Brugg
Darum kosteten die Kinder der ermordeten Afghanin 19'000 Franken pro Monat

«Ein so schlimmes Ereignis wie in Gipf-Oberfrick geht auch dem Personal im Kinderheim – trotz grosser Erfahrung – sehr nahe», sagt der Heimleiter Rolf von Moos. Zudem erklärt er, warum die Unterbringung eines Kindes auf der Notfallgruppe 19'000 Franken im Monat kostet.

Claudia Meier
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Das Kinderheim Brugg hat seit Januar 2013 eine Notfallabteilung für Kinder in einer Ausnahmesituation.

Das Kinderheim Brugg hat seit Januar 2013 eine Notfallabteilung für Kinder in einer Ausnahmesituation.

Claudia Meier

Die hohen Kosten im Zusammenhang mit dem Familiendrama von Gipf-Oberfrick vom 4. November 2015 haben viele Leser aufgeschreckt: Die Unterbringung der drei Kinder – damals 7 bis 13 Jahre alt – der getöteten Afghanin in der Notfallgruppe Sternschnuppe im Kinderheim Brugg kostete pro Monat 57 000 Franken, also 19 000 Franken pro Kind. Der Vater dieser Kinder ist der einzige Tatverdächtige und sitzt nach wie vor in Untersuchungshaft.

Die Notfallgruppe im Kinderheim Brugg gibt es erst seit Anfang 2013. Hier können – rund um die Uhr – Kinder aufgenommen werden im Alter von 0 bis 11 Jahren, die in einer akuten Notsituation, unbetreut oder gefährdet sind.

Doch wie lassen sich die Kosten von 19 000 Franken pro Monat erklären? Und wer kommt dafür auf? Gesamtleiter Rolf von Moos sagt: «Zwischen dem Kanton und der Institution besteht eine Leistungsvereinbarung, in der eine Tagespauschale festgelegt ist.»

Eltern zahlen 25 Franken pro Tag

Im Kinderheim Brugg beträgt die Unterbringung in der Notfallgruppe 608 Franken pauschal pro Tag respektive Nacht. Zuvor habe die Tagespauschale 620 Franken betragen und sei dann vom Kanton bei einer Sparrunde gekürzt worden, erklärt von Moos.

In diesem Haus an der Landstrasse in Gipf-Oberfrick kam es zum Tötungsdelikt (4. November 2015).
17 Bilder
Eine Afghanin wurde hinter dem Haus, im Garten, erstochen aufgefunden.
Die Polizei verhaftete den Ehemann am Tatort. Er steht unter dringendem Tatverdacht.
Das Ehepaar hat drei Kinder. Sie waren zur Tatzeit in der Schule.
Die Polizei war a Tattag um 8.30 Uhr informiert worden und fand den Mann fünf Minuten später am Tatort vor.
Der mutmassliche Täter liess sich widerstandslos festnehmen.
Die Kinder werden nach der Tat von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) betreut.
Die abgesperrte Landstrasse.
Der Mann wurde bei der Tat ebenfalls verletzt und wurde ins Spital gebracht.
Im Garten dieses Einfamilienhauses in Gipf-Oberfrick ist die Asylbewerberin am Mittwochmorgen tot aufgefunden worden. Am Mittwochmorgen ist in Gipf-Oberfrick die Leiche einer Afghanin (30) gefunden worden. Sie lag im Garten eines Einfamilienhauses, wie der Regionalsender Tele M1 in einer Vorabmeldung schreibt. Der Ehemann (40) wurde verhaftet.
Der Tatort an der Landstrasse in Gipf-Oberfrick.

In diesem Haus an der Landstrasse in Gipf-Oberfrick kam es zum Tötungsdelikt (4. November 2015).

Mario Fuchs

Wie bei allen stationären Angeboten von kantonalen Institutionen habe die Gemeinde im Normalfall 1240 Franken pauschal der monatlichen Kosten zu übernehmen, so der Gesamtleiter.

Zusätzlich gehen 25 Franken pro Tag zulasten der Eltern. Falls sie den Betrag nicht bezahlen können, muss meist auch hier die Gemeinde einspringen. «Die restlichen Kosten werden über den kantonalen Finanzausgleich beglichen», sagt von Moos.

Acht Plätze stehen in der Notfallgruppe im Kinderheim Brugg zur Verfügung. «Momentan sind wir mit neun Kindern eigentlich überbelegt. Daran wird sich auch über die Festtage nichts ändern», so von Moos.

Weitere Kinder könnten – je nach Konstellation – im Notfall trotzdem noch Unterschlupf finden. Zusatzkosten fallen über die Festtage nicht an, weil auf Basis der Leistungsvereinbarung abgerechnet wird.

Die professionelle Arbeit mit Kindern in Not ist sehr personalintensiv. Kommen weitere – vor allem kleinere – Kinder dazu, stehen schnell mehr Angestellte im Einsatz.

«Keine hohen Löhne»

Die Lohnkosten machen bei der Tagespauschale von 608 Franken laut von Moos 82 Prozent aus. Das liege an der Zahl der Mitarbeitenden und nicht an hohen Löhnen. Die restlichen Kosten entstehen im Bereich Versorgung, Liegenschaft und Unterhalt. Der Gesamtleiter lobt sein Personal.

Insbesondere auf der Notfallgruppe Sternschnuppe müssten die Angestellten sehr flexibel sein. Die drei Kinder der ermordeten Afghanin seien noch am gleichen Vormittag des schrecklichen Familiendramas im Kinderheim Brugg aufgenommen worden. Ein solch schlimmes Ereignis gehe auch dem Personal – trotz grosser Erfahrung – sehr nahe, lässt der Kinderheim-Leiter durchblicken.

Für die traumatisierten Kinder der Notfallgruppe steht eine interne Schule zur Verfügung. Der Aufenthalt auf der Notfallabteilung beträgt maximal 4 Monate. Er kann maximal um 2 Monate verlängert werden. «Dafür braucht es aber eine Bewilligung des Kantons», betont Gesamtleiter Rolf von Moos.