Feiner Sand, kristallklares Wasser, saubere Luft, viel Grün, sich ernähren von frisch gefangenen Fischen oder dem selber angebauten Gemüse: Das Leben auf Rah Island, einer der vielen Inseln in Vanuatu im Südpazifik, entspricht für einige Menschen wohl einem wahr gewordenen Traum. Dank vier Studierenden der Fachhochschule für Wirtschaft FHNW in Brugg-Windisch kann man sich diesen nun auch tatsächlich verwirklichen – auch wenn nur für ein paar Tage als Tourist.

Carmen Bugmann, Adriana Zivkovic, Massimiliano Monteleone und Olivia Lüthi haben in einer Projektarbeit für ein Bungalow-Dorf in Rah Island eine Website zusammengestellt samt Reservationssystem, dazu den Auftritt in den sozialen Medien aufgebaut, eine Broschüre gestaltet und ein Werbevideo aufgenommen. Sie haben Computer und Smartphones gekauft, vor Ort installiert und die Insulaner darin geschult, allen voran die Familie Dini, die die Bungalows betreibt.

Bereits Buchungen eingegangen

Diese werden derzeit ausgebaut: Neben den bisherigen Familien- und Strandbungalows aus Holz steht bald auch eine Komfort-Variante aus Beton. Damit wollen die 200 Bewohnerinnen und Bewohner von Rah Island mehr Touristen anlocken, denn sie brauchen Geld, etwa für die Schulbildung der Kinder oder für Baumaterial für die Errichtung von zyklonresistenten Unterkünften. Das Ziel wären zirka zehn Touristen pro Woche, also ein «sanfter und nachhaltiger Tourismus», wie die Studierenden schreiben.

Mit «nachhaltig» sei aber mehr «der kulturelle Aspekt» gemeint, sagen die vier Studierenden. Es geht um einen kulturellen Austausch: Auf Rah Island leben die Menschen noch weitgehend selbstversorgend. Dies mitzuerleben, sei die bestmögliche, authentischste Vanuatu-Inselerfahrung. «Entdecken Sie unsere einzigartige Kultur und beginnen Sie ein neues Abenteuer», wird denn auch auf ihrer Broschüre versprochen. Dass die kleine, rund 50 Hektaren grosse Insel künftig mit Touristen überbordet, befürchten die Studierenden nicht. Schon nur weil die Flug- und Unterkunftskapazitäten dies nicht zulassen, sagen sie.

Die Insel haben die vier Studierenden letztes Jahr während sieben Tage besucht. Zwei von ihnen kehrten erst kürzlich dorthin zurück. Die Website, die sie erstellt haben, wird bereits rege von Touristen benutzt: So sind bereits einige Buchungen eingegangen. Eine Nacht zu zweit im Bungalow kostet je nach Ausstattung zwischen 60 und 80 Franken pro Person, inklusive drei Tagesmahlzeiten. Grundwasser und notfalls auch Strom stehen zur Verfügung. Auf der Insel werden Aktivitäten angeboten wie wandern, schnorcheln, fischen, Körbe flechten oder den traditionellen Tänzen zuschauen.

Gegen 30 Bewerber durchgesetzt

An einem Projekt zu arbeiten, das tatsächlich umgesetzt wird, sei für die Studierenden die grösste Motivation gewesen. Zudem waren sie zum ersten Mal an einem so paradiesischen Ort, anders als ihr Fachdozent Walter Hugentobler, der die Insel seit Jahren gut kennt und schon eine Beziehung zu den Inselbewohnern aufgebaut hat. Studierende, die dieses Projekt anpacken wollten, mussten sich bewerben und gegen 30 Konkurrenten durchsetzen. Die Arbeit sei dafür sehr umfangreich gewesen, mit vielen unterschiedlichen Aspekten, sagen die vier Studierenden. Für das Projekt gingen sie etwa auch auf Sponsorensuche. Dank vielen Privatspenden kam Geld «im tiefen fünfstelligen Bereich» zusammen.

Grosse Dankbarkeit auf der Insel

Für die gute Arbeit gabs am Schluss die Note 6. Im Sommer schliessen die vier ihr Studium ab. Was hat ihnen am besten an der Arbeit auf der Insel gefallen? «Ich kam an und wurde von der Familie sofort als neues Mitglied aufgenommen. Die Menschen nehmen einen dort so, wie man ist. Davon könnten wir hierzulande auch lernen», sagt Carmen Bugmann. «Als wir das fertige Projekt vorgestellt haben, waren sie so dankbar und glücklich darüber, selbst die Tourismus-Verantwortliche der dortigen Provinz vergoss Tränen», erzählt Adriana Zivkovic. «Es ist schön, wie sie alles auf der Insel untereinander teilen», sagt Massimiliano Monteleone. Vom gelebten Teilen und vom Gemeinschaftssinn beeindruckt war auch Olivia Lüthi. «Die Natürlichkeit, mit der die Menschen dort miteinander umgehen, will ich auch gerne hier weiterführen», sagt sie. Auf jeden Fall hätten alle viel von der Erfahrung gelernt. Diese und weitere Eindrücke wollen sie am 19. März an einer öffentlichen Vorführung des Projekts vermitteln.

Vortrag «Experience Rah Island», FHNW-Campus Brugg-Windisch, 19. März, 18 Uhr.