Brugg
Das Hospiz Palliative Care ist 20 – das heisst: «Tanken Sie Kraft»

Seit 20 Jahren werden im Hospiz Palliative Care in Brugg Sterbende in einer würdigen Umgebung bis zum Tod begleitet. Ehrenpräsidentin Luise Thut musste hart für diese Institution kämpfen. Die Jubiläumsfeier fand im Stadtcasion Baden statt.

Elisabeth Feller
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So viel Freude am 20-Jahr-Jubiläum des Hospizes Aargau im Stadtcasino Baden. In der Mitte befindet sich Luise Thut, die 1994 das Hospiz im Kanton Aargau gegründet hat. Links wird sie flankiert von Ständerätin Pascale Bruderer und rechts von Beatrice Koller Bichsel, Co-Präsidentin von Hospiz Aargau. Fotos: Chris Iseli

So viel Freude am 20-Jahr-Jubiläum des Hospizes Aargau im Stadtcasino Baden. In der Mitte befindet sich Luise Thut, die 1994 das Hospiz im Kanton Aargau gegründet hat. Links wird sie flankiert von Ständerätin Pascale Bruderer und rechts von Beatrice Koller Bichsel, Co-Präsidentin von Hospiz Aargau. Fotos: Chris Iseli

Im Hospiz ist der Tod kein Notfall – Kommentar von Brugg Redaktorin Elisabeth Feller

Wer stellt sich nicht gelegentlich oder immer öfter die Frage: Wie wird mein Tod sein? Nicht nur das Wie, auch das Wo beschäftigt Menschen zunehmend. Ein Ort wie das Brugger Hospiz Palliative Care gilt jenen Schwerkranken als Lichtblick, die in ihrem Sterben liebevoll umsorgt und geborgen sein wollen. Wer ins Hospiz eintritt, weiss, dass es nichts mehr zu therapieren gibt. Eine palliative, schmerzlindernde Begleitung ist in dieser Lebensphase das Wichtigste – bis zum Sterben in Würde. Um es wieder einmal klar und unmissverständlich festzuhalten: Sterbehilfe leistet das Hospiz nicht. Das ist wichtig, wenn über die aktive Sterbehilfe diskutiert wird.

Selbst wenn das Thema Sterben und Tod heute mit weniger Tabus belegt ist als noch vor 20 Jahren, muss weiter aufgeklärt werden – auch im Hinblick auf das Hospiz. Ängste und Vorurteile? Angehörige und Freunde von Schwerkranken haben sie längst abgelegt, weil sie diese Erfahrung machen: Der Tod ist im Hospiz kein Notfall. Dort gehören Leben und Tod unverbrüchlich zusammen. Stirbt ein Mensch, schliesst sich der Lebenskreis.

Nun ist dieses Hospiz 20 Jahre alt – und das wird im festlichen Rahmen gefeiert: nicht in Brugg, sondern im Stadtcasino Baden. Neben Ehrenpräsidentin Luise Thut nehmen daran unter anderen Ständerätin Pascale Bruderer, die Wettinger Gemeinderätin und Nationalrätin Yvonne Feri, die Schinznacher Grossrätin Martina Sigg, Stephan Campi, Generalsekretär DGS (Departement Gesundheit und Soziales), und der Brugger Stadtammann Daniel Moser teil.

Hospiz Aargau in Brugg: Lange Wegstrecke

Luise Thut gründet 1994 mit Gleichgesinnten den Aargauer Hospiz Verein zur Begleitung von Sterbenden. 1998 wird die Luise-Thut-Stiftung gegründet. 2005 wird das erste stationäre Hospiz im Aargau – das Hospiz an der Reuss – mit vier Betten im ehemaligen Kloster Gnadenthal, Niederwil, eröffnet. 2010 zieht das stationäre Hospiz nach Brugg in das ehemalige Spital: Es verfügt über sechs Betten. 2014: Das Hospiz Palliative Care erweitert auf derselben Etage von sechs auf neun Zimmer. (AZ)

In erster Linie aber ist die Geburtstagsfeier für die rund 70 Freiwilligen, «die einen unbezahlbaren Einsatz leisten», wie Beatrice Koller Bichsel, Co-Präsidentin von Hospiz Aargau, in ihrer Begrüssung festhält.

Sterbenden beistehen und Angehörige entlasten: Das Hospiz hat sich einer vornehmen Aufgabe verpflichtet, für die es «weiter Pioniere braucht», wie später zu hören ist.

Pascale Bruderer hat als ehemalige Geschäftsführerin der Krebsliga mit dem Hospiz zusammengearbeitet. Damals sei ihr aufgegangen, wie wichtig dieses Angebot ist. Selbstverständlich sei dieses nicht. «Mir gefällt, dass beim Hospiz der Mensch im Zentrum steht», sagt Bruderer und betont: «Am meisten beeindruckt mich die ehrenamtliche Tätigkeit. Was wäre der Alltag ohne sie.»

Mit einem «Tanken Sie Kraft», wendet sich die Politikerin an die Anwesenden und verabschiedet sich mit einem Lächeln: «Zu Hause warten die Kinder auf mich.»

Eine Surprise ersten Ranges: Die Merry Sisters, der etwas andere Chor aus der Region Bremgarten, begeistern.

Eine Surprise ersten Ranges: Die Merry Sisters, der etwas andere Chor aus der Region Bremgarten, begeistern.

«Es ist wichtig, dass es sie gibt»

Um Leben und Tod kreisen alle Reden an diesem Abend – ohne belastend zu sein. Stephan Campi blickt zurück auf seine Zeit als Gemeinderat. Damals habe er ein Altersleitbild entwickeln müssen. «Da hat mir eine Mitarbeiterin gesagt: ‹Komm, wir machen den Tod zum Thema›.» Dieser gehört für Campi zum Leben, weshalb für ihn feststeht: «Geburt wie Tod sind Perlen» und – in Anspielung auf das Hospiz im Brugger Süssbach: «Im Aargau ist eine Perle entstanden.»

Auch Daniel Moser würdigt die grosse Leistung des Hospizes – «es ist wichtig, dass es dieses gibt» – und kündigt den baldigen Besuch des Brugger Stadtrats in dieser Institution an, «um sie aus eigener Anschauung» zu erleben. Zum Tod gehört das Leben: Wer hätte dieses witziger und lustvoller verkörpern können als die Abba-Medleys und Schweizer Hits singenden Merry Sisters aus dem Raum Bremgarten. Eine gelungene Surprise.

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