Am Anfang stand der Wunsch nach einem eigenen Friedhof. Für viele Riniker war es vor rund 50 Jahren unbefriedigend, dass sie ihre Verstorbenen nicht auf Gemeindeboden bestatten konnten. Eine ökumenisch engagierte Gruppe aus der Bevölkerung, genannt «Aktion Lee», setzte sich in der Folge nicht nur für einen eigenen Friedhof, sondern auch für den Bau eines ökumenischen Kirchenzentrums ein. Wie im Geschichtsbuch über die Katholiken in der Region Brugg zu lesen ist, waren am Bauprojekt neben der Reformierten Kirchgemeinde Umiken die Einwohnergemeinde Riniken, die römisch-katholische Kirchgemeinde Brugg und die «Aktion Lee» beteiligt. Letztere sammelte in der Bevölkerung für den Bau dank vieler erfolgreicher Veranstaltungen 100 000 Franken und spendete zwei Glocken.

Die katholische Kirchgemeinde hatte in den Jahren zwischen 1960 und 1970 dank Zuwanderung einen grossen Zuwachs an Gläubigen erfahren. Nicht nur war die Bevölkerung im ganzen Gebiet des heutigen Pastoralraums Region Brugg-Windisch gewachsen, der Anteil der Katholiken in Riniken beispielsweise hatte sich fast verdreifacht. Das Interesse war deshalb gross, ein kirchliches Zentrum im Norden Bruggs mit aufzubauen, das für Gottesdienste genutzt werden konnte und das Gemeindeleben vor Ort mit Anlässen stützte.

Ökumene nicht selbstverständlich

Ökumenische Zusammenarbeit war und ist jedoch keineswegs selbstverständlich. Wie es heute um die Ökumene unter einem Dach bestellt ist, darüber können die Koordinatorin des katholischen Pfarreirats, Judith Aranya, und der reformierte Pfarrer Wolfgang von Ungern-Sternberg berichten: «Der Tisch, an dem wir feiern, ist der gleiche. Die Reformierten nennen ihn Abendmahltisch.» Judith Aranya erklärt: «Findet ein katholischer Gottesdienst statt, so wird daraus ein Altar. Es kommt ein mobiler Tabernakel hinzu und die Osterkerze wird angezündet.»

Das brauchte in der Vergangenheit durchaus ein Zusammenfinden. Seit letztem Jahr findet sich im Raum etwa auch ein Taufbaum, der von katholischer Seite angeschafft wurde; er wird ganz selbstverständlich auch von den Reformierten benutzt. Obwohl das Feiern von ökumenischen Gottesdiensten eine eingespielte Sache ist, brauche es trotzdem ab und zu Humor, erzählt Wolfgang von Ungern-Sternberg.

Raum für Veranstaltungen

Neben den Gottesdiensten bietet das Gebäude als funktionales Mehrzweckgebäude viel Raum, um die unterschiedlichsten Veranstaltungen anzubieten. Konzerte, Theaterabende, und Gemeindeversammlungen wechseln sich ab. Judith Aranya schätzt dies: «Für mich als gebürtige Österreicherin waren Gottesdienste in einem Mehrzweckraum neu. Ich war mich an sakrale Gebäude gewöhnt. Aber mit herkömmlichen Kirchenbauten verbindet man das Traditionelle, das Strukturierte, das etwas weniger Flexible vielleicht. Dafür wirkt hier ein anderer Aspekt sehr stark: die Gemeinschaft. Es gibt viele Menschen, denen es wichtig ist, dass man miteinander auskommt und im Austausch ist.»

Beide ökumenischen Partner – Aranya und von Ungern-Sternberg – können sich vorstellen weiterhin grössere Aktionen umzusetzen, mit denen sich das Evangelium vermitteln lässt. Von Ungern-Sternberg schwebt etwa eine theatermässige Einführung für Weihnachten vor, an dem sich viele Menschen als Schauspieler beteiligen würden. Das unterstützt Judith Aranya: «Egal, was hier an Action geliefert wird, es soll Begegnung stattfinden. Es geht nicht um den Showeffekt, sondern um den Boden der Aktionen, aus dem das Leben wächst.»