Im letzten Sommer ist das Steueramt aus dem Kupperhaus an der Schulthess-Allee 4 in Brugg ausgezogen. Der Stadtrat wollte die Liegenschaft ursprünglich im ersten oder zweiten Quartal 2018 abbrechen lassen. Irgendwann soll auf diesem Areal unter anderem die zentrale Verwaltung entstehen. Gegen den vorzeitigen Abbruch des Kupperhauses regte sich im letzten Herbst Widerstand in der Bevölkerung, weil auf der Parzelle eine jahrelange Baulücke drohe. 

Der Stadtrat schob das Vorhaben auf, auch weil sich herausgestellt hatte, dass die Abbruchkosten von 50'000 Franken sehr wahrscheinlich höher ausfallen werden. Die Behörde machte den Weg für eine erste Zwischennutzung frei.

Im Winter quartierte Heinz Trachsel seine Modelleisenbahn- und Spielwerkstatt im Kupperhaus ein. All das brachte Katharina Soliva, die Tochter des in Schinznach-Dorf lebenden 92-jährigen Malers Bruno Mühlethaler, auf die Idee, im ehemaligen Brugger Steueramt eine Ausstellung mit einer Werkauswahl ihres Vaters und Grossvaters Ernst (1897–1974) zu organisieren. Beim Brugger Stadtrat ist sie damit sofort auf offene Ohren gestossen. Das Kupperhaus steht Soliva und ihrem Vater den ganzen Mai zur Verfügung. Die Vernissage findet am Freitag, 4. Mai, um 18 Uhr statt.

Über 500 Bilder gemalt

Bruno Mühlethaler ist in Brugg als Sohn des Landschafts- und Porträtmalers sowie langjährigen Zeichenlehrers der Bezirksschule Ernst Mühlethaler aufgewachsen. Brunos Studium in Chemie und Physik führte ihn beruflich zum Leiter des chemisch-physikalischen Labors des Landesmuseums in die Konservierungsforschung und in seinen letzten Berufsjahren war er als naturwissenschaftlicher Experte für Farbmaterialien am Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft tätig. Bruno Mühlethaler heiratete die Schinznacherin Elisabeth Buob.

Die Familie, zu der auch bald zwei Kinder gehörten, verbrachte ihre Ferien jeweils in Klosters, wo über all die Jahre zahlreiche Landschaftsbilder entstanden. Diese sind nach der Flutkatastrophe vom 22. August 2005 zu Dokumenten einer einst intakten Landschaft geworden, die es so heute nicht mehr gibt. Das Bild «Requiem einer Landschaft» wurde etwa 14 Tage vor dem zerstörerischen Unwetter gemalt – das Bild «Renaissance einer Landschaft» entstand 2014 an derselben Stelle und zeigt den seither stattfindenden Wandel.

Nach der Pensionierung wurde das Hobby zu Bruno Mühlethalers Passion. Noch heute malt er regelmässig, auch im Auftrag von Kunden. Entstanden sind bisher über 500 Werke. Wie viele davon in den verschiedenen Räumen im Kupperhaus ausgestellt werden, steht noch nicht definitiv fest. Klar ist, dass es seine bisher grösste Ausstellung sein wird. Als Hommage an den Vater werden auch einige Werke des beliebten Brugger Kunstmalers Ernst Mühlethaler zu sehen sein.

Geöffnet ist die Ausstellung im Mai vor allem an den Wochenenden nachmittags von 14 bis 18 Uhr, an den Freitagen von 16 bis 20 Uhr sowie zusätzlich am Donnerstag, 17. Mai, von 14 bis 18 Uhr. Während diesen Zeiten wird Bruno Mühlethaler selbst oder jemand von der Familie im Kupperhaus für die Besucher anwesend sein.

Miete wird keine verrechnet

Gegenwärtig seien beim Brugger Stadtrat keine weiteren Gesuche für das Kupperhaus hängig, sagt Stadtschreiber Yvonne Brescianini auf Nachfrage der Aargauer Zeitung. Sie ergänzt: «Kulturelle Zwischennutzungen sind noch bis zum Beginn der Heizperiode möglich.»

Mit Heinz Trachsel und Katharina Soliva sei eine Vereinbarung (Zeitraum, Versicherung, Zutritt) über die Zwischennutzung abgeschlossen worden. Soliva spricht von einem fairen Angebot. «Eine Miete wurde nicht erhoben, jedoch ein Pauschalbetrag für die Nebenkosten», erklärt Brescianini. Reinigungs- und Aufräumarbeiten würden ebenfalls dem Mieter verrechnet. Die Kosten für die Pauschale hängen von der Benützungsdauer ab, betragen jedoch mindestens 100 Franken.