Es ist allgemein bekannt, dass das Gärtnern eine positive Wirkung auf den Körper und die Seele eines Menschen hat. Etwas mit Händen erschaffen, zuschauen, wie etwas wächst – das tut gut. Das weiss auch Ulrike Ehrhardt. Sie ist seit Jahren leidenschaftliche Gärtnerin. Die frisch pensionierte Berufsschullehrerin Pflege, ehemalige Gewerkschaftssekretärin sowie Leiterin der Frauenkommission des Kantons Aargau, war auf der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe in ihrer Freizeit. Zudem beschäftigte sie die Flüchtlingsthematik. «Die Flüchtlingswelle im letzten Sommer hat mich aufgerüttelt», sagt Ulrike Ehrhardt. «Ich wollte etwas Konkretes, Nützliches tun. Ein Stück Solidarität leben.»

Bei Heks, dem Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz, entdeckte sie ein Projekt – «neue Gärten» wird es genannt. Das Projekt sieht vor, schlecht integrierte Migrantinnen gemeinsam mit Schweizer Frauen gärtnern zu lassen. Dabei wird etwas Sinnvolles gemacht, gleichzeitig lernen die ausländischen Frauen auf einfache Art und Weise Deutsch und bauen zudem ein soziales Netz auf. Perfekt, dachte sich Ulrike Ehrhardt. Sie weibelte bei Gemeinden, bei sozialen Institutionen und Privatpersonen, warb für das Projekt. Das Echo sei immer positiv gewesen, doch niemand wollte das Geld aufbringen und eine freie Fläche, wo der Garten entstehen konnte, hatte scheinbar auch niemand. Die Suche verlief harzig.

Plötzlich ging es schnell

Dann lernte Ulrike Ehrhardt Margrit Schaller kennen. Auch sie ist frisch pensioniert, war früher als Sozialarbeiterin und Supervisorin tätig. Heute ist die SP-Frau noch als Bezirksrichterin tätig. Erfahrung hat sie im Führen eines biologisch bewirtschafteten Bauernhofs, zudem ist sie leidenschaftliche Schrebergärtnerin. Gemeinsam machten sich die beiden Windischer Frauen auf die Suche nach einem Stück Land für den Garten. Plötzlich ging es schnell. Ein Telefon an das reformierte Pfarrehepaar Weigl, einen Tag später war klar, dass das Projekt im Garten der Weigls an der Dorfstrasse 42 in Windisch gestartet werden kann. Dieses Stück Land liegt praktisch brach, niemand hat Verwendung dafür. Ein Wasserhahn für die Bewässerung ist vor Ort bereits installiert.

Perfekt also für die Pläne von Ulrike Ehrhardt und Margrit Schaller. Unterstützt werden sie auch von Kathrin Potratz vom Treffpunkt Integration. In ihrer Freizeit steht sie den beiden Frauen mit Tipps zur Seite. Mittlerweile ist klar: Ulrike Ehrhardt und Margrit Schaller haben alles so gut vorbereitet, dass Heks das Garten-Projekt gleich ins Programm der «neuen Gärten» aufnimmt. Das hat Ehrhardt am Donnerstagmittag erst erfahren. «Wir freuen uns riesig darüber», sagt sie. Denn das bedeutet auch eine gewisse finanzielle Unterstützung sowie die offizielle Anerkennung seitens des Kantons.

Platz für fünf Migrantinnen

Am 17. März startet das Projekt. Vorerst gibt es Platz für fünf interessierte Migrantinnen. Jeweils am Donnerstagnachmittag soll von 14 bis 17 Uhr im Garten gearbeitet werden. Dabei erhält jede Frau ein Beet, das sie selber bewirtschaften kann – sei es mit Salat, Gemüse, Kräutern oder Blumen. Die Nachmittage sind für die angemeldeten Frauen verbindlich. Sie erhalten dafür am Ende eine Bescheinigung, dass sie das Projekt besucht haben. Die Frauen können den Garten auch an anderen Tagen bewirtschaften, ihn mit ihrer Familie besuchen. Zwei Jahre lang darf eine Frau beim Projekt mitmachen. Dann sollte sie genügend integriert sein. Für die Frau wird eine Anschlusslösung, beispielsweise in einem Schrebergarten, gesucht.

Für das Projekt suchen Ulrike Ehrhardt und Margrit Schaller noch Frauen mit Gartenerfahrung, die sich freiwillig engagieren möchten. Auch Gartenmöbel in gutem Zustand sowie Werkzeuge werden nach Absprache gerne angenommen. Eine entsprechende Infoveranstaltung für Interessierte findet am Samstag statt.

Infoveranstaltung für Freiwillige am Samstag, 13. Februar, um 14 Uhr in Windisch. Interessierte melden sich vorgängig bei einer der Initiantinnen, um den genauen Ort zu erfahren. Weitere Infos bei Ulrike Ehrhardt, ulrike.ehrhardt@bluewin.ch oder 079 391 45 41; Margrit Schaller, margrit.schaller@bluewin.ch oder 079 734 57 83.