend möglich Bio und aus der Region. Beim Fisch achtet Brigit Gerber auf das MSC-Label (gegen Überfischung).

Der Einsatz für gute Qualität hat Folgen: Im Tripadvisor-Ranking – eine Touristikwebsite, auf der man Bewertungen abgeben kann – ist das «Grotto» unter den Brugger Restaurants auf Rang 1 zu finden. Das ist Motivation genug für Brigit Gerber, ihre Philosophie von frischer und authentischer Küche weiterzuverfolgen, auch wenn die Gäste dafür tendenziell eher etwas mehr bezahlen müssen als anderswo.