Brugg

Das Brocki im Brugger Rössli, ein kleines Heimatmuseum

Das Brocki ist ihr Reich: Yvonne Bertschi (links), Präsidentin des Frauenvereins und Monika Theilkäs, Leiterin der Brugger Brockenstube. EF.

Das Brocki ist ihr Reich: Yvonne Bertschi (links), Präsidentin des Frauenvereins und Monika Theilkäs, Leiterin der Brugger Brockenstube. EF.

Die Brockenstube hat sich im «Rössli» in Brugg gut eingelebt, nachdem man im Frühling aus der Alten Post ausziehen musste, weil dieses abgebrochen wird. Nun sucht das Brocki eine neue Leiterin.

Dass sie von ihrem geliebten Brocki bald Abschied nehmen muss, tut ihr weh: Aber Monika Theilkäs will sich beruflich neu orientieren, «und da wird eine ehrenamtliche Tätigkeit schwierig.»

In den angenehm im Ohr klingenden wienerischen Tonfall mischt sich leise Melancholie: Dem Brocki des Gemeinnützigen Frauenvereins Brugg und Bezirk (SGF) gilt Monika Theilkäs’ ganze Liebe.

Längst nicht mehr muffig

Sie und 18 ehrenamtliche Helferinnen sorgen dafür, dass die Räume im «Rössli» mit Möbeln, Spielsachen, Kleidern, Stühlen, Tassen, Geschirr, Kinderbetten und vielem mehr so belebt werden, dass sich die Besucher gleich angesprochen fühlen.

Yvonne Bertschi, Präsidentin SGF, lächelt. Sie kann wohl Gedanken lesen, denn sie sagt: «Ja, früher stellte man sich das Brockenhaus ziemlich muffig vor. Das ist längst nicht mehr so.»

Das Brugger Beispiel belegt dies. Alles ist gewaschen und blitzblank; die unzähligen Gegenstände, die – je nach Preisklasse – mit farbigen Punkten versehen sind, sind so angeordnet, dass man sich in ein kleines Heimatmuseum versetzt fühlt.

Über 40 Jahre lang war das Brocki an der Hauptstrasse 12 beheimatet – unentgeltlich.

Anfang Herbst 2011 wurde es mit der Meldung überrascht: Der Anbau der Alten Post werde abgebrochen; ergo müsse das Brocki raus. Unermüdlich suchte dieses nach einer neuen Unterkunft.

Nach einem Bericht in der Aargauer Zeitung fand sich schliesslich ein Vermieter – und das erst noch an derselben Strasse, nur sieben Häuser weiter, im zweiten Stock.

Ein Glücksfall, denn das Brocki ist auf einen zentralen Standort angewiesen, weil es sonst nicht den erhofften Umsatz erzielt, um Geld an gemeinnützige Projekte beizusteuern.

Im Frühling letzten Jahres wurde ins «Rössli» gezügelt. Dort hat sich das Brocki – mit inzwischen vier Räumen – gut eingelebt; die Gratis-Zeiten sind allerdings vorbei, an seiner jetzigen Bleibe zahlt es Miete.

Obgleich viele Stammkunden dem Brocki an den neuen Ort gefolgt sind, «gibt es auch solche, die leider nicht mehr dabei sind – weil sie keine Treppen steigen können», so Monika Theilkäs, «deswegen muss das Brocki auch neue Kundschaft gewinnen».

Die Leiterin hat aber festgestellt, dass «vermehrt junge Mütter mit ihren Kindern zu uns kommen». Weshalb? Weil das Brocki auch Kinderkleider verkauft.

Es fehlt also nichts, oder? Doch. Nicht nur eine neue Brockenstubenleiterin, «sondern auch ein starker Mann für unsere Möbeltransporte», sagt Yvonne Bertschi und hofft auf ein Wunder.

Ein solches hat das Brugger Brocki im Laufe seiner über 100-jährigen Geschichte immer wieder erlebt – da müsste es doch auch diesmal klappen.

Brockenstube Mittwoch, 14–17.30 Uhr; letzter Samstag im Monat: 10–14 Uhr; auch am 29. Juni. Nach der Sommerpause ab 14. August wieder geöffnet. Informationen unter www.sgf-brugg.ch

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