Brugg

Das Fahrverbot bedroht die Existenz seiner Pizzeria

Inhaber Pepe Misovski vor seiner Pizzeria an der Bodenackerstrasse. Timea Hunkeler

Inhaber Pepe Misovski vor seiner Pizzeria an der Bodenackerstrasse. Timea Hunkeler

Seit dem neuen Verkehrsregime in der Brugger Habsburgerstrasse schreibt die PizzArgovia rote Zahlen. Inhaber Pepe Misovski weiss nicht mehr weiter. Repol-Chef Heiner Hossli und Stadtammann Daniel Moser antworten.

«Früher kam ich mit einem Lachen in den Laden, jetzt habe ich Angst», sagt PizzArgovia-Inhaber Pepe Misovski. Die Existenz seines Ladens sieht er gefährdet. Laut Misovski ist das vor eineinhalb Jahren platzierte Fahrverbotsschild in der Habsburgerstrasse Grund dafür. Dieses erschwere seinen Kunden, die von der Aarauerstrasse kommen, den Zugang zur Pizzeria an der Bodenackerstrasse.

Durch das Fahrverbot muss Misovski mit einem Umweg von bis zu vier Minuten rechnen. Bei mehreren Bestellungen gleichzeitig ergebe das eine beachtlich längere Lieferzeit. Viele seiner Stammkunden haben Verständnis dafür. «Wenn ich jedoch Neukunden sagen muss, sie können mit ihrer Pizza erst in einer Stunde statt in 30 Minuten rechnen, wechseln diese zu einer anderen Pizzeria», sagt der 46–Jährige.

Zunehmend fehlende Kundschaft

Misovski fing vor 18 Jahren als Mitarbeiter in der Pizzeria an, die er dann drei Jahre später selbst übernahm. Nachdem er eine Mitarbeiterin vor sechs Monaten entlassen musste, führen er und seine Frau den Laden heute alleine. Das Geschäft lief immer gut – bis im Dezember 2014 das Fahrverbot, ausgenommen Zubringerdienst, in der Habsburgerstrasse aufgestellt wurde, wie die az berichtete.

Seither fehlt es Misovski an Kunden. «Die Leute haben nur wenig Zeit. Deshalb ist es vielen nicht möglich, den Umweg oder die längere Lieferzeit auf sich zu nehmen», erklärt er. Zudem werde seine Kundschaft regelmässig gebüsst, wenn sie auf dem Weg zur Pizzeria den oberen Teil der Habsburgerstrasse benutzt.

Das Lokal habe extra eine grosse Anzahl Parkplätze. Diese sollen ein schnelles und bequemes Abholen der Bestellung ermöglichen. Ein anderes Lokal in der Umgebung Brugg mit diesem Angebot zu finden, das zudem für Misovski bezahlbar wäre, sei fast unmöglich. Dennoch sucht die Familie bereits jetzt nach einem anderen Lokal. «Ich würde mir einfach wünschen, dass endlich jemand von der Stadt vorbei kommt und sich die Situation vor Ort ansieht», sagt der 46–Jährige. «Ich weiss nicht mehr, was ich machen soll», sagt er weiter.

Laut den Zahlen des Steueramts gingen die Einnahmen der Pizzeria im Jahr 2015 – ein Jahr nach Aufstellen des Fahrverbots – um 30 Prozent zurück. «In diesem Jahr rechne ich sogar mit noch mehr Prozent», sagt er. Er habe früher alleine am Mittag 20 bis 30 Pizzen verkauft. Heute sind es maximal 5. «Ich verkaufe meine Pizzen jetzt sogar für 10 Franken», erzählt Misovski.

Ausserdem habe er mit zunehmend schlechten Bewertungen auf Online-Portalen zu kämpfen. «Die langen Lieferzeiten und die Bussen tun mir sehr leid», sagt er. Durch den Stress haben er und seine Frau bereits gesundheitliche Probleme. «Wir sind nicht aus Eisen oder Stein. Die Existenzangst macht uns schwer zu schaffen», erzählt Misovski.

«Ich werde nicht aufgeben»

Misovski hat bereits zwei Briefe an die Stadt Brugg verfasst, um eine Aufhebung des Fahrverbots zu erzielen. Auf den letzten Brief, von Februar 2016, habe er bis heute keine Antwort bekommen.

Auf Anfrage der az bezieht Heiner Hossli, Chef der Regionalpolizei, in Absprache mit Stadtammann Daniel Moser wie folgt Stellung: «Der Brief von Februar ist aus unerklärlichen Gründen nicht beim Stadtrat eingetroffen und es wurde auch nie nachgefragt.»

Hossli findet ausserdem, dass der Anfahrtsweg lediglich aus Richtung der Aarauerstrasse zwar erschwert, jedoch zumutbar sei. Zudem sei das Geschäft von der Schönegg- und Badstrasse gut erreichbar «Die Sicherheit von Bewohnern eines Quartiers ist dem Stadtrat ausserdem sehr wichtig. Darum ist der Entscheid über das Fahrverbot auch so gefällt worden», sagt Hossli.

Ausserdem haben andere Läden an anderen Standorten auch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Mit einer Sonderlösung an der Habsburgerstrasse würde ein Prädenzfall geschaffen. Geht es so weiter, kann die Pizzeria laut Misovski noch maximal zwei Jahre bestehen.
«Ich werde nicht aufgeben», sagt er abschliessend.

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