Lupfig

Das Bolzlihaus steht vor dem Verkauf

Die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung entscheidet über den Verkauf des sogenannten Bolzlihauses.

Die ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung entscheidet über den Verkauf des sogenannten Bolzlihauses.

Ein junges Ehepaar hat bei der Kirchenpflege Interesse angemeldet an der Liegenschaft an der Sandgasse 17 in Lupfig.

Veräussern statt investieren: Die Reformierte Kirchgemeinde Birr will das sogenannte Bolzlihaus verkaufen. Der Preis für die Liegenschaft an der Sandgasse 17 in Lupfig samt Umschwung von rund 660 Quadratmetern beläuft sich auf 650000 Franken. Der Entscheid liegt bei der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung am Donnerstag nächste Woche.

Die Kirchenpflege weist in den Unterlagen zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung auf die intensive Suche nach einem neuen Mieter hin, die erfolglos blieb. In Anbetracht dieser Situation und unter Berücksichtigung der stetig abnehmenden Steuereinnahmen gehöre es zur Aufgabe der Kirchenpflege, sich mit der Finanzentwicklung der Kirchgemeinde zu befassen. «Wir haben uns zur Pflicht gemacht, die Suche und Erschliessung von neuen Einnahmequellen zu intensivieren», hält die Kirchenpflege fest und spricht von einem Strategiewechsel. Zu diesem führten die Erfahrungen im Markt.

Mittelfristig soll ein Heim für Pflegekinder entstehen

Ein junges Ehepaar sei auf der Suche nach einem alten Haus mit Renovationsbedarf bei der Kirchenpflege vorstellig geworden. Die beiden wohnen zusammen mit einem Kleinkind in Birr. Die Ehefrau ist in Birr aufgewachsen und arbeitet als technische Operationsfachfrau in einem Spital, der Ehemann ist tätig als Sozialpädagoge in einem Kinderheim. «Gemeinsam haben sie die Vision, mittelfristig in eigener Regie mit Pflegekindern ein Heim aufzubauen», führt die Kirchenpflege aus.

Im vergangenen Dezember konnte mit dem Ehepaar eine Absichtserklärung zum Kauf des Bolzlihauses unterzeichnet werden. «Dieser juristisch unverbindliche Vorvertrag soll beiden Seiten eine gewisse Sicherheit vermitteln, ist aber kein Kaufvertrag», stellt die Kirchenpflege fest. «Vorbehalten bleibt die Zustimmung der Kirchgemeindeversammlung.»

Mitte des 18. Jahrhunderts, ist in der Geschichte zur Kirchgemeinde Birr zu lesen, wurde die Liegenschaft an der Sandgasse 17 in Lupfig verkauft an den «bescheidenen Melcher Bosserth von Ottmasingen, als einem Meister Schmidt Handtwercks». Im Juni 1999 genehmigte die Kirchgemeindeversammlung den Kredit von 950000 Franken für den Rückkauf der «Liegenschaft Bolzli». Die Absicht war, neue Räumlichkeiten zu schaffen, um die Situation einer drohenden Überbelegung des – für unterschiedliche Aktivitäten genutzten – Pfrundhauses zu entschärfen. Zudem sollte durch eine Arrondierung des zur Kirche gehörenden Pfrundlands eine geschlossene Fläche bis zur Sandgasse ermöglicht werden für eine Erschliessung.

Zuletzt führte die Stiftung Faro eine Wohngruppe

Bis heute sind gemäss Kirchenpflege drei Mietverhältnisse für das Bolzlihaus abgeschlossen worden, zuletzt mit der Stiftung Faro, die im ehemaligen Bauernhaus bis Ende des letzten Septembers eine Wohngruppe von kognitiv beeinträchtigten Menschen führte.

Die bisherigen Aufwen­dungen für die Werterhaltung des Bolzlihauses lassen sich gemäss Kirchenpflege mit rund 350000 Franken beziffern. Abhängig von den Erwartungen künftiger Mieter an einen zeitgemässen Ausbau-Standard müssten aber weitere Investitionen getätigt werden.

Die Kirchenpflege beantragt der Kirchgemeindeversammlung, nur einen Teil der Gesamtparzelle abzutrennen und zu verkaufen. Vorteil dieses Vorgehens sei, dass die Restparzelle von rund 1085 Quadratmetern nach wie vor an die Sandgasse anstosse und das damalige Argument der «Arrondierung Pfrundland» noch immer erfüllt sei. Eigentümerin der Restparzelle bleibt die Kirchgemeinde.

Kirchgemeindeversammlung Donnerstag, 27. Februar, 19.30 Uhr, im Pfrundhaus in Lupfig.

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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