Klingende Gläser in der Hotelhalle des Bad Schinznach: Die Exekutiven und ein Teil der Verwaltungsangestellten von Brugg und Schinznach-Bad stossen an auf den Zusammenschluss. Die Erleichterung bei Angela Lunginovic (Gemeindeammann Schinznach-Bad) und Barbara Horlacher (Stadtammann Brugg) ist gross. Denn das Resultat ist alles andere als eindeutig ausgefallen.

Brugg und Schinznach-Bad sagen Ja zur Fusion: die Brugger Frau Stadtammann Barbara Horlacher im Interview

«Viele fürchteten sich wohl um ihre Eigenständigkeit»

Die Brugger Frau Stadtammann Barbara Horlacher äussert sich unter anderem zum hohen Anteil der Nein-Stimmen.

Brugg und Schinznach-Bad sagen Ja zur Fusion: Angela Lunginovic, Frau Gemeindeammann Schinznach-Bad, im Interview

«Bei dieser Abstimmung gibt es keine Verlierer»

Angela Lunginovic, Frau Gemeindeammann Schinznach-Bad, über Fusionsgegner und Steuersenkungen.

In Schinznach-Bad sind 758 Personen stimmberechtigt. Von den 526 eingegangenen Stimmzetteln waren 6 leer. Das entspricht einer ausserordentlich hohen Stimmbeteiligung von 69,4%. Ja stimmten 279 Personen, Nein 241. Noch knapper fiel das Resultat in Brugg aus. Die Stimmbeteiligung im Bezirkshauptort lag gestern Sonntag bei 56,8%. 1907 stimmten dem Zusammenschluss zu, 1843 lehnten ihn ab.

Für den hohen Nein-Stimmen-Anteil in Brugg führt Projektleiter Markus Leimbacher verschiedene Erklärungen ins Feld. «Erstens gibt es immer einen Prozentsatz von Stimmberechtigten, die grundsätzlich ein Nein in die Urne legen. Zweitens gibt es die stolzen Brugger, die ihre Stadt nicht unbedingt mit anderen teilen möchten. Zudem argumentieren einige von ihnen aus fiskalischer Sicht. Sie befürchten, dass sich mit dem Zusammenschluss die Finanzen der Stadt verschlechtern.» Und drittens seien da noch einige, die sich mit den Gemeinden im Schenkenbergertal solidarisierten.

Dennoch: «Die sachlichen Argumente haben dieses Mal obsiegt. Bei Fusionen sind es häufiger Bauchentscheide, die zum Tragen kommen. Entsprechend bemerkenswert ist dieses Resultat», sagt Leimbacher.

Der Brugger Stadtrat und der Gemeinderat von Schinznach-Bad vereint beim Kurhotel des Bad Schinznach. Von links: Reto Wettstein, Willi Däpp, Leo Geissmann, Barbara Horlacher, Angela Lunginovic, Jürg Meyer, Boris Charpié, Sandro Wächter und Valentin Trentin.

Fusion Brugg/Schinznach-Bad

Der Brugger Stadtrat und der Gemeinderat von Schinznach-Bad vereint beim Kurhotel des Bad Schinznach. Von links: Reto Wettstein, Willi Däpp, Leo Geissmann, Barbara Horlacher, Angela Lunginovic, Jürg Meyer, Boris Charpié, Sandro Wächter und Valentin Trentin.

Appell an die Fusionsgegner

In einer Medienmitteilung schreibt der Gemeinderat Schinznach-Bad: «Dankbar, erleichtert und sicher auch mit stiller Genugtuung hat der Gemeinderat Schinznach-Bad das erfreuliche Resultat der Fusionsabstimmung sowohl in der eigenen Gemeinde als auch in Brugg zur Kenntnis nehmen dürfen.» Der Gemeinderat sehe darin einen Ausdruck des gewährten Vertrauens. Die Exekutive zeigt sich überzeugt: «Als partnerschaftlicher Ortsteil von Brugg gewinnen wir an Stärke und Bedeutung, ohne die Identität und unser ausgeprägt eigenständiges Dorfleben verlieren zu müssen.»

Der Gemeinderat appelliert auch an die Fusionsgegner. Er bittet diese, den «demokratisch ausgemarchten Entscheid zu akzeptieren und sich nicht aus dem politischen Leben zurückzuziehen». Es gelte, ab 2022 im Einwohnerrat oder im Stadtrat von Brugg die Interessen des Ortsteils Schinznach-Bad wahrzunehmen und zu etablieren.

In ihrer Ansprache bedankt sich Gemeindeammann Angela Lunginovic (SVP) bei den Verwaltungsangestellten, die einen Hauptteil der Vorarbeiten für den Zusammenschluss tragen mussten. Und Barbara Horlacher ergänzt: «Ich freue mich auf das, was kommt. Die Brugger haben mit diesem Abstimmungsresultat gezeigt, dass sie den Willen von Schinznach-Bad respektieren.»

Gespräche mit Kreisschule

Die Freude ist bei ehemaligen Exekutivmitgliedern ebenfalls gross. So beispielsweise beim Brugger alt Stadtammann Daniel Moser: «Dass Brugg Ja gesagt hat, ist ein gutes Zeichen von Offenheit, wenn auch von zögerlicher Offenheit.» Das Resultat sei zudem ein – wenn auch verspäteter – schöner Abschluss seiner Arbeit als Stadtammann. René Fiechter, ehemaliger Vizeammann von Schinznach-Bad, meint: «Es ist gut, dass wir einen definitiven Entscheid haben. Jetzt kann wieder Ruhe im Dorf einkehren.»

Im Vorfeld der Abstimmung haben sich auch unbeteiligte Drittgemeinden aus dem Schenkenbergertal zur Fusion geäussert. So forderte ein Komitee in Schinznach die Bevölkerung von Schinznach-Bad dazu auf, die Fusion mit Brugg abzulehnen und stattdessen gemeinsam mit Schinznach in die Zukunft zu gehen. Das Argument: Fallen die Schüler von Schinznach-Bad in der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal weg, sei dieser Standort umso gefährdeter. Angesprochen auf dieses Thema gibt Barbara Horlacher bekannt: «Wir haben mit der Kreisschule einen Gesprächstermin vereinbart.» Das Problem werde nun angegangen.

Dem Zusammenschluss von Brugg und Schinznach-Bad muss nun der Grosse Rat zustimmen. Dies soll noch in diesem Jahr erfolgen. Per 1. Januar 2020 werden dann die beiden Gemeinden zusammengeführt.

Den Kommentar dazu finden Sie hier.