Für Doktor Leo Leu (Heinz Geissberger) kann der Tag wirklich nur noch besser werden. Ihm sitzt nicht bloss die Psychologin Eveline Vögeli (Angelika Steigmeier) im Nacken, die mit der Vorbereitung eines Theaterstücks beschäftigt ist, das offenbar mit Weihnachten zu tun hat (was die Christbaumkugeln der Tischdekoration in der Erbslet-Turnhalle erklären könnte).

Auch Kollega Balz Blättler (Peter Wülser) nervt. Genauso wie Leus Gattin Rosmarie (Lilli Grimm), die ihren lieben «Pflümli» – über den süssen Kosenamen darf spekuliert werden – heimsucht. Zudem macht Krankenhausdirektorin Prof. Dr. Amalie Hofstetter (Béatrice Steigmeier) gewaltig Druck wegen einer Ansprache, die Leu vor einem Kongress halten soll, bei dem für das Spital viel auf dem Spiel steht.

Schoggi im Leichenkühlraum

Das alles ginge vielleicht noch. Auch die Patientin Nurella (Nina Waser), die Pfleger Köbeli (Karl Pichler) entwischt ist, als Shakespeare zitierende Julia herum irrlichtert – und in Leu ihren Romeo sieht – wäre für den Doktor noch zu schaffen. Er hat ja auch die Geistesgegenwart, Oberschwester Gertrud (Renate Steffen), die einen kühlen Ort für eine Ladung Schoggiherzli sucht – die sie praktischerweise auf einem Krankenbett transportiert – den guten Rat zu erteilen: «Bringen Sie das Zeug doch in die Leichenhalle.»

Definitiv eng aber wird es für Leu, als Rita Kuster (Sandra Gutknecht) auftaucht. Sie war nämlich, 18 Jahre und 9 Monate ist es her, als junge Schwester im Spital tätig und – man ahnt es schon – dem leu’schen Charme und der Wirkung seines weissen Kittels erlegen. Jetzt will sie ihrem Sohn Felix (Sandro Hug), der Folge dieser Begegnung, den Vater vorstellen.

Auch dieser Felix steht sozusagen schon auf der Matte. Und ihm auf den Fersen die Polizei in der Person von Fritz Vögeli (René Baumann). Doktor Leu ist also gefordert. Improvisation ist gefragt. Nicht gerade erleichtert wird die Sache durch einen Rollstuhlpatienten (Georg Süss), der nicht bloss ein Einzelzimmer verlangt, sondern fatalerweise auch noch Felix heisst.

Viel Applaus für Beteiligte

Erwartungsgemäss führen die «Interventionen» von Doktor Leu – und seinem Komplizen wider Willen, dem Doktor Blättler – zu höchst ergötzlichen Situationen. Klinikdirektorin Hofstetter fragt sich denn auch: «Was ist eigentlich los in diesem Spital?» Und Polizist Vögeli meint resigniert: «Langsam werde ich zu alt für diesen Fall.»

Mit seinen turbulenten Szenen und Verwechslungen gibt das Stück «Alles uf Chrankeschiin» der Truppe um Regisseurin Jacqueline Schwarz viel Gelegenheit, sämtliche Register zu ziehen. Dem Publikum an der Premiere hats – dem Applaus nach zu schliessen – jedenfalls sehr gefallen.

«Alles uf Chrankeschiin» Turnhalle Erbslet, Villigen: Freitag, 10. März und Samstag, 11. März, jeweils 20 Uhr; Info und Reservation www.theatervilligen.ch.