Kenia
Das Hobby von diesem Brugger Ehepaar: «Menschen helfen»

Für ihr Hilfswerk in Kenia ist das Ehepaar Gigliotti auf der Suche nach Spenden. In Afrika haben sie aus dem Nichts eine Schule aufgebaut, die heute von über 150 Kindern besucht wird.

Michael Hunziker
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Im Januar wird Antonio Gigliotti mit Frau und Sohn wieder nach Kenia reisen. ZVG

Im Januar wird Antonio Gigliotti mit Frau und Sohn wieder nach Kenia reisen. ZVG

Sport treiben, ins Kino gehen, Freunde treffen? Antonio Gigliotti aus Fislisbach und seine Frau Rita, die in der Brugger Altstadt seit 25 Jahren das Atelier Rita betreibt, haben ein anderes Hobby: «Wir helfen Menschen.» Ende der Neunzigerjahre starteten sie die Hilfsaktion «AntoRita Academy» in der Provinz Ukunda in Kenia. Brunnen sind gegraben, Schulzimmer realisiert und Mobiliar angeschafft worden. «Wir haben mit einer einzigen Lehrerin und 25 bis 30 Kindern begonnen», blickt Antonio Gigliotti zurück. Mittlerweile sind sechs Lehrpersonen sowie ein Hauswart an der Schule tätig, unterrichtet werden über 150 Mädchen und Buben.

Jetzt sollen eine Erweiterung mit zwei Klassenzimmern, einem überdachten Aufenthaltsbereich, einem Lager und einem Raum für den Hauswart sowie ein neuer Sportplatz folgen. Momentan fehlen in der Schule die Plätze für die kleineren Kinder, erklärt Antonio Gigliotti. Gerade diese seien tagsüber häufig unbeaufsichtigt, weil ihre Mütter auswärts arbeiten. In der «AntoRita Academy» werden sie den ganzen Tag betreut. Am Morgen und am Nachmittag findet der Unterricht statt, eine Frau aus der Nachbarschaft bereitet ein günstiges Mittagessen zu. Pro Mahlzeit müssen sich die Mütter mit nur etwa 5 Rappen beteiligen, «viel weniger, als in anderen Schulen in Kenia».

Ab Mitte Januar wird Gigliotti zusammen mit seiner Frau und einem seiner Söhne ein weiteres Mal für rund einen Monat nach Kenia reisen. Es sei ihm wichtig, nicht nur Geld zu überweisen, sondern selber anwesend zu sein. Für die Kinder sei es immer ein Fest, wenn sie kämen, fügt er an und lacht. Kein Wunder, schliesslich hätten sie immer Süssigkeiten im Gepäck.

Wandtafel aus Zement und Farbe

Die Schulhaus-Erweiterung wird laut Gigliotti mit 7000 bis 8000 Franken zu Buche schlagen. Er könne auf grosszügige Unterstützung zählen und einen Teil werde er selber übernehmen. Für den Rest ist er auf der Suche nach Spenden. Er hofft, dass die Schweizer in der Weihnachtszeit ein Herz haben für die Menschen in Kenia. Weil er nicht weiss, welcher Betrag zusammenkommt, müssen beim Bau Prioritäten gesetzt, Preisvergleiche angestellt und auch günstige Varianten gewählt werden.

Als Beispiel erwähnt Gigliotti die Fenster, die aus Rasengittersteinen bestehen und damit auf einfache Art und Weise für Licht und frische Luft sorgen im Klassenzimmer. Oder die Wandtafeln – «mein Patent», sagt Gigliotti und schmunzelt. Anstatt fabrikneue, teure Exemplare anzuschaffen, wird in den Schulzimmern der entsprechende Bereich an der Wand mit einem Holzrahmen und einer feinen Zementschicht versehen und mehrmals schwarz gestrichen.

Geeignete Handwerker für seine Vorhaben zu finden, sei übrigens kein Problem, fährt Gigliotti fort. In den vergangenen Jahren hat er viele Kontakte knüpfen können. Und weil er sich an Abmachungen hält und die Arbeiter für ihre Tätigkeit entschädigt – der Lohn beträgt wenige Franken pro Tag –, geniesst der frühere Schlosser heute einen ausgezeichneten Ruf. «Viele wollen mit mir zusammenarbeiten.»

Nicht immer ganz einfach sei es dagegen, das nötige Material – Holz, Zement, Farben – zu beschaffen oder die Geldbeträge in einer angemessenen Höhe den zuständigen Personen zukommen zu lassen. «Ich muss immer genau schauen, was ich wo kaufe und wem ich wie viel überweise.»

Ebenfalls kompliziert könne die Zusammenarbeit mit den Oberhäuptern der jeweiligen Dörfer und Regionen sein, weiss Gigliotti. Denn in Kenia herrsche eine andere Kultur als in der Schweiz. «Es kann zu Eifersucht und Konflikten kommen.»

Die gebürtigen Italiener Rita und Antonio Gigliotti reisten zum ersten Mal für einen Ferienaufenthalt nach Kenia. Bei einem Spaziergang mit einem befreundeten Missionar in der Provinz Ukunda stach ihnen die Armut der Menschen und der schlechte Zustand der Schule ins Auge. «Die Familien haben kaum etwas zum Leben und ernähren sich von Lebensmitteln, die bei uns in den Küchenabfällen landen würden.» Gigliottis beschlossen, zu helfen.

Brunnen noch immer in Betrieb

1997 organisierten sie ein Fest im Quartier in ihrer Heimatgemeinde Fislisbach. Rund 3000 Franken kamen zusammen. Mit dem Geld wurde im Dorf Mvumoni südlich von Mombasa ein Brunnen erstellt. «Dieser ist noch immer in Betrieb und liefert bis heute sauberes Wasser», sagt Gigliotti.

Auch wenn er es nach wie vor mit Herzblut für Kenia einsetze: Der Pensionär hofft, dass er dereinst einen Nachfolger für seine Hilfsaktion begeistern kann. «Es wäre schön, wenn Jüngere nachkommen würden.»

Spenden sind willkommen

Kenye, Antonio Gigliotti, Gassäckerstrasse 21, 5442 Fislisbach; Konto 50-69-8 (Hypothekarbank Lenzburg, 5600 Lenzburg); IBAN CH45 0830 7000 0788 9003 9;

Auskünfte bei Rita Gigliotti, Atelier Rita, Hauptstrasse 35, 5200 Brugg, Telefon 056 442 16 29.