Auenstein/Veltheim
«Das ist unsere Landschaft»: Jetzt sammeln die Gegner der Steinbruch-Erweiterung Unterschriften

Die Gruppe «Pro Auenstein» hat heute eine Unterschriftensammlung lanciert. Damit wollen sie die geplante Steinbruch-Vergrösserung der Zementfabrik Wildegg verhindern.

Urs Helbling und Janine Müller
Merken
Drucken
Teilen
Der riesige Steinbruch ob Auenstein: Grossrat Sämi Richner mit einem Kalkstein vom Abbau.

Der riesige Steinbruch ob Auenstein: Grossrat Sämi Richner mit einem Kalkstein vom Abbau.

Chris Iseli

Grossratskandidatin Angélique Flach (GLP) und alt Grossrat Sämi Richner machen keinen Hehl daraus, dass sie als Anwohner von der geplanten Steinbruch-Erweiterung der Zementfabrik Wildegg ganz direkt betroffen wären. Die Exponenten der Gruppe «Pro Auenstein» glauben aber, viele Leute hinter sich zu haben. Deshalb lancierten sie heute eine Unterschriftensammlung. Diese dauert bis zum 2. November. Zwei Tage später geht das Mitwirkungsverfahren für die Richtplan-Anpassung zu Ende. Damit sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Zementfabrik weitere 25 Jahre Rohstoffe abbauen kann – auf dem Gebiet der Gemeinden Auenstein und Veltheim.

Heute hat die Zementfabrik nur noch Rohstoffreserven für fünf bis sieben Jahre. Sie beschäftigt über 100 Personen. Die vorgesehene Ausdehnung des Planungsperimeters umfasst 8,3 Hektaren Fruchtfolgeflächen und 6,6 Hektaren Wald. Neben der Steinbruch-Erweiterung ist auch das Deponievorhaben Jakobsberg (bereits jetzt im Richtplan) umstritten. Vor allem wegen der Nähe zu den Siedlungen «Nur 33 Meter – das geht einfach nicht», empört sich Sämi Richner.

Vorgeschlagener Richtplan-Eintrag: Die roten Flächen zeigen die Steinbruch-Erweiterungen, die gelbe Linie die Gemeindegrenze zwischen Auenstein und Veltheim.
Die «Pro Auenstein» möchte der Zementfabrik nur eine kleine Fläche zwischen den bestehenden Steinbrüchen (oben Mitte) zugestehen:

Nur Mini-Reserve zugestehen

«Pro Auenstein» fordert eine massive Redimensionierung der Ausbaupläne. Der Zementfabrik soll nur eine kleine, zusätzliche Abbaufläche zugestanden werden. Das dürfte nur für ein paare Jahre reichen.

Sämi Richner kritisiert, dass die Arbeitsgruppe, die das Planverfahren bisher begleitet habe, missbraucht worden sei: «Hätte sie in Tat und Wahrheit beim Richtplanvorschlag mitbestimmen können, wäre er garantiert anders herausgekommen.» Die in der Arbeitsgruppe eingebrachten Forderungen seien nicht in das Konzept der Jura Cement Fabriken (JCF) und des Baudepartements (BVU) eingebracht worden. Die Unterlagen des BVU seinen «in PR-Manier mit bedenklichen Faktenfehlern verfasst worden».

Angélique Flach kritisiert die Landschaftsveränderungen. «Wir möchten das Landwirtschaftsland und den Wald, den wir an den Steinbruch gaben, wieder zurück. Und zwar in Form einer ansprechenden Landschaft.» Dass der Zementfabrik mit der Mini-Reserve, die ihr «Pro Auenstein» zugestehen möchte, der Rohstoff schon bald ausgehen könnte, kümmert Angélique Flach nur bedingt: «Das ist mir eigentlich egal. Das ist unsere Landschaft. Manchmal ist es Zeit, eine Notbremse zu ziehen.»

Widerstand auch in Veltheim

Das Mitwirkungsverfahren begann bereits Anfang August. Warum starten die Auensteiner ihre Unterschriften-Sammlung erst jetzt? Sie seien zuerst kläglich gescheitert, an der Flut der Unterlagen, erklärt Flach. «Pro Auenstein» kämpft nicht direkt gegen die Erweiterung auf dem Gebiet von Veltheim, findet diese aber unmöglich. Die dortige Opposition soll unterstützt werden.

Auch in Veltheim formiert sich Widerstand. An der Unterschriftensammlung von «Pro Auenstein» beteiligt sich die «IG Pro Au», die mittlerweile offiziell ein Verein ist, nicht. Schliesslich seien die Gemeindegrenzen dazwischen. In Veltheim konzentriert sich die IG auf die Mitgliedersuche. Hier hegt man die Hoffnung, dass man sich an der Gemeindeversammlung gegen die Erweiterung des Steinbruchs ausspricht. «Die Gemeindeversammlung ist unsere einzige Chance», sagt IG-Vertreter Fritz Kobel.