Schauen Sie sich doch einmal meine Pflanze an; die ist besonders.» Heidi Lauper klingt besonnen, dabei würde sie wohl vor lauter Freude an die Decke springen. Die Neugier der Journalistin ist geweckt, auch wenn sie sich das Pflanzenwunder nur umrisshaft vorstellen kann. – Die Fahrt zu Heidi und Benedikt Lauper kommt einem Mini-Ausflug in die alpine Welt gleich. Eine schmale Riniker Strasse windet sich immer mehr in die Höhe – bis zum letzten Bauernhof vor dem Wald.

Heidi Lauper steht unter der Türe: «Kommen Sie herein.» Auch mit nassen Schuhen? Kein Thema. Und da steht sie! Sie, die Klivie oder Clivia miniata, laut Wikipedia «eine der sechs Pflanzenarten in der Gattung der Klivien aus der Familie der Amaryllisgewächse». Das kann, muss man aber nicht wissen, wenn man vor dieser Klivie steht und einfach baff ist.

«Das gab es noch nie»

Diese Klivie beansprucht durch die Fülle ihrer glänzenden, kraftstrotzenden Blätter und ihrer prachtvollen, orangen Blüten das gesamte Entree. Heidi Lauper schätzt, dass die Pflanze etwa 2,20 Meter hoch ist. Nicht geschätzt, sondern Tatsache sind die 25 Blüten. «Dass so viele zum selben Zeitpunkt blühen – das gab es noch nie.» Das verblüfft selbst Heidi Lauper, die ihre Klivie aus dem Effeff kennt. Diese ist mit 75 Jahren älter als ihre Besitzerin – alle Achtung. Heidi Lauper hat die Pflanze geerbt – von ih-rer Schwiegermutter, die einst auf dem Bauernhof lebte. «Die Pflanze wurde vor dem Zweiten Weltkrieg hierher gebracht», sagt Heidi Lauper. Seither erfreut die Klivie die Herzen der Laupers.

Den Winter verbringt sie, die Blüten gegen das Licht gereckt, im Haus; den Sommer unter einem grossen Baum. Die Zügelaktion fordert die Laupers jeweilen, doch jeder Handgriff sitzt. Ab und an, sagt Heidi Lauper, werde sie gefragt, ob sie die Klivie nicht «zerteilen» wolle. «Niemals», winkt die gebürtige Thurgauerin mit dem sympathischen Ostschweizer-Dialekt ab. «Dafür hänge ich viel zu sehr an meiner Klivie.» Vielleicht erliegt die Journalistin in diesem Augenblick einer akustischen Täuschung. Sie hört, wie 20 Mutterkühe, 20 Jungtiere und ein Muni zustimmend muhen.