Hausen

Das geschichtsträchtige Dahlihaus erhält eine Chance: Das Gebäude soll restauriert werden

Die Gemeindeversammlung sagt nach zähem Ringen Ja zum Verkauf: Robert und Veronika Kühnis können das Dahlihaus für 365'000 Franken kaufen. Gemeindeammann Eugen Bless wies aber mögliche Stolpersteine hin.

Das altehrwürdige Dahlihaus an der Holzgasse in Hausen bleibt stehen: Die ausserdordentliche Gemeindeversammlung hat dem Verkauf klar zugestimmt an Robert und Veronika Kühnis zum Preis von 365 000 Franken. Sie wollen das Hochstudhaus restaurieren (AZ vom 8. März).

Das Thema mobilisierte: 359 – von insgesamt 2274 – Stimmberechtigten waren anwesend in der Mehrzweckhalle am Mittwochabend. Sie sorgten für eine engagiert geführte Diskussion. Verkauf oder Abbruch lautete die Frage.

Ohne Gesicht und Geschichte

Die Befürworter eines Verkaufs legten dar, dass die markante Liegenschaft ein wichtiger Zeitzeuge und ein Stück Heimat sei, das Ortsbild präge und einen emotionalen und kulturellen Wert habe. Dank der Initiative von Robert Kühnis bleibe das Gebäude der nächsten Generation erhalten.

Ein Anwesender warnte vor einem Abriss, davor, zu einer identitätslosen Gemeinde zu werden – «ohne Grund und Not» – und rief dazu auf, mit Herz abzustimmen. Ein anderer äusserte sich in die gleiche Richtung: Von der Vergangenheit sei nicht mehr viel übrig in der Gemeinde. «Vieles, was das Dorf geprägt hat, ist verschwunden.» Bei einem Abbruch würde Hausen zu einem gesichts- und geschichtslosen Ort.

Der Käufer sei bereit, Geld in die Finger zu nehmen, habe eine Philosophie und eine Vision, betonte ein Stimmberechtigter. Auch wiesen die Befürworter eines Verkaufs darauf hin, dass die Gemeinde weder Sanierungs- noch Abbruchkosten zu übernehmen habe. Der Verkauf wirke sich stattdessen positiv auf die Finanzlage aus. Der Preis sei fair, der Kaufvertrag transparent.

Zwängerei unter Zeitdruck

Ganz anders tönte es bei den Gegnern des Verkaufs. Sie sprachen von einer Zwängerei unter Zeitdruck, äusserten Bedenken an den – ihrer Ansicht nach zu wenig konkreten – Formulierungen im Kaufvertrag, störten sich am zu tiefen Verkaufspreis. Einer sprach gar von einer läppischen Summe. Dieser «Kühnis-Handel» koste die Gemeinde viel Geld. Ebenfalls bestanden Zweifel an der Absicht des Käufers. «Es bleibt ein Risiko.»

Der Verein «Pro Dahlihaus», machte ein Anwesender den Vorschlag, soll sich am Wertverlust beteiligen. Wieso, fragte ein anderer, soll das letzte Bauland an bester Lage im Zentrum verkauft werden. Das Dahlihaus stehe weder unter Denkmalschutz noch sei es erhaltenswert, hielt ein weiterer Stimmberechtigter fest. «Mit einem Rückbau schaffen wir eine klare Situation.»

Einzelne der teilweise ausführlichen Wortmeldungen – über 20 waren es am Schluss – wurden spontan mit Applaus bedacht, andere mit einem Murren quittiert.

Es gibt noch Stolpersteine

Der Fall war schliesslich aber klar: Die Variante Verkauf obsiegte in der Gegenüberstellung mit 240 zu 113 Stimmen und wurde in der folgenden Abstimmung – genauso deutlich – mit 234 zu 113 Stimmen angenommen. Von einer geheimen Abstimmung wollten die Anwesenden nichts wissen. Ein Stimmberechtigter, der sich entweder für einen Abbruch oder aber einen höheren Verkaufspreis von 550 000 Franken starkgemacht hatte, zog seinen Rückweisungsantrag in letzter Minute zurück, damit es nicht zu weiteren Verzögerungen kommt bei diesem Projekt.

Gemeindeammann Eugen Bless wies zum Schluss der zweistündigen Versammlung darauf hin, dass es noch den einen oder anderen Stolperstein geben kann – Stichwort Baugesuch. Er hoffe aber, fügte der Gemeindeammann an, dass dieses Vorhaben gut gelinge, und er wünschte dem Käufer Robert Kühnis viel Glück. Letzterer zeigte sich beeindruckt von der lebendigen Debatte und dankte den Anwesenden sichtlich erfreut für das Vertrauen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1