Ende März feiert das Jugendkulturhaus Piccadilly in Brugg das 50-Jahr-Jubiläum, womit es zu den schweizweit ältesten seinesgleichen zählt. Gleichzeitig scheint es so, als sei im «Pic», wie es in der Kurzform genannt wird, nicht mehr viel los – jedenfalls, was Kulturanlässe für die Über-16-Jährigen betrifft.

Vor wenigen Jahren noch fanden regelmässig Konzerte statt, das «Pic» führte ein gedrucktes Monatsprogramm und sogar am Donnerstagabend stand das Lokal als Beiz offen. Heute finden im «Pic» vergleichsweise wenig Konzerte statt. Und die Brugger Jugendliche scheinen abzuwandern: Eine kürzlich veröffentlichte Besucherumfrage des Badener Jugendkulturlokals Merkker hat gezeigt, dass Brugg bezüglich Herkunft der Merkkerbesucher an dritter Stelle liegt, nach Baden und Wettingen.

Auch überregional bedeutend

«Der Eindruck täuscht nicht», sagt Fredy Bill, Präsident des Trägervereins Piccadilly, der das Jugendkulturhaus im Auftrag der Stadt führt. Das «Pic» habe vor rund sechs Jahren «die absolute Hochblüte» erlebt. Dies dank der Veranstaltergruppe Thronstuhler, die unter anderem auch das Festival Free For Peace in Riniken auf die Beine gestellt hatte. Die jugendlichen Kollegen aus der Region hatten im «Pic» regelmässig Ska-Konzerte organisiert, die auch überregional eine grosse Besuchermenge anlockten.

«Diese Jugendlichen sind nun älter geworden und aus ihrem Schulungsraum, dem «Piccadilly», hinausgewachsen», sagt Fredy Bill. Dass im «Pic» nun eine Art Veranstaltungsvakuum herrsche, sei ein normaler Prozess, der bei Generationenwechsel in der Vergangenheit immer wieder stattgefunden habe. «Wir haben uns weder neu positioniert noch stehen weniger Ressourcen zur Verfügung.»

Kein reines Jugendkulturhaus

Im Gegensatz zum Merkker etwa habe das «Pic» neben den Kulturveranstaltungen für die Über-16-Jährigen auch einen Jugendarbeitsauftrag für die 12- bis 16-Jährigen. Zudem beherberge es den Mittagstisch für die Oberstufe. «Das ist eine Quelle für künftige Veranstalter.» Auch das Jubiläumswochenende, an dem einige Konzerte geplant sind, sowie das Stadtfest sieht Fredy Bill eine Chance, um neue jugendliche Veranstalter anzulocken. «Und es ist nicht so, dass im ‹Pic› gar keine Konzerte mehr stattfinden.» Zum Beispiel gäbe es eine monatliche Metal-Konzertreihe. «Das ist eine kleine Szene, der Musikstil ist nicht so mehrheitskompatibel wie Ska damals.» Im Herbst könnten auch wieder Eigenveranstaltungen stattfinden, wobei das nicht die primäre Aufgabe der Jugendarbeiter sei. «Das ‹Pic› stellt den Raum zur Verfügung und die Unterstützung durch die Leiter», sagt Fredy Bill.

Seit August 2011 ist Igor Simonides Stellenleiter im «Pic». «Es gleicht einem Ritterschlag, wenn das ‹Pic› mit dem Merkker verglichen wird», sagt er. Das «Pic» sei nämlich kein reines Jugendkulturhaus, es ähnele eher einem Gemeinschaftszentrum. «Das Altersspektrum reicht bis zu den 70-Jährigen.» Der Spannungsbogen sei gross, die Bedürfnisse lägen oft weit auseinander. «Und hier gibt es Grenzen – strukturelle wie ideelle – was ein ‹Piccadilly› leisten kann, da alles unter einem Dach beherbergt wird.»