Wie sieht der Alltag eines Rollstuhlfahrers aus? Wie schmeckt ein Mittagessen bei einer türkischen Familie? Wie funktioniert die Redaktion einer Obdachlosen-Zeitschrift? Wie sieht eine Moschee von innen aus oder wie lebt ein pensioniertes Ehepaar? Erlebnisse, die noch nicht jeder in seinem Leben gemacht hat. Aber es sind Lebenswelten, die es auch in der Schweiz gibt. Mondopoly möchte, dass bereits Kinder und Jugendliche solche Erfahrungen machen können, um das gesellschaftliche Zusammenleben zu fördern. Das Projekt beschäftigt sich damit, die soziale und kulturelle Vielfalt in der Schweiz den Kindern und Jugendlichen näherzubringen.

Seit 2009 organisiert der Verein Mondopoly Spiele, die Begegnungen zwischen Menschen mit verschiedenen Hintergründen möglich machen. Vorbei mit Stereotypen: Mondopoly möchte, dass wieder mehr miteinander statt übereinander geredet wird. Das Begegnungsspiel hat im Raum Zürich Fuss gefasst und möchte expandieren.

Bereits haben rund 600 Kinder und Jugendliche daran teilgenommen. Die Rezensionen der Schüler sind positiv und deuten auf einen erlebnisreichen Tag hin. Das Spiel funktioniert ähnlich wie Monopoly. Die Stadt wird zum Spielfeld. Nur geht es nicht darum Häuser zu bauen und Geld zu verdienen, sondern echte Begegnungen sollen im Zentrum stehen. Die teilnehmenden Gruppen dürfen sich selber aussuchen, bei welchen Posten sie vorbeischauen. Jeder absolvierte Posten wird mit der Spielwährung «Mondos» belohnt. Die Gruppen mit den meisten «Mondos» gewinnt das Spiel.

In den letzten vier Jahren konnten die Teilnehmenden viele Lebenswelten in der Stadt Zürich kennenlernen: Ein Altersheim, eine Behindertenwerkstatt, eine Studenten-Wohngemeinschaft, ein Brockenhaus oder eine Moschee. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, mit ihrem Spiel die gegenseitige Anerkennung und Solidarität zu fördern. Zusätzlich soll Diskriminierung und Rassismus vermindert werden. Mit diesem sozialen Engagement hat das Mondopoly-Team den ersten Preis am diesjährigen Swiss UpStart-Wettbewerb der Fachhochschule Nordwestschweiz in der Kategorie «Social Business» gewonnen.

Mondopoly möchte nun das Begegnungsspiel auch an anderen Orten in der Schweiz anbieten – zum Beispiel im Kanton Aargau. Mit einem Coaching-Angebot soll dies möglich gemacht werden. Aktuell ist der Verein mit diversen Fach- und Förderungsstellen in den Bereichen Jugend, Integration und Diversität aus dem Raum Zürich im Gespräch. Vorstandsmitglied Charlotte Briner erklärt: «Mit dem Coaching möchten wir alle jene ansprechen, die Lust haben, ein Begegnungsspiel durchzuführen – seien es einzelne Personen, ein Quartierverein, eine Jugendorganisation oder auch eine Schulklasse.»

Mondopoly wird nebst dem Coaching weiterhin selber Spiele durchführen, so Charlotte Briner weiter. Der nächste Anlass findet im April 2015 in Zusammenarbeit mit «schule&kultur» vom Volksschulamt Kanton Zürich statt. Ein Pilotprojekt, bei dem zwei Schulklassen mitwirken dürfen. Der Verein Mondopoly wünscht sich für die Zukunft, dass ihr Integrationsspiel immer öfter und an möglichst vielen Orten in der Schweiz stattfinden wird.