Windisch
«Das Konzept hat sich bereits bewährt»: Gemeinde kontert Kritik am neuen Verkehrsregime

Während der Dauer der «Centurion Tower»-Baustelle ist sowohl für den Baustellen- als auch den Langsamverkehr ein neues Verkehrsregime eingeführt. Dies sorgte für Kritik. Nun äussert sich die Gemeinde.

Michael Hunziker
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Unmittelbar beim Fachhochschul-Campus haben die Arbeiten am «Centurion Tower» begonnen. Der Verkehr wird für die Dauer der Baustelle umgeleitet. mhu

Unmittelbar beim Fachhochschul-Campus haben die Arbeiten am «Centurion Tower» begonnen. Der Verkehr wird für die Dauer der Baustelle umgeleitet. mhu

Michael Hunziker

Beim Fachhochschul-Campus in Brugg-Windisch sind die Bagger aufgefahren. Der Bau des «Centurion Tower» hat begonnen. Entstehen wird ein 15-geschossiges Hochhaus mit Hotel, Dienstleistungsbetrieben sowie Miet- und Eigentumswohnungen. Während der Dauer der Baustelle ist sowohl für den Baustellen- als auch den Langsamverkehr ein neues Verkehrsregime eingeführt worden. Unter anderem gesperrt worden ist der untere Teil des Arenafusswegs für Fussgänger und Velofahrer – was für Kritik gesorgt hat.

«Wir konnten ein sicheres, vertretbares und vernünftiges Konzept erarbeiten und umsetzen», entgegnen nun Roland Schneider, Leiter Planung und Bau, sowie Michael Wülser, Bereichsleiter Tiefbau und Verkehr, in Windisch. «Dabei handelt es sich um eine lokale, temporäre Massnahme.» Schneider macht auf die Ausgangslage aufmerksam: Die Platzverhältnisse für den Bau des «Centurion Tower» seien knapp, die Baustelle grenze unmittelbar an die Steinackerstrasse sowie die untere Klosterzelgstrasse. Zwei Fragestellungen hätten sich im Vorfeld ergeben: Wie wird die Baustelle erschlossen und wie wird mit den Verkehrsteilnehmern umgegangen? «Man hat entschieden, durch einen Fachingenieur ein Logistikkonzept erarbeiten zu lassen.»

Kontaktgruppe wird beobachten

Grundsätzlich erschlossen wird die Baustelle über den Kreisel Bachthalen, fährt Schneider fort. In der ersten Bauphase – während dem Rohbau bis zur Fertigstellung der Decke über dem Untergeschoss – erfolgt die Zu- und Wegfahrt des Baustellenverkehrs über die Steinackerstrasse. Im Bereich der Einmündung in die Industriestrasse wird ein Verkehrsdienst im Einsatz stehen. «Er sorgt dafür, dass es zu keinen Friktionen kommt», sagt Schneider. Die Lastwagen kämen übrigens «just in time». Anders ausgedrückt: «Sie treffen ein, laden auf oder ab und fahren gleich wieder weg. Ziel ist es, dass sie nicht aufgereiht werden und warten müssen.»

Ab der zweiten Bauphase – dem Rohbau der Obergeschosse sowie dem Ausbau – ist die Zufahrt zur Baustelle vorgesehen über die Industrie- und die untere Klosterzelgstrasse, die Wegfahrt über die Steinackerstrasse. «Die Fahrzeuge können auf diese Weise flüssig zirkulieren ohne Gegenverkehr», so Schneider.

Kurz: «Der Vorteil dieses Konzepts ist, dass wir den gesamten Baustellenverkehr über das Industrieareal abwickeln können», fasst er zusammen. Weil die untere Klosterzelgstrasse während der ganzen Bauphase für den Durchgangsverkehr gesperrt bleibt, werde das angrenzende Wohnquartier nicht zusätzlich belastet durch den Verkehr. Eine Kontaktgruppe aus Vertretern von Bauherrschaft, Bauleitung, Verwaltung und Quartier wird die Situation beobachten und Rückmeldungen geben, damit bei Bedarf korrigierend eingegriffen werden kann.

Infrastruktur ist vorhanden

Trotz Baustelle sei die Hauptverbindung für den Langsamverkehr nach wie vor gewährleistet, betont Schneider. Ausweichen können die Fussgänger und Velofahrer auf die Campus-Treppen sowie die Zickzack-Route. «Es handelt sich um eine bestehende Infrastruktur.» Diese Verbindung für den Langsamverkehr sei 3 Meter breit, so Schneider. Sie verfüge über ein angenehmes Gefälle, eine Beleuchtung und ein Geländer, der Unterhalt sei sichergestellt.

Zwar gebe es zwischen Fuss- und Veloweg zwei Kreuzungspunkte, räumt er ein. «Das ist uns bewusst.» Er gehe aber davon aus, dass die Verkehrsteilnehmer die Augen offen halten, sich der Situation entsprechend angemessen verhalten und Rücksicht nehmen können. «Wie sich zeigte, hat sich das Konzept bereits bewährt.» Als Übergangslösung ist im unteren Bereich jetzt übrigens noch eine Rampe errichtet worden, oben wurde der Trampelpfad ausgebaut. Sobald es die Witterung es zulässt, werden laut Schneider – als Optimierung – Bodenmarkierungen angebracht.

Ideen bestanden unterschiedliche

Im Vorfeld seien unterschiedliche Ideen vorhanden gewesen für das Verkehrsregime rund um den «Centurion Tower». Die Beteiligten – auch der Kanton hat ein Wörtchen mitzureden – hätten sich viele Gedanken gemacht, blickt Schneider zurück. Vorgeschlagen wurde beispielsweise, den Arenafussweg leicht zu verschieben. Aber: «Wäre für die Dauer der Bauphase nur wenige Meter neben der bestehenden Treppenanlage eine aufwendige Lösung im Grünen realisiert worden mit einer befestigten Strasse, hätte das niemand verstanden.» Zusätzliche Massnahmen auf dem Trottoir der Zürcherstrasse – wie sie als Vorschlag ebenfalls ins Spiel gebracht wurden – sind laut Schneider nicht nötig und deshalb kein Thema.

Bereits am 20. Dezember des letzten Jahres sind dann an mehreren Stellen Tafeln aufgestellt worden, die auf das neue Verkehrsregime hinwiesen. Die Beteiligten hätten ihre Verantwortung wahrgenommen, sagt Schneider. Die Aussage, die Velofahrer und Fussgänger seien nicht abgeholt worden, kann er nicht verstehen. «Die Leute waren informiert, konnten Fragen stellen. Sie mussten sich nur etwas mit dem Thema befassen.»

Nach der voraussichtlich rund dreijährigen Bauphase wird der Arenafussweg für den Langsamverkehr wieder uneingeschränkt geöffnet. Mit dem Neubau entstehe ausserdem ein weiterer attraktiver Grünbereich, der die Umgebung aufwerte, sagt Schneider. «Das ist ein Gewinn, darauf freue ich mich.»