Die SBB hat ein neues Auszuggleis für den Huckepackterminal bzw. das Auto-Auslieferungszentrum der Amag Birrfeld bis in den Bereich der ehemaligen Reichhold-Chemie bei Hausen verlängert. Das Projekt lag öffentlich auf und wurde im Baubewilligungsverfahren von der Gemeinde Lupfig und den zuständigen kantonalen Instanzen sanktioniert. Nach der Fertigstellung fallen jedoch zwei Vorkehrungen auf.

Erstens wurde die Weiche für das frühere Industriegleis ins Reichhold-Areal beseitigt. Wird diese verkehrstechnisch hervorragend positionierte Industriefläche demzufolge keinen Bahnanschluss mehr bekommen? Nein, der Schienenanschluss sei nach wie vor eine Option, bestätigt Lupfigs Gemeindeschreiber Anton Bossard. Die künftige Nutzung des Geländes sei nach dem Abbruch der Fabrikanlagen aber noch offen, man habe dazu die Arbeiten an einem Gestaltungsplan wieder aufgenommen. Die zögerliche Altlasten-Sanierung auf dem Areal scheint indessen noch nicht beendet zu sein.

Bach eingeengt

Zweitens kam das Ende des neuen Rangiergleises samt Prellbock auf die Uferböschung des Süssbachs zu liegen. Die dazu nötige Betonrampe verringert nun das Bachprofil – und zwar genau an der Stelle, wo der Süssbach vom Amag-Areal her mit relativ niedrigem Durchlass die Bahnlinie Brugg-Birrfeld unterquert und scharf nach Norden abbiegt.

Ob die nunmehr entstandene doppelte Verengung im Hochwasserfall – sofern er am Süssbach noch möglich ist – folgenlos bleibt, wird sich zeigen. Zurzeit besteht diese Gefahr nicht: Der Süssbach ist zu einem Rinnsal mit ein paar Wasserlachen verkümmert.

Zunehmende Belastung

Aber je mehr auf dem Birrfeld gebaut wird – und das wird es in enormem Ausmass, wie man in der Industriezone Lupfig sieht –, desto mehr schreitet die Bodenversiegelung und künstliche Entwässerung voran. Das bedeutet eine zunehmende Belastung der Kanalisation und des Abwasserkanals Birrfeld-Kläranlage Brugg-Windisch. Bei starken Niederschlägen wird Meteorwasser über den Hochwasser-Entlastungsstollen Birrfeld-Brugg West direkt in die Aare abgeführt. Der Süssbach ist für diese Funktion ziemlich ausgeschaltet.

Nachträgliche Erkenntnisse

Aus heutiger Sicht war diese künstliche – und teure – Hochwasserentlastung vielleicht nicht der Weisheit letzter Schluss. Mit einem natürlichen Rückhaltebecken am Nordrand des Birrfeldes und am Südfuss des Guggerhübels wären das Auffangen grösserer Wassermengen und die nachfolgende dosierte Abgabe in den Süssbach möglich gewesen. Dem Gewässer hätte ein steter Wasserabfluss mehr genützt, und damit wäre man kostenmässig wahrscheinlich erst noch besser gefahren.