Brugg
Das geigende Geburtstagskind kommt mit Geschenken

Sebastian Bohren hat viele Gründe, in der Reformierten Stadtkirche zu feiern. Am Konzert am 15. Dezember spielt er unter anderem Vivaldis «Vier Jahreszeiten», ein Ohrwurm sondergleichen – und es ist kein Zufall.

Elisabeth Feller
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Mit Vivaldis «Vier Jahreszeiten» spielt Sebastian Bohren wie schon vor vier Jahren in Brugg einen Ohrwurm sondergleichen.

Mit Vivaldis «Vier Jahreszeiten» spielt Sebastian Bohren wie schon vor vier Jahren in Brugg einen Ohrwurm sondergleichen.

zvg/Marco Borggreve

Der Geiger Sebastian Bohren sitzt im Flugzeug. Einmal mehr befindet er sich auf der Heimreise – heute von England in die Schweiz. Hinter ihm liegen Tage, die ihm kein Kennenlernen der Beatles-Stadt Liverpool, dafür aber der Friary erlaubt haben.

In diesem akustisch exzellenten Raum hat Bohren mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und dem Dirigenten Andrew Litton zwei Werke eingespielt, «wie sie in dieser Kombination bisher noch nicht auf CD vorliegen»: Das berühmte e-Moll-Werk von Felix Mendelssohn war das erste grosse Konzert, das der Teenager Sebastian einstudiert hat; mit Benjamin Brittens viel zu selten gespielter Komposition widmet sich der Geiger jetzt einer Reflexion über den Krieg.

Konzert: «Vier Jahreszeiten»

Unter diesem Titel steht das Konzert mit dem Brugger Geiger Sebastian Bohren
und dem jungen Ensemble Stringendo Zürich unter der Leitung von Jens Lohmann. Gespielt werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (Salzburger Sinfonie D-Dur KV 136), Antonio Vivaldi (Quattro Stagioni op. 8) und Samuel Barber (Adagio). Der Anlass findet am Freitag, 15. Dezember, in der Reformierten Stadtkirche Brugg statt; Beginn: 19.30 Uhr; Eintritt frei/Kollekte. (az)

Akribisch hat sich der international stetig mehr reüssierende Bohren auf die Produktion in Liverpool vorbereitet – und dazu vorgängig «so oft wie möglich» die Musikinsel Rheinau aufgesucht; ein Ort der Kontemplation – wie geschaffen, sich auf grosse Aufgaben einzustimmen. Probieren, verwerfen, feilen – beinahe wäre Sebastian Bohrens 30. Geburtstag untergegangen.

Umso mehr wird dieser in einigen Tagen gefeiert in der Reformierten Stadtkirche Brugg. «Meine Wurzeln sind hier», betont der Geiger. Deshalb macht er sich und seinem treuen Publikum ein Geschenk, an dem sich auch sein einstiger Lehrer Jens Lohmann und das junge Stringendo Zürich beteiligen. «In diesem Ensemble habe ich selbst einmal gespielt», freut sich der Musiker.

Bis auf den letzten Platz besetzt

Dass am 15. Dezember mit Vivaldis «Vier Jahreszeiten» ein Ohrwurm sondergleichen gespielt wird, ist kein Zufall. Vor vier Jahren hat Bohren diesen schon einmal in Brugg präsentiert – mit durchschlagendem Erfolg: «Es war das erste Mal, dass die Stadtkirche praktisch bis auf den letzten Platz besetzt war.» Was das für den Geiger bedeutet hat, lässt sich kaum ermessen.

Begonnen hatte einst alles mit dem Wunsch: «Ich will unbedingt auftreten. Doch wie komme ich zu Konzerten?» Der Vater riet: «Frag doch einmal in den umliegenden Kirchen, ob du in den Gottesdiensten spielen kannst.» Gesagt, getan. Schliesslich wurde man auf den Geiger immer aufmerksamer: und so kam es, dass dieser 2007 erstmals in Eigenregie einen Anlass in der Stadtkirche Brugg verantwortete.

Kein Geheimtipp mehr

Wie viele Konzerte er dort bis heute gespielt hat, weiss er nicht: «20? Oder 25?» Wie auch immer: Die unterm Namen Stretta Concerts Brugg segelnden, seit 2016 zusätzlich mit einem zweitägigen Kammermusikfest bereicherten Veranstaltungen sind kein Geheimtipp mehr.
Heute muss früh eintreffen, wer einen Sitzplatz in der Kirche ergattern will. Zumal dann, wenn das Geburtstagskind strahlend einen weiteren Gast präsentieren wird: die neue Geige.

Verflogen ist die Angst, was nach der Rückgabe der geliehenen Stradivari «King George» an die Stradivari Stiftung Habisreutinger passieren würde. Seit kurzem spielt der Musiker auf einer (ebenfalls geliehenen) Guadagnini, die einem Schweizer Geiger gehört hat. «Ich liebe sie», sagt Sebastian Bohren – und verstummt.

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