Kunzareal in Windisch
Das einst grösste Schweizer Spinnerei-Areal wird zum trendigen Wohnquartier

Das ehemalige Areal der Spinnerei Kunz in Windisch ist fast fertig umgenutzt. Bis 2017 entstehen insgesamt 200 neue Miet- und Eigentumswohnungen.

Nik Dömer
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Spinnerei-Areal Kunz
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Plan der Wohnüberbauung Feinspinnerei.
Eine Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert der Spinnerei Kunz.
Schon damals markant: Die Zwillingsbauten und die heutige Spinnerei III.

Spinnerei-Areal Kunz

ZVG

Einst arbeiteten über 1000 Handwerker in der Spinnerei von Heinrich Kunz. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war das Kunzareal in Windisch sogar das grösste Industrieareal der Schweiz. Heute wird man hier kaum mehr eine Spindel zu Gesicht bekommen, denn wo früher die Fabrikhallen standen, sind nun komfortable Lofts, Wohnungen und Büroräume von der Immobilienfirma Hiag gebaut worden.

Trotzdem, das Flair der Spinnerei ist mit der Umnutzung nicht verloren gegangen. Betrachtet man eine der
50 Loftwohnungen in der Spinnerei III genauer, so fällt auf, dass die Decken teilweise noch aus dem ursprünglichen Bauholz der Industrie bestehen. Auch das Diesellokal und die Elektrowerkstatt erinnern noch an die alte Fabrikanlage. «Die wichtigsten Bauten auf dem Areal sind denkmalgeschützt. Dazu gehören Spinnerei I bis III und die Elektrowerkstatt. Das historische Diesellokal werden wir ebenfalls stehen lassen.», so der Arealentwickler Alex Römer.

Diesellokal wird zum Treffpunkt

Insgesamt hat die Hiag bereits drei Wohnprojekte auf dem Areal realisiert. Nebst den Lofts aus der Spinnerei III entstanden 61 Mietwohnungen im Überbauungsprojekt Spinnerkönig, die fast alle vermietet sind. Etwas weiter hinten, neben dem Rekrutierungsgebäude, stehen schon etwas länger die 63 Eigentumswohnungen des Projekts Stegbünt. Diese sind ebenfalls fast restlos verkauft. Nun möchte man noch in diesem Herbst mit dem Bau des vierten und letzten Wohnprojekts beginnen. Gemeint ist damit die Feinspinnerei, die sich unmittelbar neben dem Reusskanal befindet. 2017 sollen die 29 Eigentumswohnungen bezugsbereit sein.

Rückbau auf dem Kunz-Areal im 2012.
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Das Kunz-Areal aus der Vogelperspektive vor dem Rückbau 2012
Rückbau auf dem Kunz-Areal im 2012.
Rückbau auf dem Kunz-Areal im 2012.

Rückbau auf dem Kunz-Areal im 2012.

AZ

Bis zum Ende entstehen auf dem Kunzareal mit allen vier Projekten über 200 neue Wohnungen. Zudem vermietet die Hiag auch Gewerbeflächen. Im Gebäude Technopark 1 und in der Elektrowerkstatt haben schon diverse Unternehmen Büroräume gemietet. Das Kraftwerk und das dazugehörige Trafohaus auf dem Areal wurden der Axpo verkauft. Auch für die Kultur im Quartier ist gesorgt. Von Anfang an habe man den Austausch mit den Quartierbewohner aus dem Unterdorf gesucht und dabei festgestellt, dass grosses Interesse am Diesellokal besteht, erklärt Alex Römer. «Vor einiger Zeit hat es die Ausstellung Transform mit verschiedenen Künstlern auf dem Kunzareal gegeben. Dabei haben wir gemerkt, welche Qualitäten das Diesellokal hat.»

Mittlerweile gibt es einen Startverein, der das Diesellokal betreibt und Veranstaltungen organisiert. Somit gäbe das Lokal dem Areal eine Identität, erklärt Römer. Er sei froh, dass die Anwohner das Diesellokal beleben, so werde im jungen Quartier ein Treffpunkt geschaffen. Die Hiag stellt dem Verein das Lokal ohne Miete zur Verfügung.

300-jähriger Hochwasserschutz

Ein paar Fragezeichen gibt es auf dem Kunzareal jedoch noch. Zwei Stockwerke des Parkhausgebäudes «Heinrich» stehen zurzeit noch leer, bis die Renovationsarbeiten abgeschlossen sind. Dort werde man wahrscheinlich die Parkplätze für Mitarbeiter der Gewerbeflächen zu Verfügung stellen. Denn die Fläche zwischen Technopark 1 und Elektrowerkstatt, die zurzeit als Parkplatz benutzt wird, werde man wahrscheinlich anders nutzen, erklärt der Arealentwickler. Eine grosse Frage bringt auch noch die Zukunft des Rekrutierungszentrums mit sich. «Wir wissen noch nicht genau, wie lange das Militär Mieter bleibt. Aber dieser Prozess könnte noch lange dauern. Danach müssen wir die Lage neu beurteilen», betont Römer.

Für den Arealentwickler war die bisherige Umnutzung des Areals ein komplexes Projekt mit vielen Schnittstellen: «Es gab viele schwierige Punkte wie beispielsweise die Erschliessung. Wir haben ja mit der Spinnereistrasse quasi eine neue Strasse mit einem Anschluss an den öffentlichen Verkehr erschaffen.» Auch das Thema Hochwasserschutz sei eine Herausforderung gewesen. Schliesslich war das Unterdorf sowie das Kunzareal gleich zweimal in den vergangenen Jahren davon betroffen. Alle neuen Überbauungen inklusive Stegbünt wurden so gebaut, dass sie die nächsten 300 Jahre geschützt sind vor dem Hochwasser. Die gemeinsame Tiefgarage sei zudem wasserdicht, da diese bei hohem Grundwasser ansonsten gefährdet sein könnte, sagt Arealentwickler Alex Römer.