Von Filmklassikern wie «Casablanca» bis «Intouchables», von Bühnenauftritten mit Heidi Happy bis Tinu Heiniger: Unzählige Besucher im Brugger «Odeon» haben den Stühlen zugesetzt.

Nicht, dass die massiven, grauen Sitzgelegenheiten aus den Sechzigerjahren alle in einem schlechten Zustand wären. Im Gegenteil.

Aber Ersatzteile sind kaum mehr erhältlich. Die Verantwortlichen des Kulturhauses haben deshalb entschieden, die Stühle zu verschenken. Einzige Bedingung: Sie müssen abgeholt werden.

Eine Aufforderung, der die Kulturliebhaber noch so gerne nachkommen. Hans Emmenegger baut ein Bauernhaus um – und wird in Zukunft Platz haben für ein veritables Heimkino. Zehn Stühle hat er reserviert. «Sie passen perfekt und sorgen für den stimmigen Rahmen», schwärmt er, während er die Schrauben von der Bodenverankerung löst.

«Das ist eine super Gelegenheit, dafür bin ich dankbar.» Ähnlich tönt es bei Patrik Ausderau, der in der Region aufgewachsen ist und sieben Stück für seine WG in Zürich abholen kann.

Von der Aktion habe er per Zufall erfahren, die Stühle eignen sich – auf einer Bodenplatte fixiert – für die Dachterrasse, die neu gestaltet werden soll. «Das wird cool, daran werden wir unsere Freude haben.»

Ein bisschen Wehmut ist dabei

Eventmanagerin Monika Strebel will mit ihren sechs Kinostühlen eine spezielle Sitzgelegenheit in ihrem speziellen Haus schaffen – nicht zuletzt für ihre Kunden. «So etwas erwartet niemand.»

Zwei Männer haben an diesem Dienstagvormittag den Weg aus dem Kanton Glarus unter die Räder genommen, weiter fährt ein Lastwagen im Auftrag des Alpinen Museums in Bern vor. 24 Stühle werden eingeladen.

«Odeon»-Betriebsleiter Stephan Filati freut sich sichtlich über das grosse Interesse – auch wenn die Aktion mit Wehmut verbunden sei. «Die Stühle haben sehr gut hierher gepasst.» Weil ein Grossteil in einem intakten Zustand sei – mit Ausnahme vielleicht der ersten Reihe Balkon, die ist laut Filati etwas durchgesessen – kam der Wunsch auf, die Sitzgelegenheiten weiterzuverwenden. «Das macht Sinn.»

Neu sind es 184 Plätze

Im «Odeon» wird die sechswöchige Sommerpause auch genutzt, um den Innenraum sanft zu renovieren: Saniert werden der Boden sowie die Elektroinstallationen und neu gestrichen werden die Wände.

Gleichzeitig kann die Rollstuhlgängigkeit verbessert werden. Erstellt wird einerseits eine Rampe und eingerichtet werden andererseits sechs Rollstuhlplätze. Diese entsprechen gemäss dem Betriebsleiter einem Bedürfnis. «Dem tragen wir gerne Rechnung.»

Anfang August schliesslich werden die neuen Stühle montiert. Mit 184 Stück wird die Anzahl um 6 leicht reduziert. In Farbe und Erscheinungsbild unterscheidet sich das Modell indes nicht grundsätzlich vom heutigen, stellt Filati fest. Allerdings: Es verfügt über eine etwas höhere Rückenlehne und eine stärkere Polsterung. «Das wird sehr bequem sein.»

Vereinzelte Stühle sind noch zu haben. Wer sich eines der begehrten Exemplare ergattern will, der muss pressieren: Heute Mittwoch, ab 10 Uhr, werden die letzten verschenkt.