Im Familienzentrum Brugg an der Laurstrasse 11 herrscht an diesem Freitagnachmittag eine ausgelassene Stimmung: Ein Kindergeburtstag ist im Gange. In einem Zimmer abseits des Trubels ist es hingegen still. Dort sitzen Dia und Siljan, vor sich Hefte, Ordner und Etuis.

Siljan ist Dias Nachhilfelehrer. Wie jeden Freitagnachmittag treffen sie sich in den Räumlichkeiten des Familienzentrums Brugg für eine Nachhilfelektion. Dia ist 11 Jahre alt und besucht die 5. Primarklasse. «Meine Mutter schlug mir vor, die Nachhilfe zu besuchen, da meine Noten nicht so gut waren», erzählt Dia.

Seit Mitte Oktober gibt ihr Siljan Nachhilfe in verschiedenen Fächern, von Mathematik über Sprachen bis hin zu Realien. Meistens konzentrieren sich die beiden auf das Fach, in dem gerade eine Prüfung ansteht.

Übungsordner zusammengestellt

«Ich versuche, Dia Methoden zu vermitteln, wie sie etwas besser lernen und verstehen kann», sagt Siljan. Der 19-Jährige absolviert das dritte Jahr an der Alten Kantonsschule in Aarau. Er besuchte selber die Schule in Brugg, kennt noch einige Lehrmittel aus seinem eigenen Unterricht. «Ich habe immer gedacht, ich würde gerne Nachhilfe geben. Als ich dann hörte, dass das Familienzentrum Nachhilfelehrer sucht, habe ich mich gemeldet.»

Für ihn sei der Vorteil, dass er einen festen Ort zum Unterrichten habe. «Und das Sackgeld ist natürlich auch willkommen.» Pro Lektion, die rund 50 Minuten dauert, bezahlt Dia 25 Franken. 20 Franken erhält Siljan, 5 Franken gehen ans Familienzentrum für die Koordination der Termine, die Raummiete und die Administration.

Da die Weihnachtsferien kurz vor der Tür stehen, hat Dia dieses Mal kaum Material dabei, und es steht auch keine Prüfung an, auf die gelernt werden könnte. Also nimmt Siljan seinen Ordner hervor, den er sich extra angelegt hat. «Ich habe eigenes Material oder Übungen, die ich im Internet gefunden habe, hier zusammengetragen.»

Wenn er von vorneherein wisse, welches Fach Dia anschauen möchte, könne er sich darauf vorbereiten. Heute hat Dia kein spezielles Anliegen, weshalb die beiden gemeinsam die Pluralformen von englischen Wörtern durchgehen.

Jugendliche sind näher dran

Sie wisse inzwischen, wie sie besser, gezielter und konzentrierter lernen könne, sagt Dia. Den Lernerfolg sehe man langsam, er sei im Aufbau. Solange es nötig ist oder bis zur 6. Klasse möchte Dia mit der Nachhilfe weitermachen. Auch Siljan ist motiviert und könnte sich vorstellen, weiteren Kindern Nachhilfe zu erteilen.

Alexandra Hossli vom Familienzentrum Brugg, die die Nachhilfelektionen organisiert und koordiniert, sagt denn auch: «Wir hätten noch Kapazität für mehr Nachhilfeschüler.» Aktuell gibt es vier Schüler-Lehrer-Tandems. Für Hossli ist der Vorteil, dass die jungen Lehrer näher bei den Kindern seien als Erwachsene. «So ist ein anderer Zugang möglich und beide profitieren voneinander.»